Was wählst du, Buch oder eBook?

Seit Anfang Oktober wirbt die Buchhandlung Thalia für ihr neues eBook-Gerät “OYO”. Das im Taschenbuchformat gehaltene eBook ist dem Herrsteller nach ein kleines Wunder, das man nicht nur zum Lesen benutzen kann, sondern auch zum Abspeichern von bis zu Hunderten von Bücher. Man fragt sich aber schon: Brauche ich den ganzen technische Schnick-Schnack, wenn ich eigentlich nur ein gutes Buch lesen möchte?

Die Anfänge

Seit der Erfindung des Buchdrucks sind Bücher nicht nur stärker in das Bewusstsein der Lesefreunde gedrungen, sondern haben das Leben der ganzen Gesellschaft nachhaltig beeinflusst. Das geschriebene Wort begleitet uns überall. Sei es auf dem alltäglichen Weg in der Bahn oder in unserer Freizeitgestaltung, aber auch in unserem Berufs- und Schulleben. Man kommt ohne das Lesen und das gedruckte Wort nicht mehr aus. Früher galt es vielleicht noch als Privileg, des Lesens und Schreibens mächtig zu sein, aber spätestens mit dem Anfang der Industrialisierung wurde es zum Non plus ultra, zumindest wenn man einen minimalen Erfolg im Leben anstrebte.
Das Lesen und Schreiben wird heute als das grundlegendste Element des zivilisierten Lebens in der modernen Gesellschaft angesehen und ist das Wichtigste, das wir vorweisen müssen.

Das Medium

Doch abgesehen vom Wissen über die Entzifferung des Alphabets ist auch das Medium, das uns die geschriebene Botschaft übermittelt, sehr wichtig. Daher haben die Menschen lange nach dem perfekten Medium für die Verbreitung des Wortes gesucht. Dabei waren sie, je nach dem Entwicklungsstadium des wissenschaftlichen Verständnisses ihrer Kultur und Zeit, mehr oder weniger erfolgreich gewesen. Man fing mit dem Bemalen des Steines an und ging dann zur Benutzung von Leder und der Tabula Rasa über, bis man die Herstellung von Papyrus entwickelte. Daraus entwickelte sich später das industriell hergestellte Papier. Bis heute beherrscht das Papier die Lesergemeinde auf der ganzen Welt.
Doch die Entwicklung des Lesemediums hat sich weiterentwickelt. Mit dem Fortschritt der Computerchipentwicklung hat sich auch das Verständnis vom Buch verändert. Besonders nachdem sich das Internet als alltagstauglich erwiesen hatte, wurden neue Wege der Informationsübertragung beschritten. Plötzlich hatte jedes ernsthafte Unternehmen eine Homepage im World Wide Web eingerichtet und versorgte seine Kunden mit mehr oder weniger interessanten Mitteilungen und Informationen. Um diese Zeit erwachte auch die Diskussion um die Digitale Literatur. Man begann, seltene und klassische Bücher zu scannen und aktuelle Zeitungen und Zeitschriften gab es nun auch als elektronische Ausgabe. Heutzutage hat der Leser nun die Qual der Wahl zwischen einem sogenannten eBook, einem normalen Papierbuch und für ganz Wagemutige gibt es die Hörbücher.

Buch oder eBook ?

Allerdings bleibt dabei immer noch die Frage, ob diese Neuerungen sinnvoll sind und sich mit dem altbekannten Papierbuch vergleichen lassen. Jede Leseratte auf der Welt weiß um die Vorzüge des Papierbuches Bescheid, man muss sie daher hier nicht einzeln aufzählen. Je nach Inhalt, entweder man liebt sie oder man hasst sie.
Doch wie steht es um die neuen elektronischen Bücher, die sogenannten eBooks, wobei der Name an sich nicht nur den digitalen Text bezeichnet, sondern auch das Gerät zum Lesen dieser Texte. Ganz neu auf dem Markt ist das Gerät OYO, das bei der Buchhandlungskette Thalia verstärkt beworben wird. Ob das von Erfolg gekrönt ist, bleibt noch abzuwarten. Aber angelehnt an die Erfahrungen von Vorgängermodellen wird wohl der große Durchbruch noch auf sich warten lassen.
Die Lesefreudigen stehen vor den Ausstellungsgeräten, meist ältere Menschen, und wissen oft nicht, auf welche Knöpfe man drücken muss, um eines der Hunderten dort gespeicherten Bücher zu öffnen. Während man sich eingewöhnt und erstmal eine halbe Stunde am Gerät rumhantiert, wäre man wahrscheinlich mit dem ersten Kapitel des Papierbuches schon fertig.
Zugegeben: Die Geräte sehen schick aus, sprechen Technikbegeisterte besonders in der jüngeren Lesergemeinde an und lösen bei manch einem auch eine versteckte Sammelleidenschaft aus. Denn geworben wird hauptsächlich damit, dass man kostengünstig und platzsparend eine ganze Bibliothek in der Tasche mitnehmen kann. Es klingt zwar wunderbar, doch ist es wirklich so einfach?
Mal abgesehen von den Anschaffungskosten von meist ab 140 Euro aufwärts und der Eingewöhnungszeit, stellt sich heraus, dass die digitalen Daten des Buches annähernd genau so viel kosten wie ihre Papierausgaben. Da fragt man sich wirklich: will man für ein bis zwei MB des digitalen Textes zehn Euro ausgeben oder kauft man sich dafür lieber einen soliden dicken Taschenbuchschmöker?

Der Kunde

Die Meinungen beim Thema eBook und Papierbuch laufen weit auseinander. Die einen sagen: „Toll, ich finde solche technische Möglichkeiten super, die einem erlauben, ganze Bibliotheken in einem Gerät mitzunehmen. Da muss ich mich nicht entscheiden, welche Bücher ich mitnehmen soll, ich nehme sie halt alle mit.“
Die meisten der befragten Leser sind aber der Meinung, dass das Papierbuch nicht durch „irgendwelche elektronischen Lesegeräte“ ersetzt werden könne. „Wozu brauche ich eine Bibliothek, wenn ich nur ein Buch gleichzeitig lesen kann? Außerdem bedeutet für mich das Lesen eines Buches Entspannen und Abschalten meiner Umgebung. Für einige Zeit kann man sich nur auf die erzählte Geschichte konzentrieren. Irgendwelches technisches Spielzeug würde da nur stören. Da müsste ich neben dem Lesen noch das Gerät bedienen. Erstens lenkt es vom Lesen ab und zweitens strengt es mich auch zu sehr an. Da ist mir ein altmodisches Buch viel lieber.“ Mit dieser Meinung können sich wohl auch die meisten Vielleser identifizieren.

Obwohl sich die technischen Möglichkeiten im Bereich Literatur weit vorgewagt haben, wird sich das eBook wohl nicht so schnell etablieren können. Mal abgesehen von der Benutzerfreundlichkeit des eBooks und von seinen zugegeben vielen Vorteilen, bleibt es irgendwo doch nur eine Spielerei, der man früher oder später überdrüssig wird und sie stattdessen weglegt und zum normalen Buch greift. Denn neben dem Inhalt, auf den sich das eBook im Großen und Ganzen beschränkt, erwirbt man sich mit dem Buch einen Gegenstand, der ein bestimmtes Erlebnis verspricht. Wenn man ein Buch in die Hand nimmt, werden zahlreiche unserer Sinne angesprochen. Man kann das Buch sehen, fühlen, man hört das Umblättern der Seiten und man kann das Buch sogar riechen. Wer kennt ihn nicht, diesen typischen Geruch eines neuen Buches?

Das Fazit bleibt wohl bis heute noch so, dass das Papierbuch nicht ersetzbar ist und es noch lange so bleiben wird. Aber letzendlich bleibt es jedem selbst überlassen, welches Medium man für die tägliche Lektüre wählt.

Valentina Hock

Bookmark Tools
  • email
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Google Bookmarks
  • MisterWong
  • Digg
  • Netvibes
  • StumbleUpon
  • Add to favorites

Einen Kommentar schreiben