Perry O’Parson – Südstaaten-Sound als Balsam für die Seele

Foto: Perry O'Parson

Perry O’Parson – das sind Marcel Gein (Gesang und Akustik-Gitarre), Julian Baetz (E-Gitarre), Danny Klippel (E-Bass) und Simon Günther (Schlagzeug). Eine perfekte Kombination aus vier talentierten Musikern, die sich mit ihren Songs durch die Welt der Melancholie spielen. Die Besonderheit liegt in der Vielfalt ihrer Musik, die von Singer-Songwriting über Alternative Country bis hin zu NeoFolk reicht. KA.mpus ist es gelungen, mit Marcel – dem Herzstück der Band – dessen Solokünste ebenso ein Schmaus für die Ohren sind, ein wenig über ihre Musik zu plaudern.

KA.mpus: Perry O’Parson ist ein außergewöhnlicher Bandname. Woher kommt er?

Marcel: Der Name kommt von Truman Capotes Buch „Kaltblütig“. Der Mörder Perry Smith träumt im Gefängnis davon, eine Band zu haben und nennt diese „The Perry O’Parsons Orchestra“. Julian, der bisher immer für unseren Bandnamen verantwortlich war, hatte das Buch gelesen und fand demnach den Namen Perry O’Parson für uns. Das war zu einer Zeit, in der wir unseren Musikstil änderten.

KA.mpus: Wie ist der Anfang der Geschichte von Perry O’ Parson?

Marcel: Danny und ich waren schon befreundet, als wir auf einer Party Julian kennen lernten. Wir haben uns dann irgendwann getroffen und haben einfach angefangen, zusammen im Keller Punktrock-Musik zu machen. Simon haben wir dann kurze Zeit später kennen gelernt. Am Anfang hießen wir noch unter Anderem „All by myself“. Wir haben zwei Demos aufgenommen, auf Geburtstagen gespielt und später sogar im Substage. 2005 war dann erst einmal Pause, da haben wir nur geprobt. Das war genau die Zeit, in der wir angefangen haben, mit Akustik-Gitarren zu spielen und 2006 entstand dann Perry O’Parson.

KA.mpus: Von Punkrock zu Alternative Country, wie kam es zu diesem Richtungswechsel?

Marcel: Ich habe mir irgendwann eine Akustik-Gitarre gekauft, die ja eigentlich in jedes Musikerzimmer gehört und habe mich recht schnell in diesen Klang verliebt. Anders als bei der E-Gitarre ist der Klang viel feiner und es ist auch schwerer die Akustik-Gitarre zu lernen. Julian und ich haben dann Lieder von Bob Dylan oder Simon & Garfunkel nachgespielt und so sind wir dann irgendwie drauf hängen geblieben.

KA.mpus: Wie entstehen die Melodien oder Texte eurer Lieder?

Marcel: Die Texte und Melodien habe ich bisher immer selbst gemacht. Es entsteht auch nie ein Text vor der Melodie. Am Anfang sind es immer einige Gitarrenfragmente, die dann zusammengefügt werden und mit der Zeit fügen sich dann Textzeilen dazu. Meistens passe ich sie aber dann kurz vorm Studio an. Die Texte kommen auch aus dem Moment raus und die Melodie entspricht meistens dem momentanen Zustand. Ich habe auch in der Regel eine genaue Vorstellung davon, wie das Schlagzeug oder der Bass spielen soll. Für mich hat das Spielen der Melodie immer Priorität.

KA.mpus: Die meisten Künstler lassen sich von etwas inspirieren. Wie ist es bei dir?

Marcel: Die besten Lieder und Melodien entstehen meist, wenn etwas passiert ist. Es zieht sich auch immer ein melancholischer roter Faden durch alle Lieder. Letztlich ist es doch eine Alltags-Geschichte. Andere Musiker sind natürlich auch eine Hauptinspiration. Ich bin großer Fan von Ryan Adams oder Rocky Votolato. Mich inspiriert besonders das Gitarrenspiel. Wegen Elliott Smith habe ich zum Beispiel angefangen zu zupfen. Es ist für mich immer wie eine Art Lehrstunde. Ein Musiker ist immer so gut wie sein Plattenregal, von daher glaube ich, dass ich mich schon stark an solchen Singer-Songwriter-Musikern orientiere.

Foto: Perry O'Parson

KA.mpus: Gibt es eine Message an eure Hörer?

Marcel: Ich muss ehrlich sagen, wir haben eigentlich keine Message. Wir sind keine Band, die jetzt eine politische Message hat oder dergleichen. Es befasst sich eigentlich immer mit den eigenen Problemen, wo sich aber auch die Zuhörer wieder finden. Ich habe schon ein paar Emails von Leuten bekommen, die unsere Musik zum Beispiel nach einer Trennung oft hörten. Man kann sich einfach hineinversetzen, kann perfekt nachvollziehen, worum es geht und entsprechend passt man es dann an seine eigene Situation an. Es ist auch die größte Ehre, die man für seine Musik bekommen kann, wenn man hört, dass die Leute gerne die Lieder hören, wenn sie traurig sind, aber auch wenn es ihnen gut geht.

KA.mpus: Wie fühlt es sich an, auf der Bühne zu stehen und die Musik mit euren Fans zu teilen?

Marcel: Es fühlt sich wirklich gut an, vor allem, weil ich richtig vom kleinen Zeh bis zum längsten Haar in den Liedern drin stecke und weil ich es auch so meine, wie ich es singe. Es versetzt mich auch immer selbst in die Stimmung, wie das Lied entstanden ist. Ich finde es auch unglaublich wichtig, dass man das Ganze authentisch rüberbringt und nicht gezwungenermaßen.

KA.mpus: Einen Plattenvertrag bei dem Label Waggle-Daggle Records habt ihr jetzt in der Tasche. Wie kam es dazu und was hat sich dadurch für euch geändert?

Marcel: Wir hatten in Freiburg an der Uni ein Konzert und da haben wir Daniel Theuerkaufer, der das Label führt, kennen gelernt und später immer wieder mal hin und her geschrieben. Letztlich hat ihm unsere Musik so gut gefallen, dass er uns dann in sein Label aufgenommen hat. Durch den Plattenvertrag hat sich insofern verändert, dass Daniel die ganze Promo für uns übernommen hat. Es wurden etwa 150 CD’s an verschiedene Radiostationen in ganz Deutschland, Österreich, Schweiz und Skandinavien verschickt und er besorgt uns auch immer wieder Auftritte. Ganz wichtig war der Vertrieb, dass man unsere CD’s zum Beispiel auch bei Amazon oder ITunes kaufen kann. Das war ein großer Schritt nach vorne.

KA.mpus: Hin und wieder bist du auch solo als Singer-Songwriter unterwegs. Wie kam es dazu?

Marcel: Schon auf unseren ersten beiden Alben Farewell und In Our Time Of Need sind einige Lieder dabei, die ich alleine spiele. Es hat damit angefangen, dass wir mal drei Konzerte wegen Krankheit hätten absagen müssen und dann hab ich gefragt, ob es in Ordnung wäre, wenn ich alleine spiele und seitdem war es dann gemischt. Ich habe dann immer wieder mal Konzerte alleine gespielt. 2010 sogar mehr als die Hälfte unserer Konzerte, weil es teilweise auch, organisatorisch gesehen, einfacher war. Wenn es auch die Räumlichkeiten hergeben, dann spielt die ganze Band, ansonsten musiziere ich alleine.

KA.mpus: Was war bisher der schönste Auftritt?

Marcel: Ich erinnere mich gerne an das New Bands Finale 2008 im Substage. Das war echt verrückt, denn es waren so viele Freunde da, es war ein toller Auftritt und wir haben viele Sachen gewonnen, wie zum Beispiel einen Auftritt bei Das Fest in Karlsruhe 2009. Das war mit Abstand die größte Bühne, auf der wir bisher gespielt haben. 2010 hatte ich solo einen Auftritt in Heidelberg im Café Gegendruck. Es war mit 70 Leuten komplett voll und es war sehr still, niemand hat geredet, alle haben zugehört, waren interessiert und haben gewartet, welches Lied wohl als nächstes kommt. Das war ein richtig schöner Auftritt.

KA.mpus: Ein neues Jahr hat begonnen. Was ist für die Zukunft geplant?

Marcel: Solo würde ich gerne über Ostern mal wieder in Italien spielen mit meinem Kollegen Tom Mess. Eine Deutschlandtour von 10 bis 12 Tagen mit der Band wäre auch toll, wobei es wirklich schwieriger zu organisieren ist, da wir ja alle noch berufstätig sind oder noch studieren.

KA.mpus: Recht herzlichen Dank für das interessante Gespräch über eure Musik. Ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg und natürlich viel Spaß beim Komponieren.

Stefanie Disqué

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Eine Reaktion zu “Perry O’Parson – Südstaaten-Sound als Balsam für die Seele”

  1. Wolfgang

    Und hier ist das neueste Video von Perry O’Parson:

    http://www.youtube.com/watch?v=NrKKIhZvt-4

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