Für einen Moment im Rampenlicht

Welcher Musiker träumt davon nicht wenigstens einmal in seinem Leben auf der Bühne zu stehen. Das Radio Oriente macht für Musiker jeden Genres möglich.

Neben der Bühne steht er da. Die Mütze tief ins Gesicht gezogen, die Hände in den Hosentaschen. Sein Blick wandert von der Band zu seinen Freunden. Sie scheinen nervös zu sein, aber auch entschlossen. Endlich hört die Band auf zu spielen. Der Typ mit der Mütze schaut zu seinen Freunden und bestätigt ihre Blicke mit einem kurzen Nicken. Nun ist es ihr Moment. Der Moment zu beweisen was sie musikalisch bieten können. Wenige Minuten danach befinden sie sich auf der Bühne. Sie fangen an zu spielen. Erst etwas zurückhaltend, dann etwas gewisser. Sie spielen die Songs ihrer Vorbilder, die sie inspiriert haben selber ein Instrument in die Hand zu nehmen und selber in ihrem Leben den Wunsch zu haben auf der Bühne zu stehen.

Wir befinden uns im Radio Oriente, einer kleinen Bar in der Hirschstraße, die sonntags jedem Musiker die Möglichkeit gibt sich selbst zu verwirklichen. „JamSession“ wird das Konzept genannt, das sowohl von den Musikern selbst, als auch vom Publikum gern gesehen wird. Die schweren Instrumente, wie Schlagzeug oder Klavier, sowie die Technik, werden vom Radio Oriente gestellt. Trotzdem ist es auch erlaubt sein eigenes Instrument mitzunehmen. Ob Amateur, Hobbymusiker oder Profi, jeder darf sich auf die Bühne begeben und jammen wie es sein Herz begehrt. Dafür muss man sich nicht mal im Voraus anmelden oder Gebühren zahlen.
Und wie sieht es mit der Musikrichtung aus? Es ist jedem freigestellt was er spielen möchte. Ein Gast erzählt, dass einmal eine Band Master of Pupets gespielt hat. Sie waren seiner Meinung nach zwar nicht gut, aber als der Schlagzeuger nach dem Lied seiner Freundin im Publikum einen Heiratsantrag machte, kam dies doch sehr überraschend. Zwischen den dunkelroten Wänden und den verschiedenen Bildern von Künstlern vergangener Generationen, erweckt das Radio Oriente eine Welt der Musik, in der sich jeder willkommen fühlt. Sowie die Musiker auf der Bühne, ist auch das Publikum sehr gemischt. Doch so unterschiedlich sie auch sein mögen, die Freude an der Musik ist bei ihnen allen gleich. Es kommt schon mal vor das ein begeisterter Gast auf die Bühne springt, das Mikrophon an sich reißt, um wenigstens den einen englischsprachigen Song mitschwäbeln zu können, dessen Text er vollkommen beherrscht.

Der Typ mit der Mütze und seine Freunde verlassen nach ihrem letzten Lied die Bühne. Schon befinden sich die nächsten Musiker auf dem Weg ins Rampenlicht. Nach einem kurzen Diskurs, gehen alle an ihre Instrumente und der Mann mit der Ryan Ban Sonnenbrille stimmt Jailhouse Rock von Elvis Presley an. Mit Routine spielen sie die Noten herunter, jammen dazu noch ein bisschen und heizen dem laut mitsingenden Publikum nochmal gut ein. Sie scheinen deutlich geübter darin zu sein vor Publikum aufzutreten. Trotzdem sieht man bei dem Typen, dem die Mütze tief in Gesicht hängt, ein kleines Lächeln über sein Gesicht huschen.

Beim Betreten der Hirschstraße fällt einem schon die kleine Menschengruppe vor einer gewöhnlichen Bar auf. Sie diskutieren über alltägliche Themen und ziehen dabei genüsslich an ihren Zigaretten. Ab und zu ein Schluck kühles Bier und dann wieder ein Zug von der Zigarette. Ein ganz normaler Sonntagabend mit Freunden in der Bar. Im Hintergrund spielt eine Band bekannte Songs, die jeder irgendwann mal in seinem Leben gehört hat. Doch dann stoppt sie. Sie fangen erneut an zu spielen, entscheiden sich aber im letzten Augenblick doch für ein anders Lied. Es klingt mehr nach einer Bandprobe. Doch als nachdem die beginnen wieder zu spielen ist diese Pause vergessen und das Publikum singt euphorisch mit.

http://www.radio-oriente.de

http://www.youtube.com/RadioOriente

Emilia Maria Kühn

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Eine Reaktion zu “Für einen Moment im Rampenlicht”

  1. Sven

    schön geschrieben! aber leider zu spät gelesen um selber hinzugehen…

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