Wo Rio de Janeiro auf San Francisco trifft

Die portugiesische Hauptstadt Lissabon ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Diese Einzigartigkeit liegt nicht zuletzt in der Vielfalt. Eine Vielfalt, die in der Bevölkerung und im Stadtbild überall zu finden ist und verschiedene Ursprünge hat. Im Jahr 1755 wurde Lissabon von einem Erdbeben größtenteils zerstört. Der Wiederaufbau nach dem Erdbeben hatte eine Vermischung alter und neuer Gebäude und Baustile zur Folge, die heute charakteristisch für Lissabon sind. Die multikulturelle Zusammensetzung der Lisboetas ergibt sich zum Teil aus den vielen Einwanderern (und Heimkehrern) aus den ehemaligen Kolonien. Hierzu gehören neben Brasilien u.a. auch Kap Verde, Angola und Mosambik.
Keine Frage: Lissabon ist eine geschichtsträchtige, aufregende Stadt und deshalb unbedingt eine Reise wert. Tagsüber erforscht man die vielen, verschiedenen Stadtviertel und abends wird gefeiert.

Das Stadtzentrum bildet die Baixa. Hier finden sich sowohl Sehenswürdigkeiten wie Prachtstraßen und zentrale Plätze als auch viele Geschäfte, Cafés und Restaurants. Mit dem Elevador de Santa Justa erreicht man den Chiado, einen weiteren Stadtteil.

Der Aufzug Elevador de Santa Justa ist nur einer von mehreren Aufzügen, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts den Einwohnern den Weg von der Baixa in die anderen, höher gelegenen, Stadtteile erleichtern sollen. Lissabon ist eine sehr hügelige Stadt und das Laufen kann durch steil ansteigende Straßen schnell ziemlich anstrengend werden. Es bietet sich also an, auf einen Aufzug oder die Straßenbahn zurückzugreifen, um seine Kräfte bei der Erkundung der verschiedenen Stadtteile ein wenig zu schonen. Hierbei bietet sich auch eine Fahrt mit der Linha 28, einer 100 Jahre alten, elektrischen Straßenbahn, an.

Dank der vielen Hügel gibt es aber nicht nur im Chiado zahlreiche Aussichtspunkte (die übrigens Miradouro genannt werden) von denen man einen herrlichen Blick über Lissabon hat.

Bewegt man sich von der Baixa aus in die entgegengesetzte Richtung (zum Chiado), gelangt man in den mittelalterlichen Teil der Stadt. Das Viertel Alfama mit der (Kathedrale) und dem Castelo de São Jorge sind unbedingt sehenswert. Vom Castelo hat man, wie von den zahlreichen Miradouros in Alfama aus, einen guten Blick auf die Stadt.

Aber man kann dort nicht nur die Aussicht geniessen. Der schattige Innenhof eignet sich, sowohl für Besucher, als auch für die zahlreichen dort umherstreifenden Katzen, um sich auszuruhen und der Mittagshitze zu entgehen.
Die Kathedrale () unterhalb des Castelos gehört zu den Wahrzeichen der Stadt. Sie sticht aus den zahlreichen Kirchen Lissabons dadurch heraus, dass sie an der Stelle steht, an der auch die allerersten Gebäude der Stadt überhaupt errichtet wurden.

Alfama ist der älteste Stadtteil Lissabons, der bei dem Erdbeben von 1755 nur wenig beschädigt wurde und deshalb gut erhalten ist. Durch dieses ursprüngliche Arbeiterviertel schlängeln sich unzählige, kleine Gassen und Treppen und auf den Straßen herrscht reges Treiben.


Alfama ist auch die richtige Adresse für Fado. Der Fado ist der traditionelle Gesang der Lisboetas, in dem es um Saudade (=Sehnsucht) geht. Dies ist charakteristisch für die, im Gegensatz zu anderen Südländern, manchmal etwas schwermütigen Lisboetas. Im Chapitô, einem Lokal auf der Alfama mit grandiosem Blick auf Lissabon und den Tejo, kann man sich jeden Dienstag kostenlos Fado anhören.

Ein gutes Stück weiter nordöstlich liegt der Parque das Nações. Ehemals das Gelände der Expo, die 1998 in Lissabon stattfand, ist er heute ein beliebter Park und Ausflugsziel für Einheimische und Touristen. Der Park liegt nahe des Einkaufszentrums Centro Commercial Vasco da Gama, bei dem jedem Shoppingfan das Herz höher schlagen dürfte und nahe dem schon alleine architektonisch spektakulären Bahnhof Gare do Oriente.

Belém liegt ein wenig außerhalb der Innenstadt, darf bei einem Lissabon- Besuch aber keinesfalls fehlen, da man hier besonders viel Geschichte und Sehenswürdigkeiten Portugals findet.
Belém (eigentlich: Santa Maria de Belém, wobei Belém das portugiesische Wort für Betlehem ist) liegt direkt am Fluss Tejo. Der Grund, weshalb gerade hier so viele Sehenswürdigkeiten zu finden sind, geht, wie vieles in der Stadtgeschichte, auf das große Erdbeben zurück. Belém war von der Zerstörung, die das Erdbeben anrichtete, kaum betroffen, weshalb hier viele Bauwerke erhalten geblieben sind. Im 15. Jahrhundert stachen von hier aus viele Expeditionen in See (unter anderen auch unter Vasco da Gama). Ihnen ist das Padrão dos Descobrimentos gewidmet, das Denkmal der Seefahrer und Entdecker.


An den Seiten des Turmes sieht man zahlreiche Persönlichkeiten aus der Geschichte, angeführt von Prinz Heinrich dem Seefahrer.
Von der Spitze des Turmes hat man einen wunderbaren Blick über Belém. Man kann die Mündung des Tejo und die Brücke des 25. April (benannt nach der Nelkenrevolution am 25. April 1974, die die Diktatur beendete), welche ein wenig an die Golden Gate Bridge in San Francisco erinnert, sehen. Hinter der Brücke erhebt sich die Christus-Statue von Almada, die wiederum an Rio de Janeiro erinnert. Tatsächlich ist die auf einem 75 Meter hohen Sockel stehende Christo Rei Statue von der Christo Redentor Statue in Rio inspiriert. Direkt zu Füßen des Turms befindet sich auf dem Boden eine Weltkarte als Mosaik. Etwas weiter den Tejo hinauf steht der Torre de Belém von 1521. Seit 1983 gehört der ehemalige Leuchtturm und das Wahrzeichen Lissabons zu den Weltkulturerben der Unesco.
Neben zahlreichen Museen, wie dem Archäologie- oder Marinemuseum steht in Belém noch das Mosteiro dos Jerónimos (Hironymitenkloster). Das Bauwerk ist einzigartig und zählt zu den schönsten in Lissabon, unter anderem befindet sich dort auch das Grab von Vasco da Gama.

Kulinarisch gesehen darf man in Belém eines auf gar keinen Fall verpassen: Pastéis de Belém, oder Pastéis de Nata. Die kleinen Puddingtörtchen, die mit Puderzucker und Zimt bestreut gegessen werden, werden nur dort in der Fábrica dos Pastéis de Belém nach Orginalrezept hergestellt.

Zwar nicht das geheime Orginalrezept, aber auch sehr lecker:
Pastéis de Nata

Nachdem man am Ende eines Tages voller Sightseeing in die Innenstadt zurückgekehrt ist, bietet es sich an Feiern zu gehen. In Lissabon geht das am Besten im Bairro Alto. Nirgendwo sonst in der Stadt finden sich so viele Restaurant, Bars, Cafés und Clubs auf einem Fleck. Besonders am Wochenende drängeln sich die Feierwütigen in den engen Gassen, da viel von dem Geschehen vor den Lokalen stattfindet. Das Nachtleben beginnt spät (frühestens gegen Mitternacht), dauert dafür aber bis in den frühen Morgen. Wer um vier Uhr, wenn die Bars schließen, noch Energie hat, feiert einfach in den Clubs weiter. Am Tejo liegen beispielsweise das Lux oder das Loft, die zum Teil bis acht Uhr morgens zum Tanzen einladen. Wem nach etwas alternativeren Clubs zu Mute ist, wird in einigen alten, umgebauten Wohnhäusern fündig (z.B. Bacalhoeiro).

Man sieht: Die portugiesische Hauptstadt Lissabon hat eine Menge zu bieten.

Teresa Karbiener

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