Auf die Bühne mit der Wissenschaft

Ob Wissenschaft auch Wissen schafft – darüber lässt sich streiten. Zum eigenen Fachgebiet hat der geneigte Student idealerweise einen breiten Zugang. Teils grobes, teils detailliertes Wissen hält sich in der Kopfgegend auf. Aber was machen eigentlich all die anderen? Wer den eigenen Horizont erweitern will, dem sei das Format des Science Slam empfohlen. Jenseits von Fachjargon und Studiengang-Klischees soll hier die Freude an der Forschung auf der Bühne stehen. Unterhaltungswert inklusive.

Während Poetry Slams soweit etabliert sind, dass sich Termine und Zeitungsartikel überhäufen, steht der Science Slam in Karlsruhe am Anfang dieser Reise. Die Verwandtschaft der beiden Veranstaltungen lässt sich nicht nur am Namen festmachen. Ein Slam ist ein Wettbewerb in lockerer Atmosphäre. Jeder Slammer ‚performt‘ einen Text und wird von der Publikums-Jury beurteilt. Nun handelt es sich aber nicht mehr um einen literarischen, sondern einen wissenschaftlichen Beitrag. „Dieser sollte die Problemstellung des Forschungsprojektes erörtern sowie die persönlichen Ergebnisse zeigen“, fasst Falko Brinkmann, Initiator des Slams, zusammen. Das Mikro steht bereit für jeden Wissenschaftler, der seine Arbeit vorstellen möchte. Die einzige Bedingung: Es muss sich um ein eigenes und aktuelles Forschungsprojekt handeln.

Wissenschaft oder Unterhaltung?

Der Kreativität der Slammer ist keine Grenze gesetzt. Davon kann Jan Westermann ein Lied singen. Genau das tat er beim ersten Slam in Karlsruhe am 3. März. Mit Gitarre, Videoclips, PowerPoint und sozialwissenschaftlicher Thematik eröffnete er den Abend. Trotzdem, so betont Falko Brinkmann, stehe die Wissenschaft im Vordergrund. Als Initiator, Organisator und Moderator des Slams weiß er, dass es oft schwierig ist, Vorträge mit guten Metaphern und interessanten Forschungsergebnissen auf die vorderen Plätze zu bringen. Das Publikum solle eben nicht nur Performance, sondern auch den wissenschaftlichen Wert der Arbeit beurteilen.

10 Punkte - die beste Bewertung der Publikumsjury. (c)ScienceSlam Karlsruhe

Vom Norden nach Karlsruhe

Der Karlsruher Science Slam findet am 30. Juni erst zum zweiten Mal statt. Das Format aber ist kein Neues. 2008 entstand es in Braunschweig. Falko Brinkmann brachte die Idee aus Hamburg und Münster nach Karlsruhe. Mit dem Potenzial von acht Hochschulen empfand der Promotionsstudent das Fehlen eines Science Slams als Lücke im Veranstaltungskalender. Dabei sei Karlsruhe dafür geradezu prädestiniert. Der Slam bringe die Hochschulen zusammen und schaffe eine Plattform für alle, die Spaß an junger Forschung haben. Verpackt wird das Ganze in unterhaltsamen Vorträgen.

Kein Platz für verstaubte Vorstellungen

Wissenschaftler tragen weiße Kittel kombiniert mit (Labor)Brillen. Vorträge sind – das Wort sagt es schon – träge und bestehen aus Begriffen, die höchstens der Duden kennt? Solche Vorstellungen sind nicht selten. Der Science Slam aber will zeigen, welche Dimension hinter der Wissenschaft steckt. Sie beschränkt sich nicht auf Physik, Chemie und Biologie. Auch in der Sozialen Arbeit, der Musik, in jeglicher Fachrichtung wird Forschung betrieben. Das Publikum sieht, dass Wissenschaftler ganz normale Leute sind. Wird das vorgestellte Projekt verstanden, ist der Vortrag gelungen. Der Slammer Jan Westermann steht hinter dieser Vorstellung von Wissenschaft, die die Allgemeinheit miteinschließt: „Ich finde, dass man Dinge nicht unbedingt kompliziert formulieren muss, um intellektuell zu wirken. Zuallererst kommt es immer noch auf den Inhalt an und natürlich darauf, dass den auch möglichst viele verstehen.“ Björn Waterkotte, einer der Gewinner des ersten Slams, forscht am KIT im Bereich Screening und Optimierung von Linkern zur spezifischen Immobilisierung von Biomolekülen. Für die Bühne wählte er den Titel ‚Wie man Proteine glücklich macht‘. Der Slam sei ihm gerade recht gekommen, da er immer schon einmal sein Promotionsprojekt in allgemeinverständlicher Form zusammenfassen wollte.

Die Teilnehmer des ersten Slams mit Falko Brinkmann (rechts). (c)ScienceSlam Karlsruhe

Was bringts?

Die Herausforderung, die eigene Forschung dem Publikum „bühnentauglich und überzeugend in zehn Minuten mit Witz, Kreativität und beeindruckenden Ergebnissen zu vermitteln“ – so Brinkmann – birgt einigen Erfahrungswert. Da er GEO als Partner gewinnen konnte, erhält der Gewinner ein Jahresabo des Magazins. Des Weiteren werden viele Slammer zu Veranstaltungen in andere Städte eingeladen. Auch die Industrie ist schon aufmerksam geworden: Immer öfter sind Head-Hunter im Publikum, die Ausschau nach zukünftigen Mitarbeitern halten.

Die Suche nach Wissenschaftlern für den Karlsruher Slam am 30. Juni läuft seit zwei Wochen. Wer aber nicht mehr so lange warten kann und will, muss sich keine Sorgen machen: Science Slams gibt es auch in der Umgebung.

Slams in nächster Zeit und Nähe:
16.05.11, 20:30 Uhr: MensaBar Freiburg
01.06.11, 19:30 Uhr: Technoseum Mannheim
30.06.11, 20:00 Uhr: Jubez Karlsruhe
und: www.scienceslam.de
Claudia Weidenmüller

Bookmark Tools
  • email
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Google Bookmarks
  • MisterWong
  • Digg
  • Netvibes
  • StumbleUpon
  • Add to favorites

Einen Kommentar schreiben