Einladung der Maneki Neko

Aus der Ferne erkennt man sie bereits. Die kleinen, dickbauchigen Katzen, die die Kunden zu sich in den Laden hineinwinken. Man kennt sie von zahlreichen asiatischen Restaurants und Shops, wo sie in den Schaufenstern emsig damit beschäftigt sind, ihre Funktion als Glücksbringer für ihre Besitzer zu erfüllen. Viele neugierige Menschen folgen dieser Einladung und treten ein …

Nachdem man der Aufforderung nachgekommen und eingetreten ist, begegnet man innerhalb von vier Wänden einem kleinem Teil der Kultur Japans. Sie hat in verschiedenen Bereichen und Formen in den westlichen Ländern Fuß gefasst. Sie ist für uns Europäer gerade deshalb so spannend und faszinierend, weil sie unserer eigenen Kultur so gegensätzlich ist. Immer wieder lassen sich neue Dinge entdecken, die in Erstaunen versetzen. Als Nahrungsmittel, Getränke, Bücher, im Sport und auf zahlreiche weitere Arten haben japanische Kulturprodukte in westlichen Ländern im alltäglichen Leben ihren Platz eingenommen und sich etabliert.

Bei der Maneki Neko handelt es sich um Glücksbringer aus Keramik oder Porzellan, die sich in Japan großer Beliebtheit erfreuen. Es ist eine dickliche Katze, die entweder ihre rechte oder linke Pfote hochhebt, um auf diese Weise Kunden anzulocken. Aufgestellt werden die Katzen in Pachinko-Hallen (Spielhallen), Restaurants oder Geschäften und sollen ihren Besitzern Wohlstand bescheren.

Zum Lesen

Japanische Romane halten nur langsam ihren Einzug in westliche Länder. Bekannter hingegen sind traditionelle japanische Kurzgedichte, sogenannte Haiku. Haikus bestehen aus drei Zeilen zu fünf, sieben und wiederum fünf Silben. Sie thematisieren üblicherweise Naturereignisse und versuchen dieses mit so wenigen Worten wie möglich festzuhalten, ohne es zu kommentieren. Erst der Rezipient trägt die Emotionen in das Haiku hinein und vollendet es dadurch.

Ein Haiku zum Frühling

Der Frühlingswind, horch,
Läuft durch die Weizenfelder
Wie Wasserrauschen.

Mokudô

Zur japanischen Kultur gehörig und ein weiteres von der westlichen Welt adaptiertes Kulturprodukt ist der Manga. Ihre Zeichner werden Mangaka genannt. Beim Manga handelt es sich um einen japanischen Comic. Im westlichen Teil der Welt werden alle Comics, die aus Japan stammen, als Manga bezeichnet. In Japan wiederum werden alle Arten von Comics, unabhängig davon woher sie stammen, als Mangas tituliert.
Mangas sind Erzählungen in Form von statischen Bildern, die meistens in Buchform erhältlich sind. Hauptsächlich handelt es sich um schwarz-weiße Bilder. Natürlich gibt es auch bunt illustrierte, aber diese bilden eher die Ausnahme und sind relativ teuer. Im Vergleich zu Büchern enthalten Mangas nicht viel Text und sind eher bildlastig. Die Leserichtung erfolgt von rechts nach links – anders als bei westlichen Comics. Man beginnt sozusagen von „hinten“ und liest sich nach „vorne“ durch.

Zum Sehen

Anime sind aus Japan stammende Animationsfilme. Wie bei den Mangas werden in Japan alle Animationsfilme als Anime bezeichnet. Doch in westlichen Ländern hat sich der Begriff Anime für Zeichentrickfilmproduktionen aus Japan durchgesetzt.
Der Begriff Anime leitet sich aus dem englischen Begriff “animation” (zu Deutsch: Bewegung) ab. Anders als in den westlichen Ländern, in denen Zeichentrickfilme an ein überwiegend junges Publikum gerichtet sind, sprechen Anime, aufgrund ihres großen Themenspektrums, sehr viele Altersklassen an.

Anime im deutschen Fernsehen

- Biene Maja (deutsche Erstausstrahlung 9. September 1976, ZDF)
- Kimba, der weiße Löwe (deutsche Erstausstrahlung 4. Januar 1977, ZDF)
- Heidi (deutsche Erstausstrahlung 18. September 1977, ZDF)
- Mila Superstar (deutsche Erstausstrahlung 26. Oktober 1993, RTL 2)
- Sailor Moon (deutsche Erstausstrahlung 13. Oktober 1995, RTL 2)
- Dragonball (deutsche Erstausstrahlung 30. August 1999, RTL 2)

Zum Essen und Trinken

Tee gelangte über China nach Japan. Zu Beginn wurde er von buddhistischen Mönchen aufgrund seiner anregenden und heilsamen Wirkung getrunken. In Japan wurde das Teetrinken zu einer Zeremonie entwickelt. Chado ist der „Weg des Tees“, der unter dem Einfluss des Zen-Buddhismus entstand und in der Teezeremonie Chanoyu zu einem Gesamtkunstwerk von Malerei, Keramik, Architektur und Gartenkunst geworden ist. Ziel dieser bis zu mehreren Stunden andauernden Zeremonie ist die Besinnung auf Ideale wie Harmonie und Ehrfurcht. Sie werden abgehalten um wichtige Tage zu begehen und werden zu einem besonderen gemeinschaftlichen Erlebnis. Auch hierzulande wird in asiatischen Restaurants grüner oder schwarzer Tee serviert, allerdings wird nicht derselbe Aufwand betrieben. Teehäuser sind zurzeit noch rar gesät, bieten jedoch Kurse zum Erlernen der Abläufe an, um auch im privaten Rahmen bei sich zu Hause solche Zeremonien abhalten zu können.
Alkoholisches Nationalgetränk ist Sake, Reiswein, der aus gedämpftem Reis mit Wasser und Hefe hergestellt wird. Der Reiswein, der von der Herstellung eher an Bier erinnert, wird in Japan bereits seit Jahrhunderten gebraut. Man genießt den Sake warm bis heiß (atsukan) oder im Sommer auch kalt (reishu) aus kleinen Schalen. Auch hier wird Sake gerne zum Sushi getrunken. Kampai! (Prost!)
Sushi wird in Europa hauptsächlich auf zwei Arten serviert: nigiri-zushi (roher Fisch auf einem kleinen Reisbett) und maki-zushi (roher Fisch mit Reis in getrockneten grünen Seetangblättern gerollt).

Weitere Varianten sind chirashi-zushi (eine Lage Reis mit Ei, garniert mit Fisch), inari-zushi (eine Tasche aus süßen gebratenem Tofu, der mit Reis gefüllt ist) und oshi-zushi (Fisch auf einem Reisbett, welcher in eine bestimmte Form gepresst worden ist). Der dazugehörige Reis ist leicht mit Essig gewürzt. Zum Sushi werden in kleinen Schälchen Sojasoße, eingelegter Ingwer und Wasabi (scharfer Merrettich) gereicht und mit Essstäbchen (O-hashi) gegessen.

Zum Feiern

Eine weitere Institution aus Japan, die hierzulande sehr beliebt ist, sind die Karaoke-Bars. Karaoke bedeutet übersetzt „leeres Orchester“. Dabei läuft ein Videoclip mit Orchesterbegleitung ab, während einer der Gäste das Lied mit der eigenen Stimme ins Mikrofon singt. Der Liedtext wandert über den unteren Bildschirmrand eines Monitors und zeigt an, was man gerade singen soll. Hier darf sich jeder einmal als Sänger versuchen. Ob gut oder schlecht gesungen wird, ist dabei nur nebensächlich, denn es geht darum gemeinsam Spaß zu haben.

Zum Sport

Kampfsportarten haben in Japan eine lange Tradition. Sie haben sich aus Kriegskünsten der Samurai zu strengen Disziplinen (shugyo) entwickelt. Sie waren immer körperliche und geistige Disziplinen zugleich. Ihr Ziel ist die spirituelle Vervollkommnung. Viele dieser Kampfsportarten haben sich ihren Weg nach Europa gebahnt und dort viele Anhänger gefunden.
Kendo:
Der „Weg des Schwertes“ ist eine der ältesten Kampfsportarten. Es handelt sich um eine alte Samurai-Schwertkunst, die heutzutage mit Bambusschwertern ausgeübt wird. Man versucht den Gegner mit Schlägen auf Gesicht, Arme und Oberkörper zu treffen.
Kyudo:
Der „Weg des Bogens“ ist ein Kampfsport bei dem Pfeil und Bogen eingesetzt werden. Mit einem zwei Meter langen Bogen soll ein 28 Meter entferntes Ziel getroffen werden. Entscheidend bei dieser Sportart ist das Zusammenspiel von Geist und Körper, die stark vom Zen-Buddhismus beeinflusst wurde.
Judo:
Der „sanfte Weg“ – Judo hat sich aus Jujitsu entwickelt und ist eine Selbstverteidigungstechnik. Man versucht dabei den Gegner durch Wurf- und Packtechniken zu bezwingen. Das Grundprinzip dieses Sportes ist es, die Kraft seines Gegners gegen ihn einzusetzen und ihn damit kampfunfähig zu machen.
Karate:
Auch Karate dient der Selbstverteidigung. Der Name “kara-te” bedeutet übersetzt “leere Hand” und verdeutlicht, dass diese Kampfart ohne Waffen ausgeübt wird. Man verteidigt sich mit den Händen und den Füßen. Es basiert auf schnellen, kontrollierten Schlägen, Tritten, Stößen und Abblockbewegungen.

Wie man an dieser Auswahl erkennen kann, ist die Vielfalt japanischer Kulturprodukte jetzt schon sehr groß; sie ist jedoch immer noch im Wachsen begriffen. Nicht ausführlicher beschrieben, aber dennoch nennenswert sind die japanische Musik wie der J-Pop oder J-Rock, die auch hier bereits einige Anhänger gefunden hat; ihre Filme, von denen manche in Hollywood als Remake adaptiert worden sind; sowie zahlreiche Kunsthandwerke wie das Ikebana (Blumensteckkunst), die Kalligraphie (Die Kunst des „schönen Schreibens“), das traditionelle japanische Theater und vieles weitere mehr.

Wenn die kleine Maneki neko ihre Aufgabe erfüllt hat, den Kunden in den Laden zu winken, ist ein wichtiger Schritt getan. Es ist jedoch mehr dabei geschehen als das Betrachten oder der Konsum verschiedener Güter: eine fremde Kultur wurde erfahren. Einige streifen sie vielleicht nur kurz, andere beschäftigen sich intensiver mit ihr und integrieren sie in ihr Leben, erweitern ihren Horizont und bereichern ihren Alltag.

Jelena Majic

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