Fleischlos glücklich – eine Alternative

Klein, schmächtig, abgemagert und eine blasse Haut. So sieht jemand aus, der kein Fleisch isst, denn es mangelt ihm ja an Eiweiß und Eisen. Ein Vegetarier ist auch ständig krank und isst den Tieren das Essen weg! Diese Vorstellung vom Dasein eines Vegetariers ist weit verbreitet. Dabei hat eine ausgeglichene, rein pflanzliche Kost nur Vorteile. Vegetarismus heißt nicht nur, die Gesundheit des Einzelnen zu fördern, sondern steht viel mehr für Ethik und die Bekämpfung von ökologischen und ökonomischen Problemen.


„Nichts wird die Gesundheit des Menschen und die Chancen auf ein Überleben auf der Erde steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung.“ (Albert Einstein)

Aktuelle Studien – beispielsweise von ADA (Vereinigung von Ernährungswissenschaftlern in Amerika) – belegen, dass man sich nicht mit Fleisch ernähren muss, um seinen Körper ausreichend mit allen lebensnotwendigen Proteinen zu versorgen. Es ist sogar viel gesünder, sie aus rein vegetarischer Nahrung, wie zum Beispiel Hülsenfrüchte, Nüsse, Getreide oder frische Früchte, zu beziehen. Bei einem fleischlos lebenden Menschen treten zudem auch erwiesenermaßen wesentlich seltener Krankheiten, wie beispielsweise Bluthochdruck, Diabetes, Krebs, Herz- und Kreislauferkrankungen, auf. Viele Vegetarier berichten aus praktischer Erfahrung von einer Verbesserung ihrer körperlichen, geistigen und sogar seelischen Verfassung. Neben der eigenen Gesundheit gibt es allerdings weitaus mehr Gründe, warum man sich für eine fleischlose Ernährung entscheiden sollte. Gründe, die nicht nur ein Individuum, sondern die ganze Welt betreffen.

„Die Erde hat genug für die Bedürfnisse eines jeden Menschen, aber nicht für seine Gier.“ (Mahatma Gandhi)

Profit heißt die Wurzel allen Übels. Während internationale Großkonzerne mit Fleisch und verwandten Produkten Geld in Milliardenhöhe verdienen, sterben Millionen von Menschen überall auf der Welt an Hunger. Der Missbrauch von Nahrungsmitteln ist ein schwerwiegender Grund für die Nahrungsmittelknappheit. Für die übertriebene Massenproduktion von Fleisch werden Unmengen an wertvollem Getreide, welches die Menschen direkt ernähren könnte, an Tiere verfüttert, die letztendlich nur für den Verzehr existieren. In Europa sind es etwa 60% des erzeugten Getreides, in Amerika sogar über 90%. Wohlstandsländer verschwenden allerdings nicht nur ihr eigenes Getreide, sondern verwenden auch Futtermittel, die in der Dritten Welt angebaut werden. Die ausschließlich für den Export angelegten Monokulturen führen zu Nahrungsmittelknappheit im eigenen Land, da den lokalen Bauern lebensnotwendiges Acker- und Weideland geraubt wird. Damit die Preise von Getreide aufgrund der Überproduktion nicht sinken, werden die Ernteerzeugnisse entweder in großen Mengen verschwendet oder sogar vernichtet.


„Die Erde könnte problemlos 12 Milliarden Menschen hinreichend ernähren. Hunger ist kein Schicksal. Hinter jedem Opfer steht ein Mörder.“ (Prof. Jean Ziegler, Sonderberichterstatter der UNO-Menschenrechtskommission für das Recht auf Nahrung)

Foto: Arturo de Albornoz

Ein einziges Steak von 225 Gramm enthält soviel Pflanzenenergie, wie benötigt wird, um einen Tag lang rund 40 hungernde Menschen zu ernähren.

Wenn allein die Bürger der USA jährlich ihren Fleischkonsum um nur 10% einschränken würden, könnten mit den eingesparten Nahrungsmitteln während derselben Zeit rund 60 Millionen Menschen weltweit ernährt werden.

„Fleischessen ist ein Überbleibsel der größten Rohheit; der Übergang zum Vegetarismus ist die erste und natürlichste Folge der Aufklärung“ (Leo Tolstoi)

Der Vegetarismus ist die vielversprechendste Ernährungsform der Zukunft, denn es könnten dadurch nicht nur wirtschaftliche, sondern auch einige ökologische Probleme, die die Welt belasten, gelöst werden. Die Fleischproduktion gehört zu den größten Kohlenstoffdioxid– und Methangas-Erzeugern, was einen enormen Teil zur Klimaerwärmung beiträgt. Jährlich werden alleine durch die weltweit etwa 1,5 Milliarden Rinder 80 Millionen Tonnen Methan freigesetzt. Somit ist die Viehzucht sogar schädlicher für das Klima als der Verkehr. Durch die Fleischproduktion werden auch ökologische Lebensgrundlagen zerstört. Die „grüne Lunge“ unseres Planeten ist weltweit um 70% geschrumpft. Nicht nur die Papier – und Holzverarbeitung, sondern größtenteils auch die Fleischherstellung ist für die Rodung vieler Wälder, um den Platz als Weideflächen und Ackerland zu nutzten, verantwortlich. Weitere gravierende Folgen des Fleischkonsums sind Überdüngung, Zerstörung der Artenvielfalt und Bodenqualität, Erosion und Humusverlust oder globale Wasserverschmutzung.

Foto: Albert Schweizer Stiftung

„Gewaltlosigkeit führt zu höchster Ethik, die das Ziel der gesamten Evolution darstellt. Solange wir nicht aufhören, anderen Lebewesen Schaden zuzufügen, sind wir immer noch Wilde.“ (Thomas Alva Edison)

“Der Mensch hat doch schon immer Tiere getötet und Fleisch gegessen”. Das wohl am häufigsten erwähnte “Argument”, warum man Fleisch isst, ist heute sicherlich nicht mehr vertretbar. Im Vergleich zu der Lebensweise in der Vergangenheit haben wir heute die Wahl, ob wir Fleisch essen möchten oder nicht. Es gibt mittlerweile eine breite Auswahl an Lebensmitteln, die uns genauso sättigen wie totes Gewebe.
Haben wir Menschen außerdem überhaupt das Recht, Tiere zu töten, nur um unseren Hunger zu stillen? Ist es moralisch vertretbar, weltweit jährlich über zwei Milliarden Kälber, Rinder und Schweine noch lebendig aufzuschneiden und ausbluten zu lassen, nur um ihr mit Antibiotika und Pestiziden verseuchtes Fleisch zu verzehren oder 20 Milliarden Geflügeltiere, am Fließband hängend, mit Stromschlägen zu töten? Weltweit etwa eine Milliarde aufgeklärte Vegetarier, die nicht nur an sich, sondern auch an unseren Planeten denken, werden „nein“ sagen!

Stefanie Disqué

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