Augen auf beim Gestengebrauch!

Sommerzeit ist Urlaubszeit und wenn dort der geneigte Urlaubsgast nicht nur in seinem Clubhotel verbleibt, sondern auch Land und Leute kennen lernt kann es schnell mal zu Verständigungsproblemen kommen. Wenn man dann die dortige Sprache nicht wirklich beherrscht und man mit Englisch auch nicht weiter kommt hilft nur noch die Verständigung „mit Händen und Füßen“. Doch auch die Konversation mit Gestik und Mimik kann komplizierter und verhägnisvoller sein, als manchereins denkt.


Neben der Mimik bilden Gesten und Gebärden die wohl wichtigsten Elemente nonverbaler Kommunikation. Hierbei muss man zwischen verschiedenen Arten von Gesten unterscheiden. Gesten können Worte betonen, wie wenn man eine Zahl sagt und diese gleichzeitig mit den Fingern anzeigt (z.B. „Zwei große Bier, bitte“), sie können aber auch für sich allein stehen, zum Beispiel wenn man jemand zu sich herwinkt. So gut wie alle Körperteile können Gesten und somit Aussagen machen. Die Anzahl der Gesten ist sehr groß und deren Bedeutungen sind oftmals kulturell verschieden, wodurch sie eine der größten Quellen kultureller Missverständnisse bilden.

Recht harmlos zeigen sich die Unterschiede beispielsweise beim Zählen mit den Fingern. In Deutschland beginnt man dabei normalerweise mit dem Daumen der rechten Hand – das ist bei uns die Eins-, dann kommt der Zeigefinger und so weiter. Die Finger werden dabei aufgeklappt. In den USA und der Türkei beginnt man mit dem Zeigefinger, darauf folgen Mittel- und Ringfinger und erst zuletzt der Daumen. In China werden derweil die Zahlzeichen mit der Hand nachgebildet und im Gegensatz zu unserem „Fingeraufklappen“ klappen die Japaner die gezählten Finger weg.

Weltweit gültige, kulturübergreifende Gesten gibt es nur sehr wenige. Doch auch bei diesen muss man aufpassen, so muss beim ackermannschen Victory-Zeichen die Handfläche nach Außen zeigen. Zeigt diese nach Innen, sollte man auf jeden Fall in Neuseeland, Australien, Südafrika, Irland oder in Großbritannien aufpassen, denn dort gilt dieses Zeichen als schwere Beleidigung und bedeutet so viel, wie unser Stinkefinger. Merke: Bevor man dort in einem Restaurant mit zwei Fingern zwei Getränke bestellt sollte man erst noch einmal genau nachdenken.

Noch komplexer kann es bei kulturspezifischen Gesten werden.

Das Kreiszeichen

Das so genannte Kreis-Zeichen bedeutet in den USA und Deutschland sowie in der Tauchersprache „OK“. In Japan steht es für Geld, der Kreis soll hierbei eine Münze darstellen, in Frankreich für „Null“ und wertlos und in Lateinamerika für Homosexualität. Gefährlich kann es in Saudi-Arabien, Syrien oder dem Libanon werden, denn dort ist das Kreiszeichen eine beleidigende Geste. Aber alle Taucher kann man beruhigen – unter Wasser gilt weltweit: Wenn einer das Kreis-Zeichen formt geht es ihm OK, nicht dass Taucher verschiedener Nationen in mehreren Metern Tiefe deswegen noch Streit anfangen.

weitere Informationen hierzu:
Edith Broszinsky-Schwabe: Interkulturelle Kommunikation. Missverständnisse und Verständigung. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2010. 240 Seiten. ISBN 978-3-531-17174-6 Pick It! , Kapitel 5: Nonverbale Kommunikation siehe hier

und hier noch ein kleiner Reiseführer zum Thema

Interkulturelle Kommunikation auf unterhaltsame Weise von und mit Alexander Groth

Tobias Siegwart

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