Aus Liebe zur Musik – Ein Abend mit den Curbside Prophets

The Curbside Prophets - Dan, Justin, Sebastian und Erwin (v.l.n.r.)


Am vergangen Samstagabend stehe ich wie verabredet vor der Tür des Gasthauses Brasil. Von drinnen kann ich laute Gitarrenklänge und die unverkennbare Stimme des Leadsängers Justin Nova der Band ‘The Curbside Prophets’ hören. Die Tür, die zum Gebäudeinneren führt ist jedoch verschlossen und ich muss feststellen, dass es ein hoffnungsloses Unterfangen ist, während des Schlagzeugsolos zu klopfen. Keiner drinnen kann mich hören. Als mir geöffnet wird, platze ich mitten in den Soundcheck, den die Band für den heutigen Auftritt durchführt. Ich habe nun die Möglichkeit, etwas hinter die Kulissen zu blicken und bin überrascht, wie viel Arbeit in solch einem musikalischen Abend steckt. Etwa eine Stunde wird für den Aufbau der Instrumente gebraucht, dann muss die gesamte Technik noch verkabelt werden, darauf folgen der Licht- und der Soundcheck. Ungefähr drei Stunden sind die vier Jungs damit beschäftigt, obwohl sie sogar noch Hilfe von Harald, einem Tontechniker, bekommen.

Die Band um Sänger und Gitarrist Justin nimmt sich noch vor dem anstehenden Gig an diesem Samstag Zeit für ein Interview mit mir. Nur Erwin, der Bassist, muss vor dem Auftritt nochmal weg. Ich setze mich mit den verbleibenden Bandmitgliedern Sebastian ‘Woody’ Wahl (Schlagzeug), Dan ‘the Man’ Nicol (Keyboard/Saxophon) und Justin an einen Tisch. Sofort fällt auf, dass die Jungs sehr entspannt sind und sich wahrscheinlich nicht erst seit kurzem kennen.

KA.mpus: Woher kennt ihr euch und wie kam es dazu, dass ihr zusammen Musik macht?

Woody: Angefangen hat es so: Vor ein paar Jahren hat Justin zusammen mit Dieter ‘Ruby’ Rubach, der früher als Bassist bei Accept war, in Mannheim in einem Pub gespielt. Zu dieser Zeit habe ich Justin kennengelernt. Dan, unser Aussie, war damals gerade in Deutschland angekommen und wir kannten uns schon von früher, und so hing er häufig bei mir rum. Und irgendwie kam es dann, dass wir angefangen haben, zusammen mit Justin und Dieter in Mannheim in diesem Pub zu spielen.

Dan: Einfach so just for fun.

Woody: Wir bekamen dort damals auch so 20€ oder 30€ und haben dort eigentlich öfter, nur so zum Spaß, zusammen gezockt. Und so entstand der Gedanke, dass wir etwas Festes draus machen wollen. Dann kam der Bandname und aus musikalischen, nicht aus menschlichen Gründen, haben wir entschieden mit einem anderen Bassisten weiter zu machen.

KA.mpus: So kamt ihr also als Band zusammen, aber woher kanntet ihr Erwin und wie kam er dann dazu?

Woody: Justin und Erwin kennen sich ja schon eine ganze Weile. Erwin war festes Mitglied bei der Justin Nova Band (JNB). Daher kannten sich die beiden und so hat Justin Erwin dazu geholt.

Infos zur Band
‘The Curbside Prophets’ sind eine Karlsruher Band, die hauptsächlich gecoverte Stücke zum Besten gibt, jedoch auf ihre ganz eigenene Art. Mit ihren Funk-Rock-Reggae-Surf Sounds begeistern sie ihre Zuhörer schnell. Sie arrangieren unter anderem ältere Pop-Klassiker zu swingenden und sehr tanzbaren Stücken, ein Australier, der ‘Tag am Meer’ rappt oder auf herzzereißende Weise das weibliche Solo aus ‘Time of my Life’ (Dirty Dancing) trällert. Die Konzerte der ‘Propheten’ bieten einen Einblick der besonderen Art in die Musikgeschichte. Zu Gast im Brasil sind die Curbside Prophets an jedem 3. Donnerstag im Monat ab 21.30Uhr.

KA.mpus: Woody erwähnte gerade schon euren Bandnamen. Woher kommt er genau? Wie kamt ihr darauf?“

(Die ganze Band lacht und grinst)

Dan: Oh, das ist eine lustige Geschichte. Wir waren damals im Gloria in der Oststadt. Wir saßen dort einen Abend lang bei ein paar Bier, überlegten und redeten darüber, wie wir die Band nennen sollten. Wir sammelten die Ideen und Vorschläge auf einer Liste. Der Name Curbside Prophets stand mit einigen anderen darauf. Wir konnten uns allerdings nicht entscheiden. Also gingen wir mit dieser Liste durch die ganze Bar und sagten den Leuten, sie sollten bei dem Namen einen Strich machen, der ihnen am besten gefällt. Ja und die Curbside Prophets lagen mit großem Abstand vorne.

Justin: Es gibt aber auch noch ein sehr gutes Lied von Jason Mraz. Das war zwar nicht ausschlaggebend, aber ist ein cooler Song. Eine Alternative wäre wohl ʽKamasutra Karnival’ gewesen.

KA.mpus: Im Gegensatz zu den Curbside Prophets trägt die JNB explizit deinen Namen, Justin. Das heißt du hast also nebenbei noch andere musikalische Projekte, bei denen du mitwirkst?

Justin: Nun ja, die Justin Nova Band gibt es ja in diesem Sinne im Moment nicht mehr. Die Band existiert schon noch, doch im Augenblick bin ich in einer Schreibphase und mache das mehr so ein wenig für mich. Eigentlich war ja hauptsächlich bei meiner Band und das hier hatte ich nur so aus Fun gemacht, und irgendwie hat sich das lustiger Weise gedreht…

KA.mpus: Die Auftritte im Brasil sind bisher immer kostenlos gewesen. Die Zuhörer zahlen keinen Eintritt. Das bedeutet, dass für euch finanziell auch nichts dabei rausspringt. Wie finanziert ihr euch, wenn nicht mit den Einnahmen aus Auftritten?

Woody: (schmunzelt) Durch Luft und Liebe. Nein, wir gehen ja auch alle noch anderen Tätigkeiten nach. Also von unserer Musik alleine können wir ja leider noch nicht leben.

KA.mpus: Heißt das, ihr finanziert euch aus eigener Tasche?

Woody: Größtenteils, ja.

Justin: Naja, wir haben ja auch noch andere Konzerte. Diese Gigs hier haben wir im Prinzip aus Spaß an der Sache begonnen. Wir sind Freunde, die gerne zusammen Musik machen und das hat sich irgendwie so entwickelt. Wir haben das dann so beibehalten. Jeden dritten Donnerstag hier im Brasil, ohne Eintritt zu verlangen, einfach um regelmäßig in coolem Ambiente mit super Publikum zusammen zu spielen. Irgendwie war’s immer wie öffentliches Proben.
(Woody und Dan nicken zustimmend)

KA.mpus: Heute Abend soll für euren Auftritt hier im Brasil erstmals Eintritt verlangt werden. Was hat euch zu dieser Entscheidung bewogen?

Justin: Ja, so hat das hier angefangen und die Leute kamen immer wieder und der Laden wurde jedes Mal voller. Nun haben wir beschlossen, das Ganze auch mal am Wochenende zu machen und auch mal Eintritt zu verlangen, weil es nun auch ein Konzert geworden ist und nicht mehr nur eine Jam-Session.

KA.mpus:Werdet ihr bei euren zukünftigen Auftritten hier im Brasil nun immer Eintritt verlangen?

Dan:Nein, wir wollen das heute mal ausprobieren, es aber für die Gigs, die wir samstags hier spielen eigentlich beibehalten.

Justin:Wir spielen hier seit drei Jahren für umme. Ich denke wenn die Leute heute nicht kommen, dann wäre ich doch etwas enttäuscht. Und es wird donnerstags weiterhin kostenlos bleiben.

Das nächste Konzert:
02.04.2011 live im Club Stadtmitte um 20:00Uhr

KA.mpus:Ihr habt schon einige Auftritte und auch verschiedene Locations zu verbuchen. Die größten Events werden wohl die Darbietungen in der Vorwoche von ‚DAS FEST‘ und das Seenachtfest mit rund 30.000 Besuchern am Tag gewesen sein. Wie seid ihr von der doch recht kleinen Bühne im Brasil zum Seenachtfest in Konstanz am Bodensee gekommen?

Justin:Wir haben uns beworben. Wir haben denen ‘ne CD geschickt. Also wir kannten da Niemanden. Wir haben uns einfach mit einer Demo-CD beworben und die haben sich angehört und dann festgestellt, dass wir gut sind. Die meinten dann, sie wollen uns haben als Hauptact. ‘Ihr seid so gut. Wir wollen, dass ihr zur Primetime auf der großen Bühne spielt.’ Und ja, das haben die ganz richtig erkannt (lacht).

KA.mpus:Wir haben schon über das Seenachtfest und eure Gigs im Brasil gesprochen. Bisher kann man euch also nur live bewundern. Wird es irgendwann eine CD geben?

Justin:Es gibt eine CD. Eine Promo- CD. Darauf sind allerdings nur gecoverte Stücke und wenn wir eine eigene CD rausbringen, dann wollen wir eine Platte mit unseren eigenen Songs machen.

KA.mpus:Das bedeutet also, ihr werdet nicht immer nur covern, sondern eure eigenen Sachen machen?

Justin:Natürlich wollen wir irgendwann eigene Sachen machen und wir sind auch gerade dran, doch das wird alles seine Zeit brauchen. Wir sind gerade dabei eigene Songs zu schreiben und heute Abend spielen wir auch schon den ersten Eigenen.

KA.mpus:Wow, das klingt wirklich gut, aber warum habt ihr bisher überhaupt nur gecovert?

Justin:Die Sache hat ja als Jam-Session angefangen und sich dann weiterentwickelt. Um irgendwie anfangen zu können, nimmt man dann eben bestehende Songs. Außerdem macht das Publikum gern Party auf Musik die man kennt. Eigene Songs zu schreiben und diese einzustudieren dauert eben und unsere Interpretationen kamen und kommen auch immer riesig an.

KA.mpus:So, nun kommt auch schon meine letzte Frage für heute. Ihr wirkt so entspannt und locker. Seid ihr vor euren Auftritten nicht nervös? Wie geht ihr damit um, wenn mal was schief geht oder sich einer verspielt?

Justin:Nein, nervös sind wir nicht. Wir haben kein festes Programm für einen Abend wie heute. Wir legen zwar später fest, welche Songs wir spielen wollen, aber wir sind sehr flexibel. Wenn die Leute spontane Wünsche als Zwischenrufe äußern, bauen wir das ja oft noch ein. Wir kennen unser Publikum und unser Publikum kennt uns, und das ist es, was es ausmacht. Wenn sich wirklich mal einer verspielt, dann wird das als Joke eingebaut und auf denjenigen wird vielleicht gezeigt und laut gelacht. (Justin grinst) Wir haben Spaß wenn wir spielen, und deshalb sind wir so entspannt.

KA.mpus:Danke, dass ihr euch die Zeit für das Interview genommen habt. Ich wünsche euch noch viel Erfolg bei eurem heutigen und allen folgenden Auftritten und viel Spaß für euch und eure Fans mit eurer Musik.

Sarah Weiher

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