“I can get no Satisfaction”

Sex, Drugs and Rock’n’Roll. So stellt man sich das Leben eines Rockstars vor. Und genau so ist es auch. Jedenfalls lebte Keith Richards, Gitarrist und Mitbegründer der Rolling Stones, jahrelang getreu diesem Motto. In seiner Autobiografie LIFE gibt er tiefe Einblicke in sein Leben und den Mythos Rolling Stones.

Ein Wälzer ist das schon, dieses 735 Seiten lange Buch. Doch was Keith Richards hier mit seinem Freund James Fox geschaffen hat, ist das Zeugnis einer ganzen Musikära. Sex, Drugs and Rock’n’ Roll. Darum geht es in diesem Buch. Jedoch in umgekehrter Reihenfolge. Denn Keith Richards ist ein Vollblutmusiker und damit kommt die Musik für ihn an erster Stelle.

Die Geschichte der Rolling Stones in Kürze

Im Juni 1962 gründeten Mick Jagger, Keith Richards und Brian Jones die Band The Rolling Stones. Die weiteren Bandmitglieder waren Dick Taylor, Ian Stewart und Mick Avory. Ihren ersten Auftritt hatten sie am 12. Juli 1962 im Marquee Club in London. Noch im selben Jahr verließ Dick Taylor die Band. Er wurde durch Bill Wyman ersetzt. Im Jahr 1963 kam Charlie Watts nach langem Bitten in die Band. Das erste Album “The Rolling Stones” erschien 1964 und brachte den Durchbruch. Mick Taylor stieß 1969 zu den Rolling Stones. Nach und nach verließen Brian Jones, Ian Stewart, Mick Avory, Bill Wyman und auch Mick Taylor die Band. Der Gitarrist Ron Wood kam 1975 dazu. Die Band veröffentlichte bis heute 92 Singles, 29 Studioalben und 10 Livealben. Die letzte Tour war im Jahr 2006.

Die Welt des Rock’n'Roll

Richards geht chronologisch vor und beschreibt zunächst seine Kindheit und Jugend und die ersten Schritte in die Musik. In den frühen Jahren bestimmte das Erlernen neuer Gitarrengriffe und Liedern von musikalischen Vorbildern den Alltag des jungen Musikers. Zusammen mit Mick Jagger und Brian Jones gründete er die weltberühmte Band Rolling Stones. Die Auftritte der Band wurden immer größer und erfolgreicher. Mick Jagger und Keith Richards fingen an, eigene Songs zu schreiben und so enstanden Klassiker wie Satisfaction, Wild Horses, Brown Sugar und viele andere. Der Leser bekommt Einblicke in seine Welt des Songschreibens, wie Richards die Riffs zu Songs wie Honkey Tonk Women und Jumpin’ Jack Flash erfand und welches Mädchen Ruby Tuesday verkörpert. Er erzählt, wie nachhaltig ihn verschiedene Musikrichtungen und Künstler geprägt haben. Mit der Begeisterung eines kleinen Jungen beschreibt Keith Richards wie er zu seinen Vorbildern Little Richard, Bo Diddley, Chuck Berry und vielen mehr aufsieht.

Foto: Dina Regine

Nicht weniger wichtig und somit ein großer Bestandteil des Buches ist das schwierige Verhältnis zu Mick Jagger. Er beschreibt die tiefe Verbindung zu seinem Bandkollegen und wie sie auf einem Küchenboden den ersten Song zusammen schrieben. Aber auch vom Kontrollzwang Jaggers und dem daraus resultierendem Vertrauensbruch. Mick Jagger steuerte eine Solokarriere an und so konnten die Rolling Stones jahrelang nicht auf Tour gehen. Keith Richards kann jedoch nicht ohne die Musik leben. So gründete er im Jahr 1988 seine eigene Band, The X-Pensive Winos. Doch weder Jagger als Solokünstler noch Richards Band hatten großen Erfolg. Sie rauften sich zusammen und gingen 1989 wieder auf Tour.

Ständig unter Strom – Drugs

Immer wieder werden Drogenkonsum, Polizei-Razzien und Gerichtsverfahren thematisiert. Manchmal wird die Band zuhause Tag und Nacht beschattet, um ihnen den Garaus zu machen. Doch jede Menge Glück und ein paar Spitzenanwälte holten sie immer wieder aus prekären Lagen heraus. Trotzdem mussten sie manches Mal ein Land verlassen und erhielten Einreiseverbot.

Es geht doch nicht nur um das Eine – Sex

Dieses Thema ist, anders als erwartet, relativ kurz gehalten. Die berühmten Groupies, Affären und Orgien werden zwar erwähnt, jedoch nicht übertrieben ausgeschlachtet. Stattdessen erzählt Richards, wie er seinem damaligen Bandkollegen Brian Jones dessen Freundin Anita Pallenberg ausspannte und später drei Kinder mit ihr bekam. Wie er sich mit der Freundin von Mick Jagger einließ, weil dieser eine Affäre mit Pallenberg hatte. Selbstkritisch, ehrlich, authentisch. Seine Begegnungen mit der deutschen Uschi Obermaier finden ebenfalls ihren Platz. Später beschreibt er wie er seine große Liebe Patti Hansen kennen lernt und mit ihr eine Familie gründet.

Buchcover

Keith Richards Erzählungen handeln von Liebe, Tod, Freundschaft und Brüderlichkeit. Doch dabei hat er eines nie aus den Augen verloren: seine Liebe zur Musik. Er lässt den Leser an seinem bewegten Leben teilhaben. Trotz des ganzen Reichtums und Ruhmes scheint er auf dem Boden geblieben zu sein. Beim Lesen dieses Buches bekommt man das Gefühl diesen verrückten Rockstar tatsächlich persönlich kennenzulernen. Die Musik ist seine Befriedigung. Damit will er weiter machen, bis er “den Löffel abgibt”: He can get no Satisfaction!

Patricia Rank

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