Wenn aus Spiel Realität wird …

Sie sind bunt, sie sind süß und man kann mit ihnen jede Menge Spaß haben! Sie bieten Ablenkung für ein paar kurze Minuten von unserem stressigen Alltag, sind schnell von jedem PC mit Internet zu erreichen und man kann sie mit allen Freunden zusammen spielen, passend zu der leistungsorientierten Gesellschaft, in der wir leben. Gemeint sind die „Social Games“ auf sozialen Netzwerken wie Facebook, Myspace und StudiVZ. Je nach Geschmack kann man hier in den verschiedensten Welten versinken. So hat man die Möglichkeit, zu Gärtnern, in Mafiaverbindungen heimisch zu werden, mit Fischen oder Vampiren zu spielen und vieles vieles mehr. Vor lauter Spielen und Geschenkeverschicken achtet man leider viel zu selten auf mögliche reale Nachteile.

Datenschutz

Das Thema Datenschutz ist momentan in aller Munde. Als beispielsweise Google mit dem Projekt Street View anfing, war der Aufschrei groß. Gleichzeitig geben viele Menschen in sozialen Netzwerken freiwillig alle möglichen Daten über sich preis, wie den kompletten Namen, Wohnort, Telefonnummer und Geburtstag. Ähnliches geschieht bei der Teilnahme an den darin angebotenen Social Games. Will man mitspielen, muss man Name, Profilbild, Geschlecht, Benutzernummer, Freundeslisten, Geburtstag und Wohnort freigeben. Diese Daten werden dann an den Betreiber des Spiels weitergeleitet, beispielsweise das Softwareunternehmen Zynga, mit welchem unter anderem Facebook zusammenarbeitet. Dass Daten in anonymisierter Form zu Werbezwecken weitergegeben werden, ist ja nun nichts Neues, da Daten im Prinzip das Zahlungsmittel aller sozialen Netzwerke sind.

So machte Zynga erst vor kurzem wieder Schlagzeilen wegen des Vorwurfes des illegalen Weiterverkaufes von persönlichen Daten. Hier wird die Gefahr von Spam, unerwünschter Werbung, Phishing und ähnlichen “schönen” Dingen groß. Eine weitere Frage ist, inwiefern diese Daten gespeichert werden, was schon oft ein Problem bei solchen Netzwerken war.

Eine Alternative wäre es, sich unter einem Pseudonym anzumelden. Dies verstößt zwar zumeist gegen die Vorschriften, ist aber schwer zu widerlegen und im schlimmsten Fall wird der Account bei dem jeweiligen Netzwerk gelöscht. Und das ist ja nicht so schmerzhaft.

Kosten

Oft fragt man sich ja, womit solche Firmen ihr Geld verdienen (und das tun sie nicht wenig!), wo die Spiele doch eigentlich kostenlos sind. Die Betitelung als „kostenlos“ stimmt in diesem Fall nämlich nur teilweise. Das Basisspiel muss tatsächlich nicht bezahlt werden. Mit dieser Basisausrüstung kommt man allerdings nur bis zu einem bestimmten Punkt. Möchte man an dieser Stelle nun erfolgreich weiter spielen, muss man doch in den Geldbeutel greifen. Und die Preise haben es in sich.

Durch die Marketingstrategie über die sozialen Netzwerke ist die Streubreite der Spiele natürlich sehr hoch, was auch der Grund für die sehr hohen Mitgliederzahlen ist. Wenn also nur ein Bruchteil der Mitspieler für den kleinstmöglichen Betrag etwas einkauft, ist der Gewinn für die Betreiberfirmen trotzdem noch enorm.

Auch in diesem Gebiet hatte Zynga schon von sich hören lassen. Erst Anfang dieses Jahres stand das Unternehmen in der Kritik wegen teuren Abo-Fallen, welche in den Spielen versteckt waren. Aus diesem Grund bildete sich auch der neue liebevolle Name Scamville (vom englischen “scam”: Betrug, Beschiss). Daher also der Gewinn.

„Social Games“ im Alltag

Die Spiele glänzen durch ihre einfache Benutzung, sind sehr kurzweilig, man hat mehr Spaß durch soziale Kontakte und man kann sich eine eigene virtuelle Identität kreieren. Das klingt natürlich sehr verlockend. Allerdings benötigen sie nur am Anfang einen geringen Zeitaufwand.

Hier stellt sich auch die Frage, wie sozial die Spiele eigentlich sind. Geht es wirklich darum, mit meinen Freunden zu spielen und mit ihnen zusammen Erfolg zu haben und Freundschaften zu pflegen? Oder geht es eher darum, durch die Instrumentalisierung meiner Freunde Ruhm und Ehre einzusacken? Das Spiel mit anderen nimmt im Schnitt nämlich nur einen Bruchteil der Zeit ein. Den Rest verbringt man dann doch alleine vor dem Rechner und jätet in seinem eigenen Gärtchen das Gemüse oder streichelt seine Fische. So “social” sind sie also letzen Endes auch nicht.

Spaß machen sie letzten Endes dann trotzdem, diese Spielchen. Das ist ja auch der Grund, warum es so viele Leute spielen, auch wenn es kaum jemand gerne zugibt. Wer nun diese schöne bunte Parallelwelt weiterhin genießen möchte, der sei auf der Hut. Zwar ist sie fiktiv, doch die möglichen Folgen können mitunter ärgerlich bis schmerzhaft real sein.

Bildquelle: Quelle

Sophie Penseler

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