Quo vadis, KSC?

Am 17.11.2010 wurde Ingo Wellenreuther, seines Zeichens Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Karlsruhe-Stadt, zum neuen Präsidenten des Karlsruher Sportvereins gewählt. Er hatte schon die letzten Wochen als sogenannter „Notpräsident“ den Verein vorübergehend geführt. Nun erhielt er auf der Mitgliederversammlung auch die Legitimation dieses Amt weiterzuführen. Seine Wahl war nicht gerade überraschend – schließlich war er der einzige Kandidat.


Ingo Wellenreuther

Ingo Wellenreuther Foto: alice_c

Das neue Team

Zusammen mit den von ihm vorgeschlagenen neuen Vizepräsidenten Günter Pilarsky und Georg Schattling will Wellenreuther den Traditionsverein wieder nach oben führen. Das neue Triumvirat spricht selbstbewusst von wirtschaftlicher Konsolidierung durch Zuführung neuer Sponsoren und der damit verbundenen besseren sportlichen Perspektive. Endlich soll Ruhe und Ordnung in den Verein kommen sowie die Fußballherrschaft im Ländle nicht kampflos an den ewigen Rivalen Stuttgart, Freiburg oder das aufstebende Hoffenheim abgegeben werden. Die trotz aller Pleiten treuen Fans träumen angesichts dieser Worte bereits von besseren Zeiten. So wie einst in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern unter Winnie Schäfer, mit dem legendären 7:0-Sieg über Valencia als Höhepunkt, der den KSC in ganz Europa berühmt machte. Doch angesichts der markigen Ankündigungen von Wellenreuter und Co. braucht man gar nicht mal so lange zurückdenken, um sich eine vergleichbare Situation mit ähnlichen Worten in das Gedächtnis zu rufen.

Same procedure?

Im September 2009 wurde der damalige Brettener Bürgermeister Paul Metzger Präsident des KSC. Und auch er versprach den gerade abgestiegenen Verein in bessere sportliche und wirtschaftliche Zeiten zu führen. Vorausgegangen waren unzählige Schlammschlachten und Auseinandersetzungen im Umfeld des Vereins.
Angefangen hatte alles mit dem sportlichen Niedergang in der Saison 2008/2009, der im Abstieg in die 2. Bundesliga gipfelte. Die Fans schossen zu großen Teilen zunächst auf Trainer Edmund Becker und den in der Kurve unbeliebten Manager Rolf Dohmen. Doch auch Abseits des sportlichen Geschehens brodelte es beim Traditionsverein. Als Höhepunkt vieler Querelen folgte schließlich eine Maulwurf-Affäre, bei der Interna ausgeplaudert wurden. Das Präsidium und der Vorstand wurden immer heftiger kritisiert. Ein Neuanfang musste her.

Dieser sollte auf allen Ebenen stattfinden. Bereits nach dem zweiten Spieltag der Saison wurde Trainer Becker entlassen und Markus Schupp als Nachfolger präsentiert. Metzger übernahm im September das Präsidentenamt von seinem Vorgänger Hubert H. Raase. Später wurde Manager Dohmen durch Arnold Trentl als Manager ersetzt. Komplett neuorientiert sollte der Blick wieder nach oben gerichtet werden.

Der vollständige Name des Vereines lautet Karlsruher Sport-Club Mühlburg-Phönix e. V. Er ist aus einer Fusion der Vorgängervereine VfB Mühlburg und KFC Pönix im Jahr 1952 entstanden. Als Gründungsdatum gilt aber der 6. Juni 1894, eigentlich das Gründungsdatum des KFC Phönix. Unter diesem Namen konnte im Jahr 1909 mit der Deutschen Meisterschaft auch der größte Erfolg der Vereinsgeschichte errungen werden. Als Karlsruher SC gelang 1955 und 1956 der Gewinn des DFB-Pokals.

Ernüchterung statt Aufbruchsstimmung

Doch auch die Ära Metzger brachte nicht die erhoffte Wende und dauerte nicht einmal ein ganzes Jahr an. In der zweiten Liga wurde keineswegs der Wiederaufstieg erreicht, stattdessen geisterte sogar das Abstiegsgespenst lange durch den Wildpark, ehe man die Saison auf einem mittelmäßigen zehnten Rang beendete.
Auch von wirtschaftlicher Konsolidierung konnte keine Rede sein. Wurden unter Raase im Geschäftsjahr zuvor nach jahrelangem Sparkurs endlich wieder schwarze Zahlen verkündet, musste Metzger wieder ein Minus präsentierten, das mit Altlasten begründet wurde, was wiederum zu neuen Diskussionen und Streitigkeiten führte. Viel schlimmer war jedoch die noch unübersichtliche Struktur innerhalb des Vereins. Zuerst kam der Präsident nicht mit Manager Dohmen klar, dann auch nicht mit dem neuen Trainer Schupp. Sowohl in der vergangenen als auch in der aktuellen Situation verpflichtete Metzger scheinbar im Alleingang Spieler, die Schupp nicht wollte und dementsprechend auch kaum einsetzte. Unnötige Ausgaben, die ein chronisch klammer Verein gar nicht brauchen kann. Statt neue Sponsoren ins Boot zu holen, stand der KSC am Anfang der aktuellen Saison ohne Haupt- und Trikotsponsor dar. Die seit Jahren diskutierte Stadionfrage kam endgültig zum Erliegen.

Wildparkstadion Karlsruhe von oben

Wildparkstadion Karlsruhe aus der Luft
(Foto: Sven Scharr)

Die sportliche Heimat des KSC ist das Wildparkstadion. Es wurde 1955 erbaut und zuletzt 1993 mit dem Bau der neuen Haupttribüne verändert. Derzeit finden ca. 30.000 Personen in dem Stadion Platz. Seit im Frühjahr 2006 ein geplanter Umbau verkündet wurde, der jedoch aufgrund finanzieller Probleme nicht umgesetzt werden konnte, kursieren unterschiedliche Gerüchte im Umfeld des KSC. Bis heute konnten sich Stadt, Verein und verschiedene Geldgeber allerdings weder auf einen Um- noch einen Neubau einigen.

Statt Ordnung und neuer Hoffnung war der Scherbenhaufen KSC also nach einem Jahr noch größer als zuvor. Auch wenn nicht alle Schuld auf den anfangs noch von den Fans in der Kurve protegierten Präsidenten Metzger geschoben werden kann, muss diesem der Vorwurf gemacht werden, keine Ruhe in den Verein gebracht zu haben. Auch wenn die internen Vorgänge kaum verfolgt werden konnten, die Aussendarstellung jedenfalls war katastrophal. So kam er einer Abwahl bei der Mitgliedsversammlung durch seinen Rücktritt zuvor.

Klappt diesmal der Neuanfang?

In dieser Situation soll Wellenreuther nun also versuchen die Wogen zu glätten. Hilfreich wäre auch eine Unterstützung der Spieler. Derzeit rangiert der KSC auf einem Abstiegsplatz in der zweiten Liga. Der erneute Niedergang in Liga Drei würde dem Verein wohl den endgültigen finanziellen K.O. bescheren. Auf diesem Gebiet muss kurzfristig etwas passieren, was der neue Präsident jedoch nur bedingt beeinflussen kann. Seine Aufgabe besteht darin, den Verein und sein Umfeld zu beruhigen, Interna wirklich Interna sein zu lassen und das wirtschaftliche Potenzial zu nutzen, das der KSC trotz aller sportlichen Wellengänge in der Technologieregion Karlsruhe unbestritten hat.

Den Fans bleiben solange nur die Träume an bessere Zeiten und ihr nach wie vor riesiges Durchhaltevermögen.

Christoph Bauer

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3 Reaktionen zu “Quo vadis, KSC?”

  1. Timo

    Leider ein Beitrag, der dem interessierten Laien nur wenig Neues bietet und in ähnlicher Form auch schon in den BNN veröffentlicht wurde. Es wäre daher vielleicht angebracht gewesen, mit den Verantwortlichen direkt zu sprechen oder verstärkt auf die eigene Meinung zur Thematik hinzuweisen.

  2. Willi

    Schön, dass in Kampus auch über Sport geschrieben wird, aber so geht es nicht. Da werden nur allzu bekannte Fakten runtergebetet und aneinandergereiht ohne dem Leser wirklich neue Informationen zu bieten. Wo ist der journalistische Anspruch? Sprich: Es fehlt mindestens ein Gespräch mit dem KSC-Präsidenten oder einem Pressesprecher, die euch gegenüber auskunftsverpflichtet gewesen wären! Warum wurde die Gelegenheit nicht genutzt? Dann fehlt die Meinung der Fans, also die andere Seite, welche Hoffnungen herrschen hier, wie soll es mit dem KSC deren Meinung nach weitergehen? Dann ist das Foto von “Herrn Wellenreuther” absolut inakzeptabel zur Veröffentlichung, da es das CDU-Logo zeigt und er hie rnicht in parteipolitischer Funktion sondern in privater als Vereinspräsident auftritt. Ein Unding!! Das sollte geändert werden. Da freut sich aber natürlich die CDU KA, von der ihr sicherlich das Bild habt, den ein echter Autorenname ist ja auch nicht angegeben, obwohl dafür ja eigentlich Geld/Honorar fällig wäre…

    Die Hintergrundinfos zu Stadion und vor allem Verein sind interessant, wenn auch nur aus Wikipedia kopiert. Abschließende Frage, die ihr mal hättet an andere Medienvertreter stellen können: Warum wird immer vom KSC gesprochen und nicht wie es folgerichtig wäre von Mühlburg-Phönix (man spricht ja auch von der Hertha und nicht vom BSC)??

    Ich erwarte ernsthafte Folgen. So kann es mit Kampus nicht weitergehen, dann lieber endgültig einstellen. Der richtige Zeitpunkt ist längst verstrichen.

  3. Hans-Georg

    Die Fotorechte sind abgeklärt und unproblematisch. Ob da nun CDU drauf steht oder nicht ist doch unerheblich: Jeder weiß, von welcher Partei er ist und ob es nun die große Werbung für eine Partei ist, den KSC-Präsidenten zu stellen sei mal dahingestellt.

    Um ein kleines Missverständnis aufzuklären: Auskunftspflichtig ist niemand gegenüber der Presse. Ob in diesem Fall ein Interview mit dem Pressesprecher des Vereins sinnvoll gewesen wäre kann ich nicht beurteilen. Mehr wäre aus solchen Kanälen wohl kaum herauszuholen gewesen.

    Schlüsslich halte ich die Forderung nach “ernsthaften Folgen” für vollkommen unbegründet. Wir arbeiten hier mit viel Elan und Qualität. Nicht jedem muss ein solcher Artikel gefallen. Dass der richtige Zeitpunkt längst verstrichen sei, ist nun völlig hanebüchen. Da kennt jemand wohl kaum mehr als seine eigene Einbildung.

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