Gotteskrieger in Clownskostümen?


Ist es witzig und darf man überhaupt lachen, wenn sich “fundamentalistische Islamisten” im Namen Allahs in die Luft sprengen und dabei völlig unbeteiligte Zivilisten töten?

Der Kinostart der Satire „Four Lions“ am 21. April dieses Jahres ist zwar bereits ein Weilchen her, doch in der Karlsruher Schauburg wird sie immer noch jeden Mittwoch um 23.30 Uhr gezeigt.

Politisch und emotional betrachtet ist es ein brisantes Thema, dessen sich Chris Morris, englischer Satiriker und Provokateur, in seinem Kinodebut „Four Lions“ annimmt. Ähnliche komödiantische Versuche, wie beispielweise die dänischen Mohammed-Karikaturen, haben gezeigt, dass dies mit dramatischen Konsequenzen verbunden sein kann. Angst machte sich zum Kinostart auch in Deutschland bemerkbar. „Ich glaube, dass es sehr gefährlich sein könnte, diesen Film jetzt in deutschen Kinos zu zeigen“, gab Stephan Mayer, CSU-Bundestagsabgeordneter, gegenüber Spiegel-TV zu bedenken und sprach sich für ein Kinoverbot aus. Chris Morris hingegen kommentierte in einem Arte-Interview die Frage nach einer politischen Aussage seines Films folgendermaßen: „…er [der Film] ist zu 95% Komödie und zu 112% politisch … Nein, doch nicht, zu 157% Komödie und zu 104% politisch.“

Das Motto des Filmes – „Alles ist erlaubt und Tabus gibt es nicht“ – steht in der Tradition des tiefschwarzen britischen Humors, den man nicht gerade als politically correct bezeichnen kann, denkt man beispielsweise an die Filme Monty Pythons. Dieser Zynismus liefert den Zündstoff für die Komödie. Durch die gekonnt realistisch wirkende Inszenierung und kinematographische Stilmittel, wie z.B. den Einsatz von Handkameras, spitzt sich die politische ‘Unkorrektheit’ weiter zu, und dem Kinobesucher bleibt schon mal der ein oder andere Lacher im Halse stecken, wenn die Polizei ausversehen einen Zivilisten im Chewbacca-Kostüm erschießt, weil es von hinten dem Honey Monster recht ähnlich sieht.

Die Geschichte spielt in einer englischen Kleinstadt und handelt von fünf Möchtegern-Terroristen, die sich mit der westlichen Welt im Jihad befinden. Omar (Riz Ahmed) und sein ziemlich dämlicher aber liebenswerter Freund Waj (Kayvan Novak) scheinen gut integrierte Muslime zu sein, die zusammen mit dem Bombenbauer Faisal (Adeel Akhtar), dem Luftikus Hassan (Arsher Ali) und dem radikalen, zum Islam konvertierten Engländer Barry (Nigel Lindsay) einen Selbstmordanschlag planen.

Als sich Omar und Waj nach Pakistan aufmachen, um sich in einem Trainingscamp der Mujahedin für den Heiligen Krieg ausbilden zu lassen, wird schnell klar, dass hier keine Profis à la Bin Laden am Werk sind. Dennoch meinen sie es todernst und verfolgen ihre Ziele weiter, wenn auch zunächst unklar bleibt, wo überhaupt der Anschlag stattfinden soll. Für eine entsprechende Tarnung werden ausgefeilte Methoden entwickelt, beispielweise schützt man sich auf offener Straße per intensives Kopfschütteln vor Satellitenaufnahmen.
Trotz aller Anstrengungen müssen sie bald ihr Versteck wechseln. Dabei reduziert sich die Gruppe durch ein Missgeschick von fünf auf nunmehr vier selbsternannte Löwen. Letztlich gelingt es ihnen doch noch, sich auf ein Ziel zu einigen und entsprechend vorbereitet am Tatort zu erscheinen. Der Plan ist, sich in Kostümierung während des Stadtmarathons in die Luft zu sprengen.

Welches die genauen Beweggründe der einzelnen Charaktere sind, wird indes nicht thematisiert. Mit psychologischem Tiefgang und Vielschichtigkeit hat dieser Film also nichts am Hut. Allein die Tatsache, dass speziell Omar, aber auch die anderen Attentäter in ihrem alltäglichen Leben die Vorzüge der westlichen Welt genießen, führt den Terror ad absurdum, ohne dabei den Islam oder Islamisten zu beleidigen. Oder was soll man von Terroristen halten, die auf der Autofahrt zu ihrem Selbstmordanschlag lautstark zu King Harvests “Dancing in the Moonlight” anstimmen?
Mit seinem humoristischen Ansatz bietet der Regisseur vielmehr eine legitime Möglichkeit im Sinne der Meinungsfreiheit, mit der weit verbreiteten Terrorangst umzugehen. Morris: „Wir sehnen uns danach, über unsere Ängste zu lachen, nur wissen wir nicht wie.“

Florestan Wagenblast

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