Öland – Eine Überraschung für Schwedenfans

Ein Urlaub in Schweden bedeutet die Möglichkeit seine freien Tage in Mitten wunderschöner Natur verbringen zu können und Kindheitserinnerungen an Nils Holgersson oder Michel aus Lönneberga näher zu kommen. Ein kleines Fleckchen schwedischer Erde dürfte selbst manchen erfahrenen Schwedenurlaubern noch nicht bekannt sein, denn die kleine Insel Öland vor der südlichen Ostküste wird von den typischen Skandinavien-Touristen oft übergangen. Zu Unrecht, denn Öland hat einiges zu bieten und ist landschaftlich überraschend anders als der Rest Schwedens.

Die besondere Landschaft Ölands

Vor der Küste Südschwedens liegt die 138 km lange und nur maximal 16 km breite Insel Öland. Dort begegnet dem Besucher, im Gegensatz zum schwedischen Festland, eine ganz andere Landschaft, die zudem in Europa einzigartig ist. Der Großteil der Insel besteht aus einem Kalkplateau. Die Westränder bilden hierbei eine steile Kante, welche im Norden sogar direkt ins Meer abfällt. Neben Wiesen, Äckern und Weideland nimmt das so genannte Alvarland, ein karger und steiniger Boden, einen großen Abschnitt Ölands ein. Vor allem der südliche Teil der 1.345 km² großen Insel wird hauptsächlich durch die Kalksteinsteppe, die Stora Alvaret, beherrscht. In den frühen Sommermonaten wachsen verschiedene Orchideen-Arten auf Öland, ebenso wie europäische und sibirische Pflanzen.

Diese außergewöhnliche Landschaft bietet sich als Ziel für einen Campingurlaub geradezu an. In Schweden ist Wildcampen zwar im Gegensatz zu Deutschland erlaubt, jedoch befinden sich auch ca. 30 Campingplätze auf der Insel.

Camping Card Skandinavia

Um einen Campingplatz in Schweden besuchen zu können ist es wichtig, sich vorher um die Camping Card Skandinavia zu kümmern. Die Karte ansich ist kostenlos, jedoch benötigt man pro Jahr eine Marke, die ca. 130 Schwedische Kronen kostet, umgerechnet ca. 14 Euro.
Mit der Camping Card Skandinavia gibt es einige Vergünstigungen, außerdem geht das Ein- und Auschecken auf dem Campingplatz schneller.

Reist man mit dem Auto an, besteht der Vorteil des Campings, neben der Unabhängigkeit, sein Zelt eben dort aufzuschlagen wo es einem gefällt, darin, mit dem Auto die gesamte Insel und ihre Ausflugsziele leicht bereisen zu können. Es lohnt sich durchaus an mehreren Stellen der Insel Halt zu machen.

Kulinarische Besonderheiten

Die schwedische Küche lässt sich als einfach und ländlich beschreiben. Produkte wie Fisch, Hackfleisch und Wild machen einen großen Teil des Speiseplanes aus. Die kulinarische Besonderheit der Insel ist das öländische Regionalgericht kroppkakor. Dies sind Kartoffelklöße, die in Südschweden vor allem entlang der Küste Smålands, in Gotland und in Blekinge vorkommen. Auch auf Öland gibt es sie in vielen Varianten, so zum Beispiel mit Butter, Sahne und Preiselbeeren.

Sandviks Kvarn (Foto: Olaf Meister)

Lufka, eine Abwandlung der traditionellen Kartoffelklöße, kann man sich als Spezialität des Hauses in Sandviks Kvarn für ca. 60 Schwedische Kronen servieren lassen, umgerechnet ca. 6 Euro. Das kleine Restaurant befindet sich im nördlichen Teil der Insel und ist in der größten Holländermühle Skandinaviens eingerichtet. Sandviks Kvarn ist eine der 400 noch erhaltenen Mühlen auf Öland – ursprünglich gab es über 2000. Die Spannweite zwischen den Flügeln der Mühle Sandviks Kvarn beträgt 24 m und sie hat insgesamt sieben Stockwerke, wobei sich das beliebte Restaurant im untersten befindet.

Ein weiteres beliebtes kulinarisches Ausflugsziel auf der Insel ist das Restaurant Lammet & Grisen, in Horn, Löttorp. Das Restaurant hat eine urige und rustikale Atmosphäre und im Zentrum der Tische und Bänke dreht sich über offenem Feuer ein Spieß mit Lamm oder Ferkel.

Öland – Alles andere als öde

Auf Öland finden sich neben landschaftlich sehenswerten Ausflugszielen auch zahlreiche Kulturstätten, die, befindet man sich mit einem Auto auf der Insel, alle leicht anzufahren sind. Die Natur hat auf Öland so manche Besonderheiten geschaffen, die es sich lohnt zu besichtigen. Befindet man sich im Norden der Insel, sollte man die Straße 136 verlassen und in einem Bogen über Byrums Sandvik fahren. Hier kann man die bemerkenswerten Rauken besichtigen, welche die Meeresbrandung in Tausenden von Jahren aus der 600 km langen Kalksteinküste herausgewaschen hat. Insgesamt existieren ca. 120 dieser Säulen, die unterschiedlich geformt, senkrecht in den Himmel zeigen. Der Strand reicht aufgrund einer Kalkplatte weit ins Meer hinaus, fällt dann jedoch abrupt ab.

Raukensteine vor Öland (Foto: Olaf Meister)

Wir befinden uns immer noch im Norden, genauer im Fischerort Byxelkrok. Von hier aus hat man die Möglichkeit die Granitinsel Blå Jungfrun zu besuchen. Bei der Insel handelt es sich um einen Nationalpark mit einer Vielfalt an Natur. Die Nordhälfte der 66 ha großen Insel beeindruckt durch glatt geschliffene, rote Granitklippen, sowie Grotten und Höhlen am Strand, die sowohl durch die ausspülende Meeresbrandung, als auch durch Steinrutsche entstanden sind. Im Inselinneren hat der wandernde Besucher den Vorteil von dem 86 m hohen Toppen eine schöne Aussicht zu genießen. Verlässt man den Norden von Blå Jungfrun, so findet man im Süden Trojeborg: Ein rundes, aus einer Vielzahl an Steinen gelegtes Labyrinth.
Auf Öland verteilt, finden sich viele Kirchen, wie zum Beispiel die romanische Kirche von Resmo, welche in der Mitte des 12. Jahrhunderts errichtet wurde und spätromanische Malereien unter ihrem Triumphbogen beherbergt.

Romanische Kirche in Resmo (Foto: Olaf Meister)

Auch kriegerische Auseinandersetzungen haben auf der Insel ihre Spuren hinterlassen. So wird man auf einer Rundreise auch oft Gräberfeldern oder Burganlagen begegnen. Östlich von Högsrum, erreicht man das Gräberfeld Karums Alvar mit der Arche Noah,welche aus der jüngeren Bronzezeit, ca. 1000 – 500 vor Christus stammt. Die 26 m lange Schiffssetzung, eine bootsförmige Steinanordnung mit großen Stevensteinen, gehört zu den bemerkenswerten Altertümern der Insel. Ein gern besuchtes Ausflugsziel ist die älteste Burg der Insel Öland: Die Burg Eketorp. Die Burganlage wurde im 13. Jahrhundert aufgegeben und heute besucht man eine rekonstruierte Anlage, in welcher sich unter anderem eine archäologische Sammlung mit den Fundstücken der Ausgrabung befindet. Die Burg Eketorp versucht einen Einblick in das Leben der damaligen Burgbewohner zu geben. Besonders im Sommer wirkt die Burg sehr lebendig, da die Tiere, wie zum Beispiel Ziegen, sich frei auf dem Gelände bewegen können, außerdem wird überall gewoben, getöpfert und geschmiedet.

Burg Eketorp (Foto: Erlend Bjoertvedt)

Alles in Allem gibt sich Öland so interessant und vielseitig, so einzigartig, dass der Besuch wirklich eine Überraschung ist – und das nicht nur für Schwedenfans!

Weitere Informationen zu Öland gibt es hier.
Sabine Wegmann

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3 Reaktionen zu “Öland – Eine Überraschung für Schwedenfans”

  1. Timo

    Ein sehr schöner Artikel, der für Naturliebhaber wirklich Lust auf Urlaub in Öland macht.

  2. Willi

    Warst du selbst dort? Wer ist Olaf Meister, von dem hier viele Fotos stammen? Die persönliche Note, die bei einem Studentenmagazin-Artikel nicht fehlen sollte, ist nicht zu finden. Schade, denn der Bericht ist nett gemacht. Zu einem klassischen, persönlichen Reisebericht fehlt es hier und da. Aber Lust einmal hinzufahren habe ich auch bekommen. Timo, da muss ich dir zustimmen. Sollten wir vielleicht nach dem MA in B mal angehen?!

  3. Sabine

    @Willi

    Vielen Dank für das Feedback (:
    Ja, ich war selbst dort – hatte mich aber einfach mal dagegen entschieden meine Erfahrungen mit einzubringen, um es objektiver zu gestalten. Die Insidertips stammen ja dennoch von mir.
    Olaf Meister ist ein Fotograf, der seine Arbeiten auf WikimediaCommons zur Verfügung stellt.

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