Das Naturkundemuseum Karlsruhe – Es gibt viel zu entdecken

Eine Einzelfahrkarte für die Straßenbahn kostet ungefähr 2€, eine Schachtel Zigaretten kostet 5€ und eine Kinokarte schon mal bis zu 10€. Wir kennen zumindest einige der Preise von den Dingen, die uns im Alltag begleiten. Doch was kostet eigentlich ein Museumsbesuch? Wie überraschend günstig es ist, einen Tag im staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe zu verbringen, und wie spannend ein solcher Tag für einen Studenten sein kann, berichtet euch KA.mpus.
Das Staatliche Naturkundemuseum Karlsruhe

Das Staatliche Naturkundemuseum Karlsruhe

„Mama, da ist gar kein Tier drin!“ ruft ein kleiner Junge, der in das große Wasserbecken im Eingangsbereich des Naturkundemuseums schaut. Die Mutter starrt einen Augenblick lang wortlos in das Becken und dann auf das zugehörige Informationsschild. Sie scheint sich davon überzeugen zu wollen, dass ihr Sohn sich täuscht.
Bei genauerem Hinsehen kann man ihn erkennen, den chinesischen Riesensalamander. Doch ganz unrecht hat der Junge nicht, denn es ist schwer, das längliche, graue Tier auf Anhieb von einem der Steine zu unterscheiden.

Der Andrias Davidianus

'Henrys' Terrarium

Henrys Terrarium


Das ist also Henry. Diesen Namen bekam das Tier von der KA.mpus-Redaktion. Allerdings war das nur eine spontane Idee, um dem Tier, das sich nicht bewegt, einen Namen zu geben. Der richtige Name des lebenden Fossils lässt sich auf den wissenschaftlichen Namen zurückführen: ‛Andrias Davidianus’. Andrias ist auch der Name des Maskottchens des Museums.
Nach ungefähr einer dreiviertel Stunde muss ich mir eingestehen, dass ich wirklich schon quirligere Tiere gesehen habe. Doch man hatte mir schon gesagt, dass sich dieses Tier nicht sonderlich viel bewegt. Ich hatte einige Zweifel, da kein Lebenszeichen auszumachen war. Lebt dieses Geschöpf denn wirklich? Die Dame am Empfang versicherte mir, dass der zu den Schwanzlurchen zählende Salamander bei bester Gesundheit sei. Dennoch entschloss ich mich zunächst für einen Rundgang durch den Rest des Museums.

Das SMNK – ein Rundgang

Was gibt es hier eigentlich zusehen im Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe (SMNK) am Friedrichsplatz?
Direkt in der Eingangshalle befindet sich neben dem Wappentier der Museumsshop Nautilus sowie ein Infopoint, der als Wegweiser dient und aktuelle Informationen präsentiert.
Geradeaus, unter dem Treppenhaus hindurch, befinden sich arrangierte Lebensgruppen von überwiegend einheimischen Säugetieren, wie Wölfen, Rehen und Wildschweinen, und Vögeln. Die Tiere sind präpariert und in entsprechend passenden Schaufenstern drapiert, die die natürliche Umgebung darstellen sollen.

Von der Eingangshalle nach rechts geht es in das sogenannte Vivarium.

Unter einem Vivarium versteht man eine Tierhaltungsanlage oder ein Gebäude zur Aufzucht und Pflege lebender, meist wechselwarmer Kleintiere in Aquarien oder Terrarien.

Hier sind lebende Tiere in naturgetreu gestalteten Aquarien zu sehn. Im ersten Saal befindet sich die Dauerausstellung Klima und Lebensräume. Sie gibt einen Eindruck von der Tierwelt der feuchten Tropen und der subtropischen Trockengebiete. Auch die bunte Vielfalt der Korallenriffe zeigt sich von einer wunderschönen Seite.

Die (wechsel-) feuchten Tropen sind der Teil der Tropen, welcher durch eine starke Niederschlagsvariabilität gekennzeichnet ist, die viele Pflanzen entweder ihr Wachstum einschränken oder teilweise verdorren lässt.
Die typischen Vegetationsformen der wechselfeuchten Tropen sind Trockenwälder und Savannen.

Im anschließenden Raum ist es überraschend dunkel. Hier tummeln sich in zahlreichen Süß- und Seewasseraquarien eine Vielzahl lebender und faszinierender Fische, Korallen und anderen Tieren aus dem Mittelmeer. Man kann zum Beispiel alle Freunde aus Findet Nemo hier genau betrachten und viel über sie lernen. Vom Pfeilgiftfrosch bis zur Riesenschlage sind in Terrarien viele exotische Tiere zu sehen.

Links um!

Auf der linken Seite des Gebäudes gibt es im Erdgeschoss vier Säle, in denen verschiedene Facetten und Gebiete der Geowissenschaft gezeigt werden. Die Ausstellung Geologie am Oberrhein informiert über geologische Themen der Region. Wer noch mehr Regionales erfahren möchte, kann sich auch die Fossilienfunde aus Baden ansehen. Dort kann man, neben vielen anderen Funden, das vollständig erhaltene Skelett eines Urpferdes bestaunen.
Noch mehr Versteinerungen, Skelette und Modelle längst ausgestorbener Lebewesen findet man im Saal Leben in der Urzeit. Die glitzernden, funkelnden und sogar leuchtenden Gesteine im Mineralien-Raum sollte man sich ebenfalls nicht entgehen lassen. Es sieht einfach wunderschön aus.

Der Lichthof

Aufgang zum Lichthof über die Steintreppe

Aufgang zum Lichthof über die Steintreppe


Zum Lichthof gelangt man über eine zentrale Steintreppe. Die Wand, auf die man dann stößt, ist aus Schieferplatten der Schwäbischen Alb zusammengesetzt und zeigt Versteinerungen von Fischen, Seelilien, Fischsauriern und einem Meereskrokodil. Hinter dieser Wand liegt der Vortragssaal des Museums.
Über der Treppe sind lebensgroße Modelle von Flugsauriern aufgehängt und an den umliegenden Wänden befinden sich Großfossilien. In mehreren Wandvitrinen wird anhand des Homo heidelbergensis und anderer Urmenschen die Stammesgeschichte des Menschen gezeigt.

Kleine Weltreise

Man scheint eine kleine Weltreise zu machen, begibt man sich in den Gebäudetrakt in dem sich der Afrika-Saal, die Welt der Insekten und ein großer Teil zur heimischen Natur befindet. Nicht zu vergessen ist die Darstellung des Polargebietes und der dort lebenden Tiere im letzten Saal.
In diesem Bereich gibt es von Löwen, Tag- und Nachtfaltern, heimischen Singvögeln und in den Wäldern lebende Tiere unserer Region bis hin zu einem Eisbär und Robben viel zu sehen. Auch hier sind alle Präparate in naturnah gestalteten Umgebungen ausgestellt.
Die neue Dauerausstellung “Facettenreich – die Welt der Insekten“ beleuchtet genau die besagte Welt – die Welt der Insekten. In fünf Themenbereichen veranschaulicht sie eine Fülle an Formen, Farben und Lebensweisen der artenreichsten Tiergruppe der Erde und ihre Bedeutung für den Menschen. Die übrigen Räume werden für Sonderausstellungen genutzt.

Unverhofft kommt oft

Auf dem Weg zum Ausgang begegnet man wieder Henry. Er liegt noch immer regungslos da und es sieht so aus, als hätte er sich keinen Zentimeter von der Stelle bewegt.
Schon fast am Ausgang angekommen höre ich eine junge Dame sagen: „Kinder, kommt schnell her, er bewegt sich gerade!“ Ich traue meinen Ohren nicht. Ich stelle mich so unauffällig wie möglich zu der Gruppenleiterin und den ungefähr 15 Kindern, von denen keines älter als 10 Jahre zu sein scheint. Die Dame, die offensichtlich zum Mitarbeiterstamm des Museums gehört, erzählt viel Interessantes über den Riesensalamander, während sich dieser langsam in Richtung Wasseroberfläche bewegt. Der ca. 1,40m lange Salamander lebt nun schon seit 15 Jahren in Karlsruhe und bewegt sich eben doch: Einmal pro Stunde taucht er für knapp eine halbe Minute auf um Luft zu holen, die er dann wieder für eine weitere Stunde anhält. Aber seht selbst…

Henry und seine Freunde

Ein Tag im Naturkundemuseum kann nicht nur unterhaltend sein, sondern auch auf lockere Art das Wissen erweitern. Ich persönlich besitze nun eine Jahreskarte für das SMNK und finde das sie mit 7€ für Studenten nicht zu teuer ist. Weitere Infos zu den Preisen, Öffnungszeiten und wie man am besten zum Naturkundemuseum kommt findet ihr hier.Ob Dauergast oder nicht, ein Besuch bei Henry und seinen Freunden kann ich jedem nur empfehlen.

Sarah Weiher
Noch mehr Informationen zum Naturkundemuseum und dem chinesischen Riesensalamander gibt’s hier:
Offizielle Homepage des Naturkundemuseums Karlsruhe
Touristeninformation Karlsruhe
Der chinesische Riesensalamander

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