Alles Super? Mögliche Alternativen zu Benzin

Wenn derzeit die Tanknadel im Auto immer mehr nach unten zeigt, dann treibt es den meisten Autofahrern den Angstschweiß auf die Stirn. Bei der Einfahrt in die Tankstelle leuchten drohend 1,45€ für den Liter Superbenzin und 1,30€ für Diesel oder mehr als aktuelle Preise auf. Keine Freude für den Geldbeutel. Auch angesichts dieser Entwicklung denken immer mehr Menschen über Alternativen zu Benzin nach, zudem mit anderen Antriebsmöglichkeiten auch die Umwelt noch geschont werden kann. Wir wollen hier einen kurzen Überblick über die wichtigsten möglichen Alternativen leisten.

Wer jetzt Geld sparen will: Autogas & Erdgas

Die derzeit einfachste Möglichkeit, Geld beim Tanken zu sparen, ist die Umstellung auf Autogas oder Erdgas. Autogas ist ein Gemisch aus Propan und Butan, das bei der Erdöl- und Erdgasförderung als Abfallprodukt anfällt, während Erdgas als ein Naturprodukt zu den brennbaren organischen Rohstoffen gehört. Die beiden Produkte sind keinesfalls zu verwechseln oder als identisch zu betrachten.

Wer schon ein Auto hat, für den empfiehlt sich eine Umrüstung auf Autogas. Diese kostet in Deutschland meist um die 1.500-2.500€. Investiert man dieses Geld, kann man damit rechnen, dass sich die laufenden Kosten für Treibstoff pro Liter nahezu halbieren. Im Schnitt lag der Preis in diesem Jahr bei etwa 0,65€/l, dieser wurde jedoch in den letzten Wochen parallel zu Benzin ebenfalls um 10 Cent angehoben. Auch beachtet werden muss, dass der Autogasverbrauch aufgrund einer geringeren Dichte und einem höheren Brennwert um 10-30% größer ist als bei Benzinmotoren. Ob sich ein Einbau lohnt, hängt immer vom jeweiligen Auto ab. Als groben Richtwert kann man eine Fahrtstrecke von etwa 40.000 km für die Amortisation vorgeben, diese kann je nach Fahrzeugtyp jedoch stark variieren.

Autogaszapfsäule

Autogaszapfsäule (Foto: Robert Brook)

Auch bei Neuwagen ist der Einbau eines Autogastankes möglich, wird jedoch seltener genutzt, weil die meisten modernen Autos einen geringen Spritverbrauch vorweisen können. Bei Neuwagen wird häufiger auf die Alternative Erdgas zurückgegriffen, da hier ein Umbau bei älteren Autos wesentlich teurer (2500-4500€) ist und das Kofferraumvolum meist stärker einschränkt als bei Autogas. Der Preis pro Liter ist bei Erdgas mit etwa 1€ etwas teurer, jedoch liegt hier kein Mehrverbauch gegenüber Benzinern vor.
Auch wenn der derzeitige Preisanstieg zeigt, dass die beiden Gasoptionen ebenfalls nicht von der Preisentwicklung auf dem Ölmarkt unabhängig sind, ist ein günstiger Preis bis 2018 gesichert. Bis dahin profitieren Auto- und Erdgas von der deutlich geringeren Mineralölsteuer, die die Bundesregierung bis zu diesem Zeitpunkt für beide Gase festgelegt hat.

Ähnliches galt bis vor kurzem auch noch für Biodiesel. Die Alternative für Dieselfahrzeuge war bis 2006 gar nicht besteuert, dies wurde nun schrittweise angehoben und wird ab 2013 auf dem regulären Steuersatz von 45 Cent/l liegen, was die Attraktivität dieses Kraftstoffes deutlich schmälerte und zu einem erheblichen Abschwung von Biodieselfahrzeugen führte.

Die Zukunft: Hybrid und Brennstoffzelle

Bei beiden Gas-Varianten werden die Emissionen deutlich reduziert, so sinkt beispielsweise der CO2-Ausstoss bei Autogas um ca. 15%, bei Erdgas sogar um 25%. Doch dies soll erst der Anfang sein. Mit den Alternativen Elektro-/Hybridantrieb und Wasserstoff-/Brennstoffzellenantrieb sollen weitaus bessere Ergebnisse folgen.

Reine Elektroautos sind aufgrund ihrer geringen Reichweite und niedrigen Geschwindigkeit allerdings kaum praktikabel und derzeit nur auf den Stadtbetrieb ausgerichtet. Hybridfahrzeuge sind da schon konkurrenzfähiger. In diesen ist der Elektromotor mit einer weiteren Energiequelle verbunden. Dabei werden meist die Vorteile von Otto- und Elektromotor kombiniert. Entweder wird der Energieverbrauch oder die Leistung optimiert. So kann der Elektromotor zum Beispiel zugeschalten werden, wenn bergauf gefahren oder beschleunigt wird. In dieser Situation herrscht der größte Kraftstoffverbrauch, der nun deutlich verringert werden kann.
Elektro-/Hybridautos punkten durch ihre Emissionsfreiheit im Betrieb, allerdings darf die Gesamtbilanz nicht außer Acht gelassen werden. Bei der Erzeugung von elektrischer Energie fallen schließlich auch Emissionen an. In Zukunft soll der benötigte Strom zum Großteil aus regenerativen Energien kommen, was die Umweltbilanz des Elektroautos deutlich verbessern würde.
Momentan ist die Anzahl der Ladestationen in Deutschland noch sehr gering, der ADAC bietet derzeit circa 50 an.

Auch wenn 2008 das erste Brennstoffzellenfahrzeug in Serie ging, spricht man nach wie vor von einer Zukunftstechnologie. Bei dieser Technik wird die elektrische Energie aus Wasserstoff oder Methanol durch eine Brennstoffzelle erzeugt. Auch hier sind derzeit noch Probleme mit der Wirtschaftlichkeit zu verzeichnen. Die Produktion von Brennstoffzellen ist nach wie vor viel zu teuer.
Auch hier ist der Betrieb sehr umweltfreundlich, bei der Herstellung entsteht aber wiederum CO2 als Nebenprodukt. Jedoch werden derzeit Möglichkeiten erforscht, Wasserstoff ohne Emissionen herzustellen, beispielsweise durch Elektrolyse. Mit Wasser steht eine fast unendlich verfügbare Ressource zur Verfügung. Brennstoffzellen haben auf jeden Fall das Potenzial zum Antrieb der Zukunft zu werden.

Fazit: Studierende, die viel mit ihrem Auto unterwegs sind (Urlaub, Wochenend-Pendler, Nebenjob), sollten über den Einbau eines Autogastankes nachdenken. Hilfreich ist neben der Beratung in der Werkstatt auch ein Blick auf die Webseite des ADAC, dort werden für fast alle Fahrzeuge Vergleichstabellen erstellt. Wer sich vom ersten Jahresgehalt nach dem Studium einen Neuwagen zulegen will, für den ist auch Erdgas eine Überlegung wert. Zukunftsmusik sind derzeit noch die weiteren Möglichkeiten, die jedoch immer weiter entwickelt werden. Endlich auch von der deutschen Automobilindustrie, die den Entwicklungsstart komplett verschlafen hatte.

Christoph Bauer

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Eine Reaktion zu “Alles Super? Mögliche Alternativen zu Benzin”

  1. steinbeisser

    Hm, wie sieht es mit der Alternative “öffentliche Verkehrsmittel” aus?

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