Essen ist Leben – Über Fertigkost und Frischware

Ein Blick auf die Uhr verrät, dass es bereits 11 Uhr vormittags ist. Die Wäsche wartet seit einer Stunde im Trockner darauf, endlich befreit zu werden. Der Staubsauger in der Ecke steht schon auf Startposition, bereit zur Dreckvernichtung. Nebenbei brummt der Laptop immer lauter, was stets an den Gedanken erinnert, dass ein wichtiger Artikel bis morgen fertig sein muss. Ein lautes Knurren lässt erahnen was jetzt noch kommt: Hunger! Ja richtig, essen muss man ja auch noch zwischendurch. Nach einem Blick ins Kühlschrankinnere kommt die alltägliche Problematik zum Vorschein, denn mehr als Pudding, eingelegte Gurken und haufenweise verpackter Scheibenkäse hat er nicht zu bieten. Das Gefrierfach beinhaltet auch nicht mehr als Tiefkühlpizza. Muss reichen, für mehr ist sowieso keine Zeit!

Die Zeit ist etwas Kostbares, das man jeden Tag aufs Neue gut und sinnvoll einzuteilen versucht. Arbeit, Haushalt, Freizeit. Dies sind die wichtigsten Dinge auf der täglichen To-Do-Liste, die fast jeder Mensch irgendwie am Ende des Tages, am besten ohne in Zeitnot zu geraten, erledigt haben möchte. Am schwersten haben es wahrscheinlich diejenigen, die nebenbei noch eine Familie zu versorgen haben. Neben all diesen Aufgaben vergessen wir häufig, uns Zeit für etwas sehr Essentielles zu nehmen, nämlich Essen. Oftmals ist auch eine geringe Wertschätzung des Essens und Kochens ein Grund dafür, dass man sich auch weniger mit dem, was man isst, auseinander setzt. Man fragt sich selten, wo denn eigentlich das Fleisch, das Gemüse, die nett verpackten Fertiggerichte, das frisch aussehende Obst herkommen und noch weniger fragt man sich, was in diesen Produkten alles drin steckt oder wie sie verarbeitet worden sind.

Foto: Michael Schäfer

Frisch ist nicht gleich frisch!

Die Mehrheit der von mir befragten Esser ist sich in einem Punkt auf jeden Fall einig: Wenn gekocht wird, dann nur mit frischen Zutaten! Klingt schon mal positiv. Aber was bedeutet eigentlich die Bezeichnung ‘frisch’? Sind Obst und Gemüse im Supermarkt wirklich frisch oder kann man doch nur Bio-Produkte so bezeichnen? Befindet man sich in der Obst- und Gemüseabteilung im Discounter, so sieht jedes Produkt auf den ersten Blick eindeutig frisch aus. Die farbenprächtigen Produkte erwecken keinerlei Zweifel daran, dass sie frisch oder gesund sind. „Ich koche mit frischen Lebensmitteln, weil es besser schmeckt und da keine chemischen Zutaten dabei sind“, sagt Laura, 21. Im Grunde hat Laura Recht, jedoch sollte man bei Obst und Gemüse unbedingt auf ihre Herkunft achten. Importierte Waren haben einen längeren Transportweg und müssen aufgrund dessen mehr mit chemischen Mitteln, wie beispielsweise Pestiziden, behandelt werden, damit sie länger „frisch“ bleiben. Erschreckenderweise findet man allerdings auch in Deutschland Pestizid-Rückstände bei konventionell angebauten Produkten. Obst und Gemüse aus biologischem Anbau ist weitaus weniger belastet.

Konventionell versus ökologisch

„Bio-Produkte sind oft um ein Vielfaches teurer als so genannte ‘Nicht-Bio-Produkte’, deswegen kaufe ich meistens das, was gerade zu meinem Geldbeutel passt“. Dieser Meinung ist nicht nur Tobias, 26, sondern auch viele andere Verbraucher. Ökologisch hergestellte Lebensmittel – ob Gemüse, Obst oder Fleisch – sind deshalb so teuer, weil die Herstellung sowie die Haltung und das Futtermittel der Tiere kostspieliger sind. Allerdings entstehen durch diese Art von Herstellung geringere Umweltschäden, wie beispielsweise die Verschmutzung von Wasser mit Phosphaten, Nitraten und Pflanzenschutzmitteln sowie Treibhausgasbelastung. Die konventionelle Produktion verursacht weitaus mehr Schäden, wobei die Kosten dafür nicht von den Produzenten, sondern von der Gesellschaft getragen werden. Solange diese Kosten nicht in den Preis der Produkte mit einfließen, ist die ökologisch hergestellte Ware nicht wettbewerbsfähig. Gerne wird bei der Herstellung von Fleisch, Milch oder Eiern in Massenproduktionen auch bei den Futterkosten für die Tiere gespart. Die Sau frisst billiges, mit der giftigen Substanz Dioxin vermischtes Futter, der Mensch verzehrt die Sau und belastet damit seinen Körper.

Foto: Mario Thiel

Der Verbraucher ist immer der Dumme!

Bio-Ware ist also grundsätzlich besser. Der Verbraucher sei jedoch gewarnt, denn es werden auch Produkte verkauft, die zwar mit dem EU-Bio-Siegel gekennzeichnet sind, allerdings zum Teil wenig ökologisch erzeugt wurden. Deshalb rate ich, die schön verpackte Bio-Ware nicht einfach in den Einkaufskorb zu legen, sondern erst zu lesen, was denn eigentlich genau auf der Verpackung steht. Besonders wichtig ist dies bei Fertig- und Halbfertigprodukten. „Große Handels- und Lebensmittelkonzerne und ihre Lobbyverbände – allen voran die Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE), der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V. (BLL) und der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) – beeinflussen zunehmend, was wir kaufen, wo wir kaufen und wie wir kaufen“, so der gemeinnützige Verein FOODWATCH, der mit Kampagnen und Aufklärung für das Wohl und Recht des Verbrauchers kämpft. Essen ist mittlerweile eine politische Angelegenheit, denn die Lobbyverbände haben einen großen Einfluss auf die Politik sowie auf das Bundeslandwirtschaftsministerium. So haben sie erreicht, den Verbraucher durch unverständliche Nährwertangaben und Verwendung von bestimmten Begriffen an der Nase herumführen zu können, ohne dabei auch noch das Gesetz zu brechen. Wenn auf der Maggi-Käse-Spätzle-Verpackung „Ohne Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe laut Gesetz“ oder “glutamatfrei” steht, werde ich als Verbraucher schlicht und einfach für dumm verkauft. Denn liest man sich die lange Liste der Zutaten genauer durch, so findet man Mittel wie Hefeextrakt, Aromen und allen möglichen anderen chemischen Quatsch, die nichts anderes sind als Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe.

I need money!

Worum es der Politik, der Lebensmittelindustrie und den vermeintlichen Verbraucherschützern geht, liegt doch auf der Hand: Jede Menge Geld abstauben! Die Ampelkennzeichnung auf der Verpackung, die bereits in Großbritannien eingeführt wurde, wird abgelehnt, obwohl diese den Verbraucher eindeutig weniger verwirren würde. Warum? Wir würden sicherlich weniger Produkte, die zuviel Zucker, Fett oder Salz beinhalten kaufen, was natürlich nicht im Sinne der Regierung wäre. Dennoch hat der Verbraucher letztendlich noch immer die Wahl, ob er dies unterstützen will oder nicht. Vielleicht ist es ihm ja auch egal. Wenn nicht, dann bleibt ihm wohl nichts Anderes übrig, als die Tiefkühlpizza weiter frösteln zu lassen und sein Glück am Herd zu versuchen. Guten Appetit!

Stefanie Disqué

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