Doppeldate mit Harry Potter – Zurück in der Zauberwelt

Der erste Teil des großen Harry Potter Finales ist nun auch in den deutschen Kinos zu sehen. Die Medien sind voll mit Berichten von Joanne K. Rowlings letztem Abenteuer des populärsten Zauberlehrlings der Welt. Eine Rezension mehr oder weniger fiele da sicher nicht auf. Doch was ist, wenn zwei Studentinnen gemeinsam eine Rezension schreiben – und die eine damit eine wohl bekannte Welt besucht, die andere damit Neuland beschreitet? Wir haben den Versuch gemacht.

So hatte ich es mir nicht vorgestellt. Eine Horde Kinder, die als Zauberer verkleidet wild durcheinanderreden und vor Aufregung kaum auf ihren Plätzen still sitzen können – gibt es hier nicht. Bin ich im falschen Film? Oder genauer gesagt: Im falschen Kinosaal? Es ist Donnerstag, der 18. November 2010, 20:15 Uhr. Ich sitze am Premierentag des neuen Harry-Potter-Films im Kino und es ist fast still. Fast unnatürlich still. Nur hier und da sind gedämpfte Unterhaltungen der Kinobesucher zu hören, die allem Anschein nach bereits alle die Volljährigkeit erreicht haben.
Links neben mir sitzt Sarah, der förmlich ins Gesicht geschrieben steht, was sie wahrscheinlich ein bisschen abschätzig denkt: Sie ist im Begriff, sich einen Kinderfilm anzusehen. Doch dass diese Einschätzung nicht ganz richtig ist, wird schlagartig klar, als nach noch nicht einmal zehn Minuten die erste Person im Film getötet wird.

Diesmal ist es anders

Überhaupt ist dieser Film anders als seine Vorgänger, düsterer und eine Spur grausamer. Dass die siebenteilige Harry-Potter-Buchreihe eigentlich zur Rubrik Jugendliteratur zählt, vergisst man beim Anblick der Filmszenen schnell. Auch Sarah scheint dieser Meinung zu sein, geht es ihr doch, ihrer Körperhaltung nach zu urteilen, nicht anders als mir an den gruseligen Stellen, die sogar mich, die ich die Handlung bereits gut kenne, den Atem anhalten lassen.
Obwohl es einige Details an der Handlung, wie sie im Film umgesetzt wurde, zu beanstanden gibt, fallen diese in wesentlich geringerer Zahl an, als es der kundige Potter-Buch-Leser von den vorangegangenen Teilen gewohnt war. Außerdem wird die Handlung in diesem Film weniger stark verändert, als es beispielsweise in Teil 4, Harry Potter und der Feuerkelch, der Fall war. In besagtem Kinofilm wurde die Hilfe für Harry von Dobby dem Hauself auf den Gryffindor-Schüler Neville Longbottom übertragen, der Harry das Dianthuskraut bringt, das es ihm ermöglicht, unter Wasser zu atmen und so an der zweiten Runde des Trimagischen Tuniers teilzunehmen.
In Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1 fällt bei genauem Hinsehen die zum Teil überraschend detailgetreue Übereinstimmung mit der Buchvorlage bezüglich Handlung, Figuren und für den Haupthandlungsstrang unwichtigen Kleinigkeiten positiv auf. Allerdings kann man sich kaum an dieser erfreulichen Übereinstimmung aufhalten, da Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint den Zuschauer durch eine tolle schauspielerische Leistung mit in die schreckenerfüllte Zauberwelt von Harry Potter reißen.

Mein Fazit

Die kontinuierlich bedrohlich wirkende Atmosphäre, die im Film vorherrscht, lässt den Zuschauer auch nach dem Ende des Films nicht los und zusammen mit dem für die Handlung sinnvoll gesetzten Einschnitt, der den ersten vom zweiten Teil des finalen Films trennt, schließt sich der Leinwandvorhang – bis zum zweiten Teil des Finales im Juli 2011. Zurück bleiben Kinobesucher, die, egal ob mit der Harry-Potter-Welt vertraut oder nicht, begeistert sind von einem sehr gut gemachten Kinofilm.

Julia Braun

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Eine Reaktion zu “Doppeldate mit Harry Potter – Zurück in der Zauberwelt”

  1. Willi

    Diese Kritik spricht mich etwas weniger an, als die des Potter-Neulings nebenan. Auch ich gehöre zu denen die alle Filme, Bücher und vor allem die genialen Hörbücher ihr eigen nennen. Die Filme sind allesamt eher schwach im Vergleich zu den Büchern, aber nun hat man erstmalig richtig viel Zeit durch die Zweiteilung und somit ist alles detailgetreuer und erschließt sich richtig. Der angesprochene Fehler in Teil 4 mit Dobby rächt sich jetzt im Finale, da der Hauself nocheinmal einen großen Auftritt hat aber ein Teil dessen Vorgeschichte fehlerbehaftet ist.

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