„Wenn da mal nicht diese Wortspiele wären“ Dresden mit anderen Augen sehen

Die Tasche gepackt, hinein damit in den Kofferaum des Mietwagens und ab geht’s gen Osten Richtung Dresden. Dresden – das Elb´Florenz, wie es gerne genannt wird. Doch viel besser würde eigentlich passen: Dresden – Die Stadt der willenlosen Wortspiele.

Nach sechs Stunden Fahrt über erst äußerst holprige, ab der ehemaligen Grenze neue glatte Autobahnen kommen wir an unserem Ziel an. Nachdem wir uns bei einem in Dresden studierenden Kumpel einquartiert hatten, ging es gleich los in Richtung Innenstadt: Ein erster Blick auf Gedächtniskirche, Schloss und Zwinger (bekannt aus der Werbung als vermeintliche Radeberger Brauerei) zeigt: Dresden ist eine wirklich schöne Stadt, wären – ja – da nicht diese Wortspiele, die uns in Richtung Stadtmitte überall begleiten.
Direkt an der ersten Kreuzung fällt einem gleich ein großes Softeis ins Auge. Neben der Rieseneiswaffel verbirgt sich die Eisdiele mit dem „vermeintlich besten Softeis der Stadt“, die den kreativen Namen „Willy Vanilly“ trägt. Nach dem wir uns von diesem fast schon schmerzhaften Wortspiel erholt hatten, ging es weiter, vorbei an der Pizzeria „Zum fliegenden Italiener“, in die Altstadt. Dort angekommen wartete neben den bekannten Sehenswürdigkeiten, auch die Parfümerie Müller auf uns, die mit dem schönen Slogan wirbt: „Parfümerie Müller …und der Tag wird dufte!“ Nach diesem Schock erst mal ein Bier, es ist ja auch schon Abend geworden. Also zurück in das Kneipenviertel der Neustadt und hinein in eine Bar. Doch die Erholung von der Wortwitzfront bleibt aus, denn beim Blick auf die Getränkekarte sehen wir den Namen des „höllisch guten“ Lokals, das nach seinem Besitzer benannt wurde, nämlich „Hell´muts“. Danke dafür! Nun schnell heim in die wortspielsicheren vier Wände.

Nicht nur an der Wortspielfront, sondern auch sonst weltmeisterlich in Sachen Kreativität.

An diesem Tag sind wir viel gefahren, haben viel gesehen, nur gegessen haben wir noch nicht viel. Was macht man in diesem Fall in der Großstadt? Klar, man ruft einen Lieferservice an. Von unserem Dresdner Kumpel bekommen wir den Tipp, dass es neben den klassischen Pizza- oder Asia-Bringdiensten auch einen Schnitzel-Lieferservice gibt, der vom klassischen „SchniPoSa“, über Jägerschnitzel, bis zum Schnitzel „Dallas“ (mit Schinkenspeck und Rührei) alle erdenklichen Schnitzelsorten plus Salat und Beilagen anbietet. Der Preis stimmt, der Hunger ist groß – also angerufen und gleich eine Großbestellung aufgegeben. Das Telefonat lief ohne Probleme, ganz reibungslos, bis sich der nette Herr vom Schnitzelblitz mit den Worten verabschiedete: „Wunderbar, wir haben alles notiert und kommen in ca. 45 Minuten bei Ihnen vorbeigeschnitzelt!“ Ich konnte vor Lachen fast nicht mehr den Hörer halten und eigentlich hätte man für diesen Spruch wieder abbestellen müssen, aber nun ja – der Hunger war größer als die Vernunft. Also kam wenige Minuten später das Bestellte „vorbeigeschnitzelt“ und so endete ein erlebnisreicher Tag im „Wortspielparadies Dresden“, an den wir uns gerne zurückerinnern.

Tobias Siegwart

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