The Thomas Crown Affair: ein Kultfilm aus den Swinging Sixties


The Thomas Crown Affair, in der deutschen Synchronisation auch bekannt als Thomas Crown ist nicht zu fassen, ist eines der erfolgreichsten Heist-Movies der Filmgeschichte. Das bis dahin eher avantgardistische Mittel des Splitscreens erreichte in diesem Blockbuster voller Sex & Crime zum ersten Mal ein großes Publikum. Es geht hier um das Original aus dem Jahr 1968 mit Steve McQueen und Faye Dunaway in den Hauptrollen freilich, nicht das 90er-Jahre-Remake mit Pierce Brosnan und Rene Russo. Dieser Film ist Vintage, Kult, eine kleine Zeitreise in die Swinging Sixties, neben Bullitt sicher die coolste Titelrolle des King of Cool Steve McQueens, persönlicher Held Homer J. Simpsons und mit ihm einer ganzen Generation von Fans des Action-Genres der ersten Stunde.

Die erste Szene des Films: Ein dicklicher Mann im dunklen Trenchcoat geht einen Hotelflur entlang, er schaut sich vorsichtig um, sich vergewissernd, ob ihm auch niemand folgt. Knurrende, wabbelige Posaunen und geheimnisvolle Vibraphonklänge des Lalo-Schifrin-Scores verdeutlichen: Der Dicke ist in einer geheimen Mission unterwegs, ein Gangster, er trägt natürlich auch einen passenden Hut zum Trenchcoat. Er tritt in ein dunkles Zimmer, ein Mann sitzt bereits dort, nur ganz schemenhaft zu erkennen. Der Mann in dunklen Zimmer strahlt dem Dicken mit einer hellen Lampe direkt ins Gesicht. Auf diese Weise geblendet, bleiben die Umrisse des Sitzenden für den Neuankömmling weiterhin nur Schemen.

Der Mann im Sessel gibt dem verdutzt dreinblickenden Dicken mit tiefer, elektronisch verfremdeter Stimme genaue Anweisungen. Der dicke Mann im dunklen Trenchcoat wird der Fluchtfahrer eines minutiös geplanten Geldtransportüberfalls sein, die Bezahlung ist erstklassig, dafür hat er keine weiteren Fragen zu stellen, nachdem er zusagt, muss er den Raum umgehend verlassen. Dem aufmerksamen Zuschauer bleibt indessen alleine durch die rauhe, tiefe Stimme kaum verborgen, dass der geheimnisvolle, sehr wortkarge Mann im Schatten niemand anderes sein kann als Thomas Crown, eine Rolle, die Steve McQueen wie auf den Leib geschneidert wirkt.

Thomas Crown ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, Kosmopolit, Polospieler, Sportpilot, er fährt einen Rolls-Royce. Sein persönliches Büro ist holzvertäfelt, er trägt einen Maßanzug, der Ledersessel und der riesige Massivholzschreibtisch lassen keinen Zweifel daran zu: Dieser Mann ist ein Entscheider, ein Alphamännchen, der Chef persönlich.

Eigentlich ist er auf die Beute aus dem Überfall nicht im geringsten angewiesen, sein Unternehmen floriert, die Austattung in den Büroräumen sind auf dem neuesten Stand der späten 6oer, alles wirkt, dem Zeitgeist entsprechend, mit wissenschaftlicher Präzison geplant. Alles lässt sich planen, das suggeriert uns die aufwändige Technik und straffe Organisation in Crowns Zentrale, der überdimensionale Globus ist ein deutliches Symbol für Crowns Lust an der Kontrolle. Und doch ist er ein Spieler, jemand, dem die straffe Organisation eines (legalen) Unternehmens anscheindend öde und fad geworden ist. Er liebt den Reiz des Verbotenen, er braucht den Nervenkitzel, das Risiko. Und ein adäquates Risiko ist für Thomas Crown nur der ganz große Coup, ein Überfall mit einer Beute im Millionen-Dollar-Bereich.

Thomas Crown liebt zwar das Risiko, ist aber ein schlauer Fuchs, der den großen Raub so genau durchgeplant hat, dass mögliche Spuren von vorneherein nicht auf ihn zurückführen. Keiner der angeheuerten Gangster, die sich im Splitscreen ihrem Ziel nähern, weiß auch nur das geringste über die Indentität eines anderen Beteiligten. Crown steuert die Choreographie des Überfalls in auf die Sekunde abgestimmten Telefonaten zwischen seiner Zenrale und öffentlichen Telefonzellen.

Auf verschiedenen Wegen am Ziel angelangt, setzten sich die Gangster, die allesamt Sonnenbrillen und Hut tragen, mit ihren schalldämpferbewehrten Pistolen skrupellos gegen die Wachmänner des Geldtransportes durch und überwältigen auch die Kunden der Bank.

Dann verschwinden sie im Schutz einer Rauchgranate ebenso schnell, wie sie zuschlugen. Die Beute in Form von Säcken voller Dollarnoten wird vom dicklichen Fahrer, der den reisenden Vertreter im Kombi mimt, zu einem Friedhof gebracht und in einem Mülleimer deponiert, der in bester Agentenfilmmanier als blinder Briefkasten fungiert. Der Dicke in der Holzimitat-Chevrolet-Karosse verschwindet, Crown erscheint im Rolls, steigt lässig aus dem Wagen, holt die Beute aus dem Versteck. Er fährt nach Hause in seine Prachtvilla, lässt den Butler für den Rest des Tages seine Ruhe, schenkt sich aus der edlen Minibar einen Drink mit eisgekühltem Sodawasser. Schließlich prostet er sich selbst im Spiegel zu und lacht das dreckigste Lachen, das ein Gangster lachen kann, während er sich lässig auf die Couch setzt, um eine Sieger-Zigarre zu schmauchen und seinen privaten Triumph zu feiern.

Die Polizei, angeführt von Paul Burke als Detective Lt. Edward ‘Eddy’ Malone, tappt lange im Dunklen, Thomas Crown hat zu gründlich gearbeitet. Erst als sie die charmante raffinierte Versicherungsagentin Vicki Anderson, gespielt von Faye Dunaway hinzuzieht, kommt allmählich etwas Licht ins Dunkle. Andersons Intuition und brilliante psychologische Recherche führt sie auf die richtige Fährte, schon bald verdächtigt sie Thomas Crown als den Strippenzieher des Überfalls. Einige Verwicklungen treiben Crown zusehends in die Enge, er soll in eine sichere Falle gelockt werden. Ein kompliziertes Katz und Maus-Spiel beginnt, in dessen Verlauf sich Crown und Anderson in eine Affäre stürzen, sich ein erotisches Schachduell liefern und mit dem bis dahin längsten Kuss der Filmgeschichte so manches puritanische Gemüt erhitzten.

Die zeitgenössische Kritik warf dem Film einen Mangel an Moral vor, es siege doch schlussendlich der schnöde Mammon über die Liebe. Der Erfolg des Films aber spricht für sich selbst, Generationen von übereifrigen Kritikern nehmen The Thomas Crown Affair nichts von seinem Charme.

Thimo N. Etzkorn

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