Doppeldate mit Harry Potter – Mein erstes Mal mit Harry

Der erste Teil des großen Harry Potter Finales ist nun auch in den deutschen Kinos zu sehen. Die Medien sind voll mit Berichten von Joanne K. Rowlings letztem Abenteuer des populärsten Zauberlehrlings der Welt. Eine Rezension mehr oder weniger fiele da sicher nicht auf. Doch was ist, wenn zwei Studentinnen gemeinsam eine Rezension schreiben – und die eine damit eine wohl bekannte Welt besucht, die andere damit Neuland beschreitet? Wir haben den Versuch gemacht.

Ein überraschender Beginn

Das Kino ist bei weitem nicht so voll wie von mir erwartet. Vor allem aber drängt sich mir die Frage auf, wo die vielen Kinder sind, die mit Zauberhüten aufgeregt auf ihren Sitzen hin- und herrutschen? Ich kann nicht einmal Kinder ohne die beschriebene Kopfbedeckung sehen. Hier sind einfach keine. Bin ich im richtigen Kinosaal?

Der Film beginnt. Während der ersten Szenen ist mir schleierhaft, welche Bedeutung sie haben. Wenigstens erkenne ich einige Personen. Es sind die Hauptfiguren. Schließlich ist es beinahe unmöglich, nicht zu wissen wer Hermine Granger, Ronald Weasley und Harry Potter sind.

Schon nach wenigen Minuten zeigt sich, dass die unbeschwerten Tage in Hogwarts gezählt sind. Sogar mir wird schnell klar, wie erwachsen Potter und seine Freunde geworden sind. Nach nicht einmal zehn Minuten wird die erste Unschuldige durch den Befehl des dunklen Lords regelrecht hingerichtet. Somit ist für mich die Frage, ob dieser Teil der Harry Potter Filme, basierend auf der Romanvorlage von J. K. Rowling, ein Kinderfilm ist, geklärt. So beginnt kein Kinderfilm.

Fragen über Fragen

Julia, die neben mir sitzt, hat derweil schon einen Kritikpunkt entdeckt, den ich, aufgrund mangelnder Vorkenntnisse, nicht beurteilen kann. Sie ist der Meinung, dass zu Beginn etwas mehr Klärungsbedarf zur dargestellten Situation besteht. Ich kann nur erahnen, was der Zauberspruch, den Hermine ausführt, bewirkt und pflichte Julia deshalb bei. In einigen Augenblicken bin ich geneigt, sie zu beneiden. Zwar wird mir die Struktur des Films im Laufe der Zeit klarer, dennoch erschließt sich mir keine sinnvolle Rahmenhandlung. Was ist vor alle dem, was hier gezeigt wird, geschehen?

Die ganze Zeit über werden merkwürdige Begriffe verwendet. Ein Horkrux zum Beispiel muss ein besonders Medaillon sein, im Zweifelsfall scheint es nicht zu schaden, einfach „Expeliamus“ zu rufen und blaue Lichtwesen leiten in gefahrschwebende Personen auf den richtigen Weg. Ich bin äußerst verwirrt davon, dass ich einige Personenkonstellationen falsch verstanden zu haben scheine. Ron und Hermine? Das ist mir neu. Dafür ernte ich Unverständnis von Seiten Julias. Wie kann ich gedacht haben, dass Hermine und Harry in einer Art Liebesbeziehung stecken? Unwissen.

Die Spannung steigt

Obwohl es mir der besagten Einzelheiten wegen schwerfällt, genau zu verstehen, wer sich weshalb auf bestimmte Weise verhält, wird der Film immer spannender. Nach der Pause, die der Film wegen Überlänge hat, finde ich mich plötzlich mit angezogenen Beinen und unter Verwendung meines Schals als Kissenersatz, auf dem Sitz kauernd wieder. Den Schal halte ich, um an dieser schaurigen Stelle die Leinwand nicht ganz sehen zu müssen, vor mein Gesicht.

Immer wieder kann ich mich nicht richtig zwischen hin- und wegsehen entscheiden. Der Film ist düsterer gestaltet als ich angenommen hatte. Als in einer Art Zwischensequenz erklärt wird, was die Heiligtümer des Todes sind, bin ich positiv überrascht und begeistert. Die als Scherenschnitt umgesetzte Erzählung ist wirklich gut gemacht und ich kann selbst als Laie von Anfang bis Ende nachvollziehen, um was es hier gerade geht.

Alles hat ein Ende – Potter hat zwei

Obwohl ich die ganze Zeit über damit beschäftigt bin, für mich eine Art Gesamtzusammenhang zu erschließen, bin ich der Meinung, dass die Abgrenzung zum endgültigen Showdown sehr gut gewählt ist. Selbst mir erscheint es auf merkwürdige Weise logisch, an dieser Stelle den Film bis zur Fortsetzung im Juli 2011 zu beenden.

Abspann.

Das Ende von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, zumindest vorerst. Regisseur David Yates und die Schauspieler haben die Zuschauer, auch jene, die den Kampf gegen Lord Voldemort und seine Todesser nicht verfolgt haben, gut auf das Ende einer der erfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten vorbereitet.

Sarah Weiher

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2 Reaktionen zu “Doppeldate mit Harry Potter – Mein erstes Mal mit Harry”

  1. Willi

    Gefällt mir gut. Toll geschrieben aus der Sicht des Neulings. Bitte mehr von solchen Ideen.

  2. Sarah

    Hallo Willi,

    da bedanke ich mich herzlich für dein Lob, wobei ich sagen muss, das mein Artikel ohne den von Julia nur halb so gut ist.

    Viele Grüße,
    Sarah

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