„Sleepy Hollow – Köpfe werden rollen“

Nicht nur zu Halloween. Zeitlose unheimlich, düstere Umsetzung einer Gothic Novel vom Meister des skurrilen Humors, Tim Burton, in dichten, atmosphärischen Bildern.

New York 1799: Der junge Police Constable Ichabod Crane (Johnny Depp), ein aufgeklärter Vernunftmensch, stößt mit arrogantem Verhalten und innovativen Aufklärungsmethoden seine Mitmenschen regelmäßig vor den Kopf. Um den Störenfried Respekt zu lehren, verbannt ihn der diskussionsmüde Richter (Christopher Lee) in das verschlafene Städtchen Sleepy Hollow. Crane soll eine mysteriöse Mordserie aufklären, der bereits drei Menschen durch Enthauptung zum Opfer fielen. Die abergläubische Bevölkerung ist sich einig, der Täter ist der „Enthauptete“ (Christopher Walken), ein hessischer Söldner, der aus dem Grab zurückkehrt um wahllos zu morden. Mit dem Übernatürlichen konfrontiert, sucht Crane nach logischen Erklärungen für die Vorkommnisse, wobei er vom jungen Masbath (Marc Pickering) und der hübschen Katrina van Tassel (Christina Ricci) unterstützt wird.

Der 1999 erschienene Film von Tim Burton basiert auf der Sage vom „Reiter ohne Kopf“ aus der Erzählung „The Legend of Sleepy Hollow“ von Washington Irving. Allerdings bedient er sich dort nur einiger Element der Geschichte, womit er sich viel Spielraum für die eigene Umsetzung lässt. Er verwendet in „Sleepy Hollow“ ein in seinen Filmen häufig wiederkehrendes Motiv einer Welt zwischen Leben und Tod, welches er in „Beetlejuice“, mit dem ihm 1988 der Durchbruch gelang, etablierte. Auch seinen unverkennbaren Stil, bedrohlich wirkenden Szenen durch Einsatz harmloser Objekte oder schwarzen Humors, etwas Spielerisches zu verleihen, behält er bei. Beständigkeit zeigt er auch in anderen Bereichen, ob es die Lebenspartnerin Lisa Marie Smith oder ihre Nachfolgerin Helena Bonham Carter ist, sie werden ebenso in die laufenden Projekte integriert wie der Freund Johnny Depp, der zwischenzeitlich in sieben seiner Filme mitspielt. Selbst für die Soundtracks ist fast ausschließlich der Komponist Danny Elfman zuständig. Die Mär vom „Reiter ohne Kopf“ ist somit ein typischer Burton-Film.

„Sleepy Hollow“ mag nicht jedermanns Geschmack treffen, zumal die Story etwas unausgereift wirkt und den Darstellern, mit Ausnahme von Johnny Depp kaum Möglichkeit gegeben wird, ihre Rollen zu entwickeln. Sie wirken meist wie Statisten, die dem Auftritt des Hauptdarstellers, der in beinahe jeder Szene zu sehen ist, beiwohnen. Der Film hat dennoch das Potential, eine breite Fan-Gemeinde anzusprechen. Er verschreibt sich nicht komplett einem bestimmten Genre. Häufig irrtümlich als Horrorfilm bezeichnet, vereinigt er neben Gruseleffekten ebenso Elemente eines Krimis, Märchens, Liebesfilms oder einer Komödie, wobei auch mit Actionszenen nicht gespart wird. Den ein oder anderen wird einer der vielen mitwirkenden Stars reizen, oder der Genuss der detailverliebten Bilder, vielleicht aber auch nur der skurrile Humor. Und selbst der hartnäckigste Mainstream-Anhänger benötigt mal einen Streifen für den Halloween-Filmabend.

Snezana Pasic

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