Lumiere Noire – neue Kunst aus Frankreich

11.06.2011 – 25.09.2011

Eine zusammengestürzte Skulptur; mystisch aufgeladene Bilder; präzise, realistische Malerei; ein Meer von Glühbirnen …
Die Liste dessen, was die derzeit in der Kunsthalle ausstellenden Künstler zu bieten haben ist lang.
Die zwölf gebürtigen Franzosen, die überall in der Welt zu Hause sind, sind noch bis zum 25. September in der Kunsthalle Karlsruhe zu sehen.

Wer von der Hans-Thoma-Straße kommend das große Eingangstor zur Orangerie der Kunsthalle Karlsruhe passiert, den erwartet ein schwarz-weißes Mystikum der anderen Art. Kontrastreicher könnte eine Ausstellung nicht sein. Nicht nur weil sich die Künstler fast ausschließlich jener Farben bedienen, die eigentlich keine sind – Schwarz und Weiß –, sondern auch in vielerlei anderer Hinsicht. Ein Potpourri meist großformatiger Bilder, Skulpturen, Klang- und Videoinstallationen. Hier prallen realistisch detaillierte Malerei und abstrakter Konstruktivismus aufeinander und doch entsteht so etwas wie Harmonie in dem nach oben hin weit geöffneten Bau der Karlsruher Orangerie.

Mit 29 Jahren ist der in Toulouse geborene Guillaume Bresson der jüngste der ausstellenden Künstler – zugleich jedoch der Beeindruckendste. Seine großen Ölbilder zeigen dunkle, geheimnisvoll wirkende Gewaltszenen, die sich an Orten wie Parkhäuser und in den Pariser „Banlieue“ (dt.: Vorstadtbezirke) abspielen. Steht man vor dem Bild – zugleich das Titelbild der Ausstellung – dann denkt man unwillkürlich an die jährlich wiederkehrenden Krawalle der Pariser Vorstädte. Ist hier etwa eine Sozialkritik des Künstlers versteckt?

Formal bewegt sich der Künstler mit seinem realitätsnahen Stil sehr nahe am Genre der Historienmalerei in der Tradition Raffaels oder Poussins. Doch die in den Bildern auftauchenden Trainingsanzüge, versehen mit diversen Markenemblemen, sowie andere Statussymbole, holen den Betrachter schnell zurück in die finstere Gegenwart, auf die das Gezeigte anspielt.

Ähnlich brutal, doch weitaus unruhiger und dynamischer geht es in den ebenfalls großformatigen Holzschnitten Damien Deroubaix‘ zu. Dieser vereint martialische Ansichten von Tieren, verschiedene Schädel und Horrorszenarien – eine atomare Explosion – in collagierten Darstellungen („Gott mit uns“, 2011).

Insgesamt entsteht ein apokalyptischer Eindruck. Tod, Zerstörung und Verfall dominieren einige seiner Arbeiten. Der Künstler selbst meinte diesbezüglich, mit der Farbe schwarz assoziiere er Musik wie „Grindcore“ und „Deathmetal“. – Durchaus vorstellbar, wie aus der Mischung dieses Musikstils und der Farbe Schwarz Arbeiten entstehen, wie sie in der Kunsthalle zu sehen sind.

Weniger der Qualität wegen als vielmehr aufgrund einer Panne bezüglich einer Skulptur, schaffte es die Kunsthalle Ende Juni die Aufmerksamkeit auch überregionaler Medien auf sich zu ziehen. Eine fünf Tonnen schwere Skulptur war in sich zusammengefallen. Es war die aus 350 Hohlblocksteinen bestehende Bogenskulptur, die keine zwei Wochen im Museum gestanden hatte.

– Natürlich war das Museum leer, für so etwas war vorgesorgt und es ist nichts dabei passiert –

Neben anderen derartigen „Experimenten“, setzt sich Vincent Ganivet in seinen skulpturalen Arbeiten häufig mit Statik und dem „Verhältnis von Gewicht und Tragkraft“ auseinander (Zitat, Lumiere Noire, neue Kunst aus Frankreich, Ausstellungskatalog, Walther König Verlag, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, 2011, S.216, Stefanie Müller). Auf verbindendes Material wie Mörtel, der die einzelnen Teile zusammenhält, wird dabei gänzlich verzichtet. Von der Skulptur sind inzwischen nur noch die weit auf dem Boden verstreuten Bruchstücke der Hohlblocksteine zu sehen.

Weitere neun französische Künstler stellen ihre Arbeiten in den Kontext. Wie bereits genannt, finden sich darunter raumgreifende, sehr große Skulpturen, eine Klanginstallation, Videoinstallationen, ebenfalls höchst detailliert, figurative Bleistift- und Tuschezeichnungen, Kohlezeichnungen, sowie konstruktivistische (diesen zugleich karikierende) Kunst.
Alle Arbeiten weisen vereinende Schwarz-Weiß Bezüge auf und spielen mit Licht und Dunkelheit.

Florian Kuhn

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