Markt und Straßen steh’n verlassen…?

Quelle: jodo


… in diesem Punkt hätte Joseph von Eichendorff heute unrecht. In jeder Stadt, so auch in Karlsruhe, locken Weihnachtsmärkte die Bevölkerung zur Vorweihnachtszeit hinter dem Ofen hervor und hinein in ihre duftenden und funkelnden Kulissen. Wenn sich jedoch zum Klang von Weihnachtsliedern allerlei gewandete Gestalten durch das Markttreiben bewegen, die nicht in unsere Zeit zu gehören scheinen, befinden wir uns auf dem Durlacher Mittelalterlichen Weihnachtsmarkt. Direkt vor der Kulisse der Karlsburg gelegen, besticht dieser durch sein außergewöhnliches Ambiente.

In früheren Zeiten deckte man sich auf den vorweihnachtlichen Märkten mit Lebensmitteln und Gütern für den Winter ein. Heute finden interessierte Besucher auf dem Durlacher Weihnachtsmarkt vor allem Geschenkideen: Kunsthandwerk, Schmuck, Holzspielzeug oder Seifen werden hier angeboten. Daneben wird auch für das leibliche Wohl gesorgt. Neben Glühwein und Crêpes gibt es auch mittelalterliche Spezialitäten wie Met und Fladenbrot für die zahlreichen Gäste.

Organisation

“Wir erwarten so um die 20.000 Besucher”, meint Petra Lindig, die gemeinsam mit ihrem Sohn Benjamin das Projekt ‘Weihnachtsmarkt’ organisiert. Für einen reibungslosen Ablauf sorgt vor allem der frühe Planungsbeginn: Bereits im Februar wurde mit den ersten Organisationsschritten des fünfköpfigen Planungsteams begonnen. “Jeder ist für einen anderen Teil der Planung zuständig und macht das, was er am Besten kann”, erklärt Petra Lindig. Heraus kommt ein fröhliches und buntes Fest, das die gesamte Familie begeistert.

Entstehung des Marktes

Dabei war der Anlass zur Gründung des Weihnachtsmarktes eigentlich alles andere als glücklich: Nachdem im Jahr 2002 eine verheerende Flutkatastrophe das Partnerland Baden-Württembergs, Sachsen, getroffen hatte, organisierte eine Privatinitiative einen Markt, um zu helfen. Die Betroffenen sollten Geld verdienen können, um ihre Region wieder aufzubauen. Die Arbeitsgemeinschaft Durlacher und Auer Vereine e.V. (ARGE) veranstaltete so im Oktober 2002 den sogenannten Sachsenmarkt und weil dieser großen Anklang in der Bevölkerung fand, bereits im selben Jahr auch einen Weihnachtsmarkt.

Dieser wurde in den Folgejahren immer mehr zu einem mittelalterlichen Markt umgestaltet und zog 2005 vom Standort Saumarkt vor die Karlsburg. Mit Einbeziehung der umliegenden Vereine ab dem Jahr 2007 wurde der Durlacher Mittelalterliche Weihnachtsmarkt immer mehr zu einer Attraktion der ‘Weihnachtsstadt Karlsruhe’.

Vielseitiges Programm

Und das Programm ist wahrlich nicht zu verachten: Gaukler, Spielleute und eine Märchenerzählerin beleben den mittelalterlichen Weihnachtsmarkt, während auf dem Platz vor der Karlsburg – im Schein von Kerzen und Lagerfeuern – Gruppen und Vereine der Umgebung auftreten. So zum Beispiel auch die Tänzer von Stutenpferchs Tandaradey, einer Abteilung des Heimatvereins Stupferich, die in diesem Jahr am dritten Adventssonntag wieder zu sehen sein werden.

Quelle: Heimatverein Stupferich

Offizell eröffnet wird der Durlacher Mittelalterliche Weihnachtsmarkt am 26.11.2010 ab 18.30 Uhr mit Ortsvorsteherin Alexandra Ries und Carsten Spelter von der ARGE. Musikalisch begleitet werden sie vom Matura Brass Quintett des Musikverein ‘Einheit’ Wolfartsweiher und dem jungen Violinisten Lucas Wecker, bekannt aus der RTL-Show Das Supertalent. Danach zeigen die Feuerkünstler von Acrobatis Pyrum ihr Können.

Auch einige Schulen und Kindertagesstätten beteiligen sich mit stimmungsvollen Programmpunkten an der Gestaltung des Marktes. Natürlich wird auch der Nikolaus den Markt am sechsten Dezember besuchen.

An den Donnerstagen, dem zweiten, neunten und sechzehnten Dezember, spielen zudem in den Abendstunden wechselnde Livebands.

Lebendiges Mittelalter

Besonders interessant macht den Markt jedoch, dass er einen Eindruck von mittelalterlichem Leben und Handwerkskunst vermittelt. So finden sich auf dem Gelände der Brotbäcker, der seine Ware auf traditionelle Weise herstellt, oder die Saubraterei, die am zweiten und dritten Wochenende des Marktes ein Schwein am offenen Feuer grillt.

Schon als feste Institution kann der Schießstand des Bogenbauers Manfred Jenz, genannt Gigi angesehen werden. Der gelernte Schreiner und Bau-Restaurator hat sich im Selbststudium mit historischer Handwerkskunst beschäftigt und ist mit seinen kunstvollen Bögen mittlerweile auf historischen Märkten und Festen in ganz Deutschland, aber auch in Luxemburg, Frankreich, der Schweiz und Österreich anzutreffen. Auf dem Durlacher Markt kann man ihm bei der Arbeit über die Schulter schauen und auch selbst einmal einen Bogen ausprobieren. Und bekommt dabei noch wertvolle Tipps: “Ein echter Mittelalter-Verrückter”, lacht Petra Lindig und ergänzt: “Er weiß nahezu alles über sein Fachgebiet und redet auch sehr gerne darüber.”

Neben den Waffen aus Holz finden sich jedoch auch Waffen aus Eisen auf dem Durlacher Mittelalterlichen Weihnachtsmarkt: die Badischen Schwertspieler zeigen die militärische Seite des Mittelalters. In selbst hergestellter Gewandung, mit zum Teil eigens gefertigten Waffen, liefern sie sich vor der historischen Kulisse spannende Schaukämpfe. Auch das Lagerleben und die Waffen der Ritterzeit kann sich ein interessierter Besucher bei dieser Gruppe zeigen und erklären lassen.

Gewandung nennt man die Kostüme der Mittelalter-Darsteller. Dies zeigt an, dass es nicht nur um das bloße ‘Verkleiden’ geht, sondern gleichzeitig auch eine bestimmte Rolle verkörpert wird. Diese Form des Kostümspiels nennt man Reenactment.

Das täglich wechselnde Bild des Durlacher Mittelalterlichen Weihnachtsmarktes ist mehr als einen Besuch wert. Was sich die Veranstalter am meisten für die kommenden Wochen wünschen? “Schönes Wetter! Kalt, trocken – richtiges Glühweinwetter eben”, schließt Petra Lindig.

Anfahrt:
Mit der Straßenbahn Linie 1, direkt an der Haltestelle Schlossplatz
Valerie Boda

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Eine Reaktion zu “Markt und Straßen steh’n verlassen…?”

  1. Willi

    In dem Text sind zu viele Links. Da nervt, dafür ist der abschließende Kasten da! Weihnachtsmarkt in KA kannste eh vergessen. Viel zu warm, zu wenig Schnee (wenn überhaupt) und Durlach(?)…bitte.

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