Paul Ekman

Tag für Tag begegnen wir unzähligen Menschen. In den unterschiedlichsten Situationen. Einige Begegnungen sind flüchtig. Einige davon intensiv. Und immer spielen dabei Emotionen eine Rolle. Wut, Trauer, Freude, Angst. Was aber lässt uns emotional werden? Sind wir in der Lage die Auslöser unserer Emotionen zu erkennen? Können wir möglicherweise beeinflussen, worauf wir emotional reagieren?

Paul Ekman (geb. 15. Februar 1934 in Washington, D.C.) ist ein bedeutender amerikanischer Psychologe, emeritierter Professor für Psychologie an der Universität von Kalifornien in San Francisco
und widmet seine Forschung den Emotionen.
Seit nun mehr über 40 Jahren widmet er seine Forschungen den menschlichen Emotionen: wie sie entstehen, wie sich diese im menschlichen Gesicht ausdrücken und wie es möglich ist, in den Gesichtern anderer ihre Emotionen herauszulesen.

Sein Weg zur Emotionsforschung

Zu Beginn seiner Forschung war Ekman interessierter an Handbewegungen von Menschen, als an ihrer Mimik. Er hatte damals eine Klassifizierung von Handbewegungen vorgenommen, die es möglich machten neurotische Patienten von psychotisch depressiven zu unterscheiden. Seinen Weg zur Erforschung der Mimik von Emotionen schlug er ein,
als ihm 1965 von der Advanced Research Projects Agency (ARPA) des US-Verteidigungsministeriums die Mittel zur Durchführung von vergleichenden Untersuchungen zum nonverbalen Verhalten in verschiedenen Kulturen bereitgestellt wurden.
Zu Beginn des Projekts glaubte Paul Ekman daran, dass Gestik und Mimik sozial erlernt seien und sich aus ebendiesem Grund von Kultur zu Kultur unterscheiden. Seine Begegnung mit Silvan Tomkins, einem US-amerikanischen Psychologen und Philosophen, der die Ansicht vertrat, dass Mimik universal sei, lieferten Ekman zusätzlichen Anreiz die Debatte aufzulösen.

Paul Ekmans Forschungsarbeit

Er begann seine Forschung zunächst damit Personen aus unterschiedlichen Ländern (USA, Brasilien, Chile, Argentinien und Japan) Fotografien von Gesichtsausdrücken zu zeigen, die diese einer Emotion zuordnen sollten. Die Mehrheit der Personen war sich in ihrem Urteil einig, was den Schluss nahelegte, dass Mimik universal sei und Silvan Tomkins These damit belegt sei.
Raymond L. Birdwhistell, ein US-amerikanischer Ethnologe und Linguist, war der Meinung, dass emotionale Ausdrucksformen kulturell erlernt sind. Er hatte nämlich die Beobachtung gemacht, dass Menschen einiger Kulturen lächeln, wenn sie unglücklich sind. In einer zweiten Untersuchungsreihe zeigte Ekman Japanern und Amerikanern Filme von Unfällen und chirurgischen Eingriffen. Es stellte sich tatsächlich heraus, dass die Japaner während des Betrachtens lächelten, auch wenn das Gezeigte bei ihnen negative Empfindungen hervorrief. Dies taten sie jedoch nur, wenn sich eine weitere Person mit im Raum befand. Waren die japanischen Probanden alleine zeigten sie dieselben Empfindungen wie die Amerikaner. Paul Ekman führte diese Beobachtung zu dem Ergebnis, dass es von ihm so genannte “Darbietungsregeln” (display rules) gebe, die definieren, welche Emotionen zur Schau gestellt werden dürfen und welche nicht. Sie sind sozial erlernt und deshalb kulturabhängig. Die Japaner zeigten also privat die angeborene Mimik und in der Öffentlichkeit ihre manipulierte Mimik.
Ekman erkannte, dass er zur tatsächlichen Klärung der Debatte einen Schritt weiter gehen musste. Die von ihm befragten Personen aus den unterschiedlichen Kulturkreisen hätten nämlich die Bedeutung westlicher Mimik über die Nutzung von Medien erlernt haben können, wie beispielsweise aus Filmen oder Fernsehserien. Damit seine bisherigen Ergebnisse auf festem Boden stehen konnten, musste er eine Kultur finden, die einigermaßen isoliert lebt und wenig Kontakt mit Fremden pflegt.
Ende des Jahres 1967 begab sich Paul Ekman deshalb ins südöstliche Bergland von Neuguinea, um die Kultur der Fore zu studieren und um einen aussagekräftigen Beweis zu finden, dass ein Teil unserer Gesichtsmimik universal ist.

Die Fore sind ein Volksstamm in Papua- Neuguinea. Ihr Stamm umfasst etwa 20.000 Mitglieder und sie leben in 2.500 m Höhe in kleinen Dörfern im Okapa-Distrikt der Eastern-Highlands Province.

Er bat die Fore zu den Fotos, die er ihnen zeigte, eigene Geschichten zu erfinden. Seine ersten Versuche scheiterten, da seine Methode nicht die gewünschten Erfolge erbrachte und die Kommunikation sich schwierig gestaltete. Wieder zu Hause erfuhr er von einer anderen Methode. Die des Psychologen John Dashiel. Dashiel beschäftigte sich in seiner Forschung damit, wie gut bereits Kinder Gesichtsausdrücke zu lesen vermochten.
Paul Ekman und John Dashiel standen dabei vor dem gleichen Problem: Die Kinder sowie der Volksstamm der Fore konnten nicht lesen. Man konnte ihnen also nicht eine Reihe von Begriffen vorlegen, aus denen sie dann die jeweilige Emotionen auswählen konnten. Anders als Ekman hat John die Kinder keine Geschichten erfinden lassen, sondern las ihnen Geschichten vor und zeigte ihnen dabei einige Aufnahmen von Gesichtsausdrücken. Die Aufgabe der Kinder bestand darin, dass sie nur noch auf das Foto zeigen mussten, das zu der erzählten Geschichte passte.
Paul Ekman übernahm das, von Dashiel zuvor bei den Kindern angewandte Verfahren und suchte diejenigen Geschichten der Fore aus, die zu einem bestimmten Gesichtsausdruck am häufigsten erzählt worden waren. Zusätzlich fertigte er noch Bilderfolgen an, die den Mitgliedern des Volksstammes während des Lesens vorgelegt wurden. Im Anschluss musste die Person nur noch auf die Fotografie zeigen, die zu dem Gehörten passte. So kehrte er 1968 zusammen mit einem Kollegenteam nach Papua-Neuguinea zurück.
Die dort gesammelten Ergebnisse präsentierte Paul Ekman 1969 auf der Jahrestagung der Anthropologen. Doch diese wurden mit einiger Skepsis und Vorbehalten aufgenommen, da man die weitverbreitete Ansicht vertrat, dass menschliches Verhalten anerzogen und nicht angeboren sei.
Einer von diesen Skeptikern, der Anthropologe Karl Heider wollte die These von der Universalmimik widerlegen und wiederholte die Studie nach Anleitungen von Paul Ekman an einem weiteren isoliert lebenden Volk von Analphabeten. Es handelte sich dabei um die Dani, einem indigenen Volk in Westirian. Seine Befunde stimmten mit denen von Ekman überein.

Auch wenn für Ekman der Disput damit gelöst war, legte er seine Emotionsforschung nicht nieder. Er begann mit der Untersuchung der individuellen Unterschiede im Erleben von Emotionen. So empfindet jeder von uns zwar die gleichen Gefühle, aber nicht in derselben Intensität oder Dauer.

Ergebnisse seiner Forschung

Während seiner Forschungsarbeit entdeckte Paul Ekman, dass der Mensch dazu in der Lage ist, über 10.000 Gesichtsausdrücke anzunehmen. Unter diesen Ausdrücken gibt es sieben Basisemotionen, die von allen Menschen, unabhängig aus welchem Kulturkreis sie stammen, erkannt werden. Dazu gehören: Freude, Trauer, Zorn, Ekel, Verachtung, Furcht und Überraschung. Diese elementaren Gesichtsausdrücke sind nicht kulturell erlernt, sondern genetisch bedingt.
Ekman wollte zudem eine objektive Methode erarbeiten, mit welcher sich kleinste Gesichtsbewegungen messen lassen. Zusammen mit Wally Friesen erstellte er schließlich den ersten Gesichtsatlas. Dabei handelt es sich um eine systematische Beschreibung wie sich Gesichtsbewegungen anatomisch messen lassen. Diese Methode sollte auch anderen Wissenschaftlern die Möglichkeit bieten, Paul Ekmans Forschungsergebnisse nachzuvollziehen. Im Zuge dieser Arbeit lernte Ekman jede Muskelbewegung mit seinem eigenen Gesicht zu vollführen und dokumentierte dies.
1978 wurde, die von Ekman und Friesen entwickelte Methode zur Messung von Gesichtsbewegungen, das Facial Action Coding System, kurz FACS, veröffentlicht. Es handelt sich dabei um eine sehr umfangreiche Sammlung von Fotografien und Texten zu einzelnen Muskeln, ihrem Zusammenwirken und den daraus resultierenden Gesichtsausdrücken.
Mit Hilfe des Facial Action System war man nun dazu imstande Gesichtsregungen zu identifizieren, die eine Lüge entlarven. Ekman wurde deshalb von der amerikanischen Regierung oft auch als Experte im Rahmen von Terrorismus- und Kriminalermittlungen zu Rate gezogen.

In seinem Buch “Gefühle lesen – Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren” widmet er einzelne Kapitel einem spezifischen Gefühl. Dabei behandelt er unter anderem die Auslöser für ein Gefühl und beschreibt deren Funktion. Einige Fotografien von Menschen, die Anzeichen für eine der sieben Basisemotionen aufweisen, helfen dem Leser die eigene Beobachtungsgabe zu schärfen. Ein Teil des Buches enthält Übungen, um das Gelesene zu vertiefen. Es ist ihm ein Anliegen die Menschen für die Gefühle anderer zu sensibilisieren. Ekman weist jedoch auch darauf hin, dass man behutsam damit umgehen sollte, was man über den Gefühlszustand seines Gegenüber weiß. Am Ende des Buches mahnt er zur Vorsicht, dass man seinen Mitmenschen nie das Gefühl vermitteln solle, dass sie keine Intimsphäre haben. Stattdessen kann man die Person behutsam auf die wahrgenommene Emotion ansprechen oder die jeweilige Gefühlsregung akzeptieren und warten, bis sich die Person einem aus eigenem Antrieb öffnet.

Literatur:
- Ekman, Paul (Hrsg.): Gefühl und Mitgefühl. Emotionale Achtsamkeit und der Weg zum seelischen Gleichgewicht. Ein Dialog mit dem Dalai Lama. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2009.
- Ekman, Paul: Gefühle lesen – Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2010.
- Ekman Paul: Ich weiss, dass du lügst: was Gesichter verraten. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbeck bei Hamburg 2011.
Jelena Majic

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