Franz Schnabel

Wer war eigentlich? – hat man sich vielleicht das ein oder andere Mal gefragt. Bauten tragen häufig Namen berühmter Persönlichkeiten, die selbst in Vergessenheit geraten sind. Geblieben sind lediglich ihre Namen. Schade. Also, wer war eigentlich Franz Schnabel?

Während der Vorlesungszeit nutzen viele Studenten des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) beinahe täglich Hörsäle die nach berühmten Persönlichkeiten benannt sind. Aber selbst nach den ersten Wochen des neuen Semesters, wenn die vordergründige Frage geklärt ist, wo sich diese auf dem Campus befinden, hat kaum jemand Zeit sich über die Personen, die als Namensgeber fungieren, Gedanken zu machen.

Ebenso verhält es sich mit Franz Schnabel. Dem ein oder anderen mag er noch aus der Schulzeit ein Begriff sein, da nach ihm die Franz-Schnabel-Gedächtnismedaille benannt wurde, die von der Oberrheinischen Stiftung Geschichte und Kultur, an Abiturienten in Südwestdeutschland für herausragende Leistungen im Fach Geschichte verliehen wird. Den anderen begegnet der Name auf dem Campusgelände des KIT, da nach ihm das Gebäude, das neben der Fachschaft für Geistes- und Sozialwissenschaftler auch die Institute für Literatur und Geschichte beherbergt, benannt wurde: das Franz-Schnabel-Haus. Bereits nach diesen wenigen Informationen wird es vermutlich niemanden verwundern, dass der gebürtige Mannheimer Historiker war. Doch in welcher Verbindung stand er zum KIT bzw. zur Technischen Hochschule (TH) Karlsruhe.

Nach der Tätigkeit an verschiedenen Gymnasien in Mannheim und Karlsruhe und seiner Habilitation über die „Geschichte der Ministerverantwortlichkeit in Baden“ wurde Franz Schnabel 1922 als ordentlicher Professor an den Lehrstuhl für Geschichte der TH Karlsruhe berufen. Die Tatsache, dass ein Historiker an einer Technischen Hochschule lehrt war ungewöhnlich, da angehende Geschichtswissenschaftler an Universitäten studierten. Franz Schnabel unterrichtete jedoch angehende Techniker und Ingenieure. Dies war jedoch nicht der einzige Punkt, in dem er sich von seinen Berufskollegen unterschied. Im Gegensatz zu ihnen betrachtete er Geschichte nicht nur auf der Grundlage ihrer politischen Bedeutung, sondern verstand sie eher im größeren Zusammenhang als Kulturgeschichte. Mit diesem Forschungsansatz beschäftigte  er sich in seinem unvollendeten vierbändigen Hauptwerk „Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert“. Darin versuchte er das Zusammenwirken von politischer und sozialer, kultureller, wirtschaftlicher, sowie technischer Geschichte des 19. Jahrhunderts zu analysieren und sie als Voraussetzung für die Krise des darauffolgenden Jahrhunderts zu deuten.

Bei der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten konnte er dem 1933 erlassenen „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ zunächst einer Entlassung entgehen. Er stand der katholischen Zentrumspartei zwar nahe, war jedoch kein Parteimitglied. Erst Ende 1936 folgte seine Zurruhesetzung durch das Badische Kulturministerium, das den Lehrstuhl für entbehrlich erklärte. Franz Schnabel kehrt erst 1945 nach Karlsruhe zurück,  konnte zu diesem Zeitpunkt jedoch nur Gastvorlesungen halten, da er im selben Jahr durch die amerikanische Militärregierung zum Landesdirektor der Kultus- und Unterrichtsabteilung ernannte wurde. Die folgenden zwei Jahre widmete er sich der daraus resultierenden Aufgabe der Reorganisation des Schul- und Universitätswesens in Nordbaden. Anschließend wechselte er an die Universität München, wo er bis zu seiner Emeritierung lehrte.

Snezana Pasic

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