Oliver Chimbo ein Student der Extraklasse

Der ecuadorianische Wirtschaftsingenieur Student Oliver Chimbo ist kein gewöhnlicher Auslandsstudent am KIT. Er finanziert sich sein Studium als Tanzlehrer im Bürgerzentrum TSC Astoria Karlsruhe e.V. in der Südstadt. Mit seiner temperamentvollen und spaßigen Art begeistert er seine Tanzschüler. Mehrere nationale und internationale Tanzkongresse und unter anderem auch der Unterricht in Mailand bei Fernando Sosa prägen seinen Tanzstil.

Oliver Chimbo

1. Wie bist du zum Salsa tanzen gekommen?
Bevor wir über Salsa reden, muss ich kurz sagen, dass es in meiner Welt Mambo, Chacha, Rumba, etc. gibt; und Salsa ist auch ein Teil davon, aber nicht das Gleiche. Zum Verallgemeinern können wir weiter das Wort Salsa benutzen.

Obwohl ich aus einer Schicht aus Quito Ecuador komme, in der Salsa nicht auf der Straße getanzt wird, hatte ich Kontakt zu der Musik und dem Tanz schon seitdem ich geboren bin. Entweder im Bus oder bei jeder Schulparty oder Familienparty wurde Salsa gehört. Abends beim Ausgehen wurde immer Salsa in den Discos gespielt und getanzt. Allerdings habe ich das als Hobby gemacht, ohne Regeln und Technik, erst in Deutschland habe ich Salsa als Leistungsport kennengelernt.

2. Wie oft trainierst du in der Woche?

Unterschiedlich. Für die Muskeln, die ich brauche drei bis vier Mal in der Woche im Fitnessstudio. Für meine Grundausbildung in Ballett, Jazz und Modern an vier Tagen die Woche, jeweils eine oder zwei Stunden. Und für Salsa jeden Tag mindestens eine Stunde. Dazu unterrichte ich vier Mal in der Woche.

3. Warum studierst du Volkswirtschaftslehre?
Für mich ist die Volkswirtschaft eine Mischung aus Politik, Jura und Wirtschaft. Dank der Universität Karlsruhe habe ich dazu komplementär die Ingenieurseite und somit mit diesen vier Gebieten eine große Palette der Wissenschaften. Ich habe auch eine deutsche Schule in Quito besucht und das deutsche Abitur erhalten. Ich habe vor dem Tanzen mit dem Studium angefangen und möchte mein Studium bzw. die Jahre die ich investiert habe, beruflich nutzen. Und ich möchte auch davon später leben. Momentan lebe ich ausreichend sehr gut von Salsa, dadurch habe ich zwei Möglichkeiten eine Familie und eine Zukunft aufzubauen.

4. Fitnesstrainer im Active Fitness in Durlach (Sept 2010), Tanzlehrer im Astoria und Studium-wie schaffst du das alles?
Ich habe Glück und zwar ich brauche wenige Stunden Schlaf um fit sein. Ich wurde von meinen Eltern sehr organisiert und zuverlässig erzogen. Ich stehe sehr früh auf und arbeite an der Uni oder am Tanzen, pausenlos jede Stunde bis ich ins Bett gehe. Ich habe auch die richtigen Freunde, die sehr nah an meiner Seite stehen und mir viel unterstützen. Ich bin ihnen sehr dankbar.

5. Tanzsportverein Astoria- Wie kam es dazu (erst im San Juan) und was wollt ihr mit der Tanzschule erreichen und wen?
Seit November 2008 bin ich im Astoria. Ich habe dank einem guten Freund die Stelle übernommen und wurde dann vom Astoria für die Leitung der Latinoabteilung angefragt, da sie wussten dass ich schon Erfahrung als Lehrer habe und vor allem dass ich Latino bin. Wir wollen alle möglichen Menschen erreichen die Interesse an unserer Musik und unserem Tanz haben. Aber auch diejenigen, die nicht wissen wie reich dieser Tanz an Vielfalt und Techniken ist. Unser Ziel ist es bei unseren Schülern eine Lust zu erwecken, dass sie durch qualitatives Salsa tanzen, Spaß daran finden. Das Wichtigste ist der Spaß, aber durch unsere Ausbildung und Weiterbildung können wir ihnen zeigen, dass sich der Spaß durch Qualität verdoppelt.

6. Gibt es nicht genug Salsa Schulen in Karlsruhe? Was ist das besondere an deinem Unterricht?
Es ist auch gut, dass es viele Schulen in Karlsruhe gibt. Das Besondere bei uns ist die Qualität, die wir geben. In Deutschland haben wir zum Beispiel den dritten Platz bei der Meisterschaft 2010 gewonnen. Zu uns kommt oftmals ein Publikum, das an Wettkämpfen oder Shows teilnehmen möchte oder das den Spaß an Salsa von einem Latino vermittelt bekommen will.

7. Wohin gehst du im Umkreis Karlsruhe am liebsten tanzen?
Mir gefällt es überall zu sein, im Candela, Contigo, Havanna oder in der Gelbe Seiten Bar. Ich bin ein kontaktfreudiger Mensch, dort treffe ich viele Menschen, wie Kommilitonen, Tanzkollegen, meine Schüler und auch Schüler von anderen Schulen und das freut mich.

8. Was ist für dich am wichtigsten beim Salsa tanzen und worauf achtest du am meisten bei deinen Schülern?
Dass sie Spaß daran haben, aber auch dass man den Respekt für den Tanz lernt und eine fundierte Ausbildung bekommt.

9. Wie findest du die Salsa Szene in Karlsruhe und deren Entwicklung in den letzten Jahren?
Die Entwicklung hat ihre positiven und negativen Seiten. Ich finde, dass die Salsa in Karlsruhe im Zyklus lebt. Für mich als Tanzschulleiter ist es wichtig, selbst positive Sachen für diese Szene zu kreieren und die positiven Sachen von Anderen auch zu unterstützen.

10.Könntest du dir vorstellen mit dem Salsa tanzen aufzuhören und als Beamter zu arbeiten?
Nein, weil Salsa zu meiner Kultur gehört, d. h mindestens als Social Tänzer würde ich immer noch Salsa tanzen oder Salsamusik hören, auch wenn ich als Beamter arbeiten würde.

11. Beende bitte diesen Satz: Salsa tanzen ist für mich…
ein Lebensausgleich, etwas was mich zum Gleichgewicht bringt. Ich sitze den ganzen Tag am Rechner und lerne, da Salsa tanzen viel Bewegung für den Körper bringt, bekomme ich einen Ausgleich in meinem Leben.

12. Dein peinlichstes Salsa Erlebnis?
Ich habe einmal auf einer Salsaparty das Drehen alleine geübt und bin umgefallen. (lacht)

13. Dein Ziel für 2011? Nachdem du im November 2010 die Badische Salsa Meisterschaft gewonnen hast?
Ich möchte besser werden, besser tanzen.

Herzlichen Dank, dass du dir die Zeit für uns und unsere Leser genommen hast.

Rocío Günther

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