BlindAd – Der Freizeittreff. Das erste wirklich “soziale” Social Network?

Das KA.mpus-Interview mit BlindAd-Gründer Nicolas Amann


Social Networks, wie Facebook oder StudiVz, sind aktuell populärer denn je und manchmal verbringt man durch sie mehr Zeit im Internet als im wahren Leben. Jetzt haben zwei Studenten aus Heidelberg und Freiburg diesem Trend den Kampf angesagt. Mit BlindAd.de haben sie ein eigenes soziales Netzwerk geschaffen, was die Bezeichnung „sozial“ auch wirklich verdient. Mitgründer Nicolas Amann erzählt KA.mpus, was es damit genau auf sich hat.

Gemeinsam mit seinem Bruder Dominic, der in Freiburg als Medizinstudent gerade dabei ist seine Doktorarbeit zu schreiben, hat Nicolas Amann die Seite von Grund auf entworfen. Nicolas hat in Heidelberg den Bachelor in Mathematik gemacht und beginnt nun in Mannheim mit seinem Materstudium. Kurz vor seiner ersten Pflichtveranstaltung hat er noch Zeit gefunden, um KA.mpus Näheres über sein großes Internetprojekt BlindAd.de zu erzählen.

KA.mpus: Nicolas, was ist BlindAd?

Nicolas Amann: BlindAd ist eine Internetplattform, mit der man sich zu allen möglichen Freizeitaktivitäten verabreden kann. Vielleicht erst einmal zu dem Namen “BlindAd”. Was bedeutet das? Blind bedeutet einfach, dass man Leute trifft, die man davor noch nicht kennt. Man weiß lediglich den Vornamen, das Alter und das Geschlecht und trifft die Leute dann bei den verschiedenen “Adventures”. Daher kommt dann auch das Ad, das bei uns für Adventures steht. Das können von Joggen, Kneipentour oder Cocktailabend alle möglichen Freizeitaktivitäten sein und gerade, wenn man neu in einer Stadt ist, also neue Leute kennen lernen möchte, bietet sich eben unsere Plattform wunderbar an.

KA.mpus: Wie läuft das dann konkret ab? Was muss ich tun, um bei einem Adventure mitmachen zu dürfen?

Nicolas Amann:
Man muss sich erst mal registrieren, was natürlich kostenlos ist. Dann kann man speziell für seine Stadt schauen, welche Adventures es gibt und, wenn man was Passendes gefunden hat, muss man lediglich auf Zusagen klicken und dann trifft man sich zum abgemachten Zeitpunkt am abgemachten Ort. In der Regel läuft das so ab: Man schaut, ob es in seiner Umgebung beispielsweise ein Fußballtunier oder eine Kneipentour gibt, meldet sich an und geht dann da hin. Für den Fall, dass es das gewünschte “Abenteuer” noch nicht gibt, haben wir auf der Homepage ein Formular, mit dem man schnell selbst ein Adventure eintragen kann und sich die anderen Community-Mitglieder dazu anmelden können.

KA.mpus: Also kann auch jeder, der bei euch registriert ist, selbst ein Adventure eintragen und organisieren?

Nicolas Amann:
Ja, das läuft dann über mehrere Schritte ab. Im ersten Schritt gibt man ein, was man machen will sowie wann und wo das statt finden soll. Im nächsten Schritt folgt dann die genaue Beschreibung der Veranstaltung und des Ortes. Dabei kann man eingeben, ob man sich z.B. nur mit Studenten oder allen möglichen Leuten treffen möchte. Wenn man gerade auf Partnersuche ist, kann man auch angeben, dass sich das Adenture nur an Singles richtet. Im dritten Schritt gibt es die Möglichkeit noch seine eigenen Freunde dazu einzuladen und das wars dann eigentlich schon. Alle können das Adventure dann sehen und bei Interesse daran teilnehmen.

KA.mpus: Und das Besondere beziehungsweise der “Blind Aspekt ” ist dabei der, dass man sich vorher gar nicht kennt.

Nicolas Amann:
Genau, also man kennt sich vor den Adventures nicht. Vom Prinzip her sind wir auch ein ganz normales soziales Netzwerk, nur bei uns gibt es keine Freunde- oder Personensuchfunktion. Man ist somit erst mal allein, also sozusagen “blind” und erst, wenn man an einem Adventure teilgenommen hat, kann man die Personen, die dort dabei waren, auch adden, sprich zu seiner Freundesliste hinzufügen. Dann kann man sich, wie bei Facebook und Co., Nachrichten schicken, Pinnwandeinträge machen und so weiter, doch am Anfang ist man quasi erst einmal auf sich allein gestellt.

KA.mpus: Aber wie kontrolliert ihr dann, ob derjenige wirklich bei einem Adventure war?

Nicolas Amann: Also wenn ein Adventure stattgefunden hat muss man hinterher angeben, ob die Person anwesend war oder nicht und erst, wenn beide gegenseitig bestätigt haben, dass sie dort waren, kommt man auch in die Kontaktliste. Gut, es gibt die Möglichkeit ein Fake-Adventure zu erstellen, aber das ist nicht Sinn der Community.

KA.mpus:
Wenn man dann bei BlindAd befreundet ist kann man somit alle bekannten Social Network-Funktionen, wie Nachrichten- oder Pinnwandeinträge, nutzen. In welchen Punkten unterscheidet ihr euch dann noch von ‘normalen’ sozialen Netzwerken?

Nicolas Amann: Also der größte Unterschied sind immer noch die Adventures, die den Mittelpunkt unseres Netzwerks bilden und dann gibt es noch so ein paar andere Kleinigkeiten. Man kann sich bei uns beispielsweise, anstatt zu gruscheln oder sich anzustupsen, wie man es von StudiVZ oder Facebook kennt, verrückte Tierstimmen zuschicken. Das ist ein ganz nettes kleines Feature, das auch immer gern genutzt wird.

Bei BlindAd geht es mitunter “tierisch” zu.

Hörbeispiel gefällig? Verrückter Frosch BlindAd

KA.mpus: Ah schön. Wie kamt ihr denn auf die Idee?

Nicolas Amann:
Ich weiß es nicht mehr so genau. Das kam auf jeden Fall von meinem Bruder, der hat öfter mal so ein paar witzige, skurrile Ideen. Wir haben gedacht: Wir brauchen noch irgendwie einen Aufhänger und möchten die Sachen aufnehmen, die schon bekannt sind, aber halt ein bisschen witziger. Anstupsen oder Gruscheln – das macht kaum mehr jemand und wir dachten: Wir machen jetzt was komplett Neues mit witzigen Tierstimmen, so ein wenig dann auch als Anspielung auf die anderen, ‘klassischen’ Netzwerke.

KA.mpus:
Wie seid ihr eigentlich auf die Idee gekommen BlindAd zu gründen?

Nicolas Amann:
Die Sache kam so zu Stande, dass wir uns gedacht haben: Die meisten Leute hocken heute nur noch den ganzen Tag vor dem PC, sind in Facebook und klicken auf irgendwelche Apps, die schon extrem komisch oder seltsam sind. Man verbringt dabei eben viel zu viel Zeit vor dem Computer, ohne wirklich wieder rauszugehen und wir dachten eben, dass wir den Gedanken eines “sozialen” Netzwerkes richtig aufgreifen wollen, dass man wirklich sozial aktiv ist und sich draußen trifft. Wir wollten die Leute eben wirklich wieder weg vom Computer, weg vom Schreibtisch und zurück ins wahre Leben holen und so kamen wir auf die Idee eine Internetplattform zu schaffen, auf der man sich zu allen möglichen Freizeitaktivitäten verabreden kann.

KA.mpus: Also sozusagen die sozialen Netzwerke mit ihren eigenen Waffen schlagen.

Nicolas Amann: Ja schon. Ich möchte aber betonen, dass wir uns nicht als Konkurrent zu Facebook und Co. sehen, wir möchten eher das Gegenstück dazu sein. Das Prinzip ist ja auch ein völlig anderes. Ich unterstelle ja auch nicht, dass Facebook nur schlechte Seiten hat. Es ist ja auch ganz nett, gerade um sich schnell Nachrichten zu schicken oder Neuigkeiten auszutauschen, aber wir selber sind eine ganz andere Community, die eben speziell darauf ausgelegt ist, neue Leute kennen zu lernen, neue Sachen auszuprobieren und dabei vielleicht auch neue Hobbys zu finden.

KA.mpus:
Wenn man sich mal die Adventures anschaut, die schon statt gefunden haben, entdeckt man da ja eine große Bandbreite. Da gibt es ja von ganz kreativen Veranstaltungen, wie dem BlindAd Dinner, bei dem jeder Gang des Essens bei jemand anders zu Hause eingenommen wird, über Mountain Water Bike, also das Fahren mit dem Wasserfahrrad, der klassischen Schnitzeljagd, bis zu kleineren Veranstaltungen, wie Picknick oder Bücher-Tausch-Abenden sicher für jeden Geschmack etwas. Was sind denn bis jetzt die beliebtesten Adventures?

Nicolas Amann: Was sehr beliebt ist sind gerade die Klassiker, wie Kneipentouren oder Cocktailabende und ansonsten ganz viel Sport. Man trifft sich zum Joggen oder zum Badminton spielen, da geht es dann eben auch darum neue Sportpartner zu finden. Also insgesamt waren es schon etwa 160 Adventures und das nur in den letzten drei Monaten.

KA.mpus: Kann man sagen, dass ihr so eine Art modernes Familienunternehmen seid?

Nicolas Amann: Ja mehr oder weniger. Mein Bruder und ich haben größtenteils alles erarbeitet und gemacht. Mein Bruder hatte die Idee und war für den Inhalt zuständig. Ich hab die Seite programmiert und meine Schwester hat die Icons und Banner, also den Designfeinschliff, übernommen.

BlindAd.de – eine Art modernes Familienunternehmen: Dominic, Rebecca und Nicolas Amann (von links)

KA.mpus: Wie sieht euer Plan für die Zukunft aus?

Nicolas Amann: Wir erhoffen uns, dass wir gerade durch den Semesterstart viele neue Leute gewinnen können und das dadurch noch mehr Ad´s statt finden werden. Wir arbeiten zur Zeit auch noch an einem Relaunch der Seite, wodurch alles noch ein bisschen vereinfacht werden soll und neue Funktionen dazu kommen, die die Sache dann noch interessanter machen.

KA.mpus: Es können aber nicht nur Studenten mitmachen?

Nicolas Amann:
Nein, nein es können natürlich alle mitmachen.

KA.mpus: Wieviel Teilnehmer habt ihr bis jetzt schon?

Nicolas Amann:
Knapp über 1000 Registrierungen, was täglich immer noch zunimmt. Die Mitglieder kommen aus ganz Deutschland, aber die meisten sind in Heidelberg und Freiburg. Wir wollen jetzt erst mal in den größeren Städten Baden-Württembergs, also gerade auch in Karlsruhe, gezielt auf uns aufmerksam machen. Dadurch erhoffen wir uns einen größeren Zulauf und wünschen uns, dass wir damit unserem Ziel, die Leute wieder weg vom Schreibtisch zu bringen, auch in weiteren Städten ein gutes Stück näher kommen werden. Schön wäre es, wenn es durch BlindAd generell einfacher wird neue Leute kennen zu lernen, egal wo man gerade ist.

KA.mpus: Vielen Dank Nicolas für die Zeit, die du dir für uns genommen hast und viel Erfolg weiterhin bei eurem Projekt!

BlindAd.de – Hier nochmal alles bildlich erklärt:

Mehr Infos auf www.blindad.de

Tobias Siegwart

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