Raum 007

Jeden Dienstagabend ist es so weit, Raum 007 Geb.20.13 am Schlossbezirk des Karlsruher Institut für Technologie, KIT öffnet um 19.30Uhr seine Tür. Studenten unterschiedlicher Fakultäten drängen sich freudig in den kleinen Raum. Doch was verbirgt sich hinter dieser unscheinbaren grauen Metalltür und warum entsteht der Anschein, als würde es Freibier geben?

Doch anstatt Freibier, befinden sich im Raum 007 motivierte Studenten, die sich sozial engagieren möchten oder einfach nur Kontakte in der ganzen Welt sammeln wollen.
Jeden Dienstagabend findet hier die Sitzung des Arbeitskreis Erasmus statt. Im Jahre 1990 entstand der AK Erasmus als Arbeitskreis der Fachschaft der Wirtschaftswissenschaften. Heute gehört er dem offiziellen Arbeitskreis des Unabhängigen Studierendenausschuss, UStA Karlsruhe an. Er wird von aktiven Student(inn)en betreut, denen es Vergnügen bereitet andere Kulturen kennenzulernen, ausländischen Kommilitonen den Einstieg in Karlsruhe zu erleichtern oder auch ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Zugleich dient es dem europäischen Austauschprogramm Erasmus, der Beratungsgespräche und Informationsveranstaltungen anbietet. Das Erasmus-Programm wurde benannt nach dem bedeutenden europäischen Humanisten Erasmus von Rotterdam. Jedoch kann Erasmus auch als EuRopean (Community) Action Scheme for the Mobility of University Students verstanden werden.
Momentan besteht der AK Erasmus aus einer kunterbunten Truppe von 25 Studenten aus unterschiedlichen Fakultäten. Jeder kann mitmachen und seine Ideen und seine Kreativität mit hineinbringen.
Ole Post, blonde kurze lockige Haare und ein freches norddeutsches Grinsen, studiert Wirtschafts-Wissenschaften am KIT. Er trat im Sommer 2008 dem AK Erasmus bei und ist nun seit zwei ein halb Jahren aktiv dabei. Auf die Frage wie er zum AK kam, antwortet er nur knapp “durch einen Kumpel.” Beide wollten sich spontan ehrenamtlich engagieren und haben sich dann für das Erasmusprogramm entschieden. Zu der Zeit suchte der AK Erasmus einen neuen ‚Finanzer‘. Trotz vielerlei Skepsis und keinerlei Erfahrung, bewarb sich Ole für diese Position. Zwar war die Unsicherheit der Gruppe groß, doch sie gaben ihm den Posten als ‚Finanzer‘. Die Basis des AK Erasmus ist das Vertrauen. Jeder kann etwas dazu beitragen, seine Ideen mit einzubringen ohne jeglichen Zwang. Ole lacht und meint „Bei uns gibt es keine ‚manpower‘!“ Für ihn sind das Gemeinschaftsgefühl von großer Bedeutung und die Freude, die ihm die Gruppe und auch der Dank der Auslandsstudenten geben, trotz keiner materiellen Belohnung.
Im September 2009 ging er dann durch die Unterstützung des AKs nach Barcelona für ein Praktikum.

„Bei uns gibt es keine ‚manpower‘!“

Das Erasmus Programm entstand am 15. Juni 1987 durch den Beschluss 87/327/Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, EWG des Ministerrates aus dem Vorhaben heraus zum einem die Kooperation und den Dialog von Hochschulen aus europäischen Ländern zu verstärken. Zum anderem sollte die Mobilität der Dozenten und Studenten lanciert werden. Nach einigen Verbesserungen dient es auch der Schul-, Berufs- und Erwachsenenbildung.
Der Fokus liegt auf der finanziellen Hilfe und der Anerkennung der European Credit Transfer Systems (ECTS), der Studienleistung der Austauschstudenten in ihrem jeweiligen Land. Dazu gehören Auslandspratika, Lehraufenthalte, Studienaufenhalte sowie Fortbildungen von allgemeinem Hochschulpersonal.
Seit dem Jahr 2010/11 ist das Programm für alle Studenten die an einer regulären Hochschule studieren zugänglich, dies gilt auch für das Lehr- und Verwaltungspersonal.

Ole nutzte das Erasmus-Programm und blieb zehn Monate in Spanien. Die Abenteuerlust und die Sehnsucht nach dem Meer erleichterten seine Entscheidung. In Barcelona besuchte er einen Sprachkurs, doch die Betreuung der Austauschstudenten in Spanien, ist nicht mit der in Deutschland zu vergleichen. Zwar hatten sie auch einen wöchentlichen Stammtisch, zwei bis drei geplante Ausflüge und eine Facebookgruppe, doch für ihn war es nicht das gleiche und somit konnte sich Ole nach seiner Rückkehr nicht vom AK-Erasmus trennen.

Im Sommer 2010 wurde er zum Vorstand gewählt und ist bis heute noch aktiv. In dem Sommer war er zum ersten Mal Tutor für die Erasmus O-Phase der ausländischen Wintersemesterstudenten. Was die Aufgaben als Vorstand sind, beantwortet er nur kühl „man muss an alles denken! Sitzungen leiten, Aufgaben verteilen, repräsentativ sein und mit der Usta, dem Akademischen Auslandsamt (AAA) und dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) in Verbindung stehen. Was auch noch sehr wichtig ist, sind die Sprechstunden, jeden Dienstag von 13.00Uhr-14.00Uhr und wenn jemand Hilfe bei der Finanzierung braucht, stehe ich auch zur Verfügung.”
Der AK Erasmus finanziert sich offiziell durch den Deutschen Akademischen Austausch Dienst, DAAD, aber auch über Partys wie beispielsweise in der Diskothek die ‚Stadtmitte‘ in der Baumeisterstrasse in Karlsruhe.
Früher waren nur zwei Leute im Vorstand, derzeit sind es drei Tobias Bauer, Simon Prinz und Ole Post. Die meisten waren schon im Ausland und wollen den Austauschstudenten hier etwas zurückgeben, neue Kulturen entdecken, die eigenen Sprachkenntnisse verbessern, sich einfach nur sozial engagieren oder Kommilitonen aus anderen Fakultäten kennenlernen.
Außerdem arbeitet der AK Erasmus in Kooperation mit dem jetzigen International Student Center, damals Infocenter.
Alejandro Cabrera Cuevas Mexikaner, schwarze Lederjacke, hellbraune Mütze und Pilotenbrille, studiert Informatik am Karlsruher Institut für Technologie. Er arbeitete eineinhalb Jahre, von September 2009 bis Februar 2011, im International Student Center, ISC. Doch wie kam er dazu und was waren seine Tätigkeitsfelder?
Den ersten Kontakt mit dem ISC hatte er bereits in Mexiko, als er sich entschied am KIT zu studieren. Dort bekam er die Informationen, die er benötigte, um in Deutschland studieren zu können. In seinem ersten Jahr in Karlsruhe besuchte er die Veranstaltungen des ISC. Dort lernte er auch die damalige Leiterin Frau Maas kennen. Damals arbeitete auch ein guter kolumbianischer Freund dort und als dann beide das ISC verließen fragte ihn die neue Leiterin Iris Cserni, ob er nicht Lust hätte im ISC tätig zu werden. Alejandro lacht „ Ja, warum nicht!“ war seine damalige Antwort. Er schwelgt in Erinnerungen und meint nur „ Es war eine schöne Zusammenarbeit.“

„Ja, warum nicht!“

Er organisierte Exkursionen, Themenabende, half bei Veranstaltungen vom Akademischen Auslandsamt mit, wie beispielsweise in der letzten Erasmus O-Phase im Wintersemester 2010/11. Alejandro war aber auch für die Vermittlung von Tandempartner zuständig. Dies ermöglicht den Studenten ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, indem sie wöchentlich abwechselnd eine Stunde in ihrer Muttersprache sprechen.
Zurzeit ist er aktives Mitglied der Hochschulgruppe Wire Studienportal. Diese wird auch vom ISC betreut und organisiert Integrationsaktivitäten für Austauschstudenten.
„ Es war eine schöne Zusammenarbeit.“
Monica Gallindo, schwarze Haare, braungebrannte Haut, kommt aus Ecuador und studiert für zwei Semester am KIT Architektur. Durch ein Stipendium der DAAD ermöglichte sich ihr Traum von Deutschland. In Quito besuchte sie die Deutsche Schule und da diese mit dem KIT kooperiert, fiel ihr die Entscheidung sehr leicht. Sie studiert nun seit dem Wintersemester 2010/11 hier in Karlsruhe und kommt jetzt in sechste Semester. Sie fühlt sich sehr wohl und auch integriert. In Quito hatte sie Angst, dass sie keinen Anschluss findet könnte und nicht zurechtkommt, erzählt Monica. Doch das Erasmus-Programm hat ihr sehr geholfen. „In der Erasmus O-Phase wurde mir alles gezeigt!“, erklärt sie. „Wir bekamen eine Stadtführung, eine Führung über den Campus. Wir wurden sogar durch das Architekturgebäude und die verschiedenen Werkstätten geführt.“ Nach einer Woche Party, Gruppenaktivitäten, eine Exkursion nach Heidelberg fand Monica sehr viele Freunde mit denen sie fleißig Kontakt auf dem wöchentlichen Stammtisch Dienstag pflegt. „So lerne ich sogar die verschiedensten Kneipen in Karlsruhe kennen.“ lacht sie fröhlich.

„Wir bekamen eine Stadtführung, eine Führung über den Campus. Wir wurden sogar durch das Architekturgebäude und die verschiedenen Werkstätten geführt.“

Weitere Informationen zum AK, Erasmus-Programm oder dem AAA, findet ihr unter den folgenden Links.

Rocio G.

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