Wohnungs- und Zimmersuche in Karlsruhe

Häuserwand (Foto: Quelle)

Es wird telefoniert bis einem die Ohren abfallen, etliche Kilometer zurück gelegt, tausende Stufen erklommen, geschleimt was das Zeug hält, gemogelt und getrickst wo es nur geht. Wonach klingt das nur? Nach einem Versicherungsvertreter? Nein, es klingt nach Wohnungssuche in Karlsruhe! Vermutlich jeder, der jemals ein Zimmer oder eine Wohnung hier gesucht hat, kennt diese Situation, denn der Wohnungsmarkt in dieser Stadt ist hart umkämpft.

Momentan hat die Stadt Karlsruhe mit ihren knapp 280.000 Einwohnern acht Hochschulen mit insgesamt etwas über 30.000 Studierenden – Tendenz steigend. Jedes Wintersemester wird die Stadt von einer neuen Welle von Wohnungs-, beziehungsweise Zimmersuchenden überschwemmt, die lle möglichst nahe zum Zentrum wohnen wollen. Zu den Tausenden von Studenten kommen noch alle anderen Gruppen von Menschen, welche nach Karlsruhe ziehen, sei es aus wirtschaftlichen oder persönlichen Gründen.
Freie Wohnungen und Zimmer sind hier in karlsruhe allerdings sehr knapp und es gibt einige Mythen darüber, welche Gruppen von Leuten denn nun bei der Zimmer- und Wohnungssuche von potentiellen WGs und Vermietern bevorzugt werden. KA.mpus hat sich daher vier Fragen herausgepickt und sich mittels einer kleinen Umfrage etwas umgehört.


Mythos 1: Frauen kriegen eher ein Zimmer als Männer.

Mary und Venus (Foto: Quelle)

Oft wird diskutiert, ob Frauen oder eher Männer bei der Wohnungs- und Zimmersuche tatsächlich bevorzugt werden. Sei dies wegen dem Vorurteil, Frauen seien ordentlicher und ruhiger als Männer, dass die Damen den Herren schon aufgrund ihrer körperlichen Ausstattung den Kopf verdrehen können oder auch der landläufigen Gegenmeinung, Männer wären viel umgänglicher und entspannter als Frauen, auch in Bezug auf Ordnung und Hygiene.

Nach zahllosen geführten Gesprächen mit allen Alters- und Beschäftigungsgruppen Karlsruhes bezüglich der Frage Wen würden Sie eher bei sich einziehen lassen? besteht Grund zur Hoffnung: Den meisten ist es tatsächlich ziemlich egal, welches Geschlecht der zukünftige Mitbewohner hat. Hier ist immer noch der Charakter ausschlaggebend für die Wahl.

Mythos 2: Berufstätige werden gegenüber Studenten bevorzugt.

Geld (Foto: Quelle)

Studenten sind faul, chaotisch, feiern laufend laute Partys, trinken viel zu viel und zahlen die Miete nur unregelmäßig – besagt zumindest das Klischee. Ob das nun tatsächlich stimmt ist eine andere Frage. Hier soll viel mehr geklärt werden, ob Haupt- und Vermieter von dieser Meinung beeinflusst sind.

Das Ergebnis unserer Umfrage zu diesem Thema fällt für Studenten positiv aus: Der Großteil der befragten sprach sich für Studenten aus. Hierbei muss aber beachtet werden, dassviele der Umfrageteilnehmer unter 25 waren, wie es auch der Großteil aller Studenten ist. Somit kann davon ausgegangen werden, dass in diesem Fall das Motto gilt: Gleich sucht Gleich gilt. „Wenn ich mit jemandem zusammenwohne, der ungefähr so alt ist wie ich und ungefähr das Gleiche macht, passen die Denkweise und die Interessen viel besser zusammen. Das ist dann einfach unkomplizierter“, meint Alex, Student an der FH Karlsruhe. Allerdings sollten auch Berufstätige nicht entmutigt sein. Denn genauso vielen Befragten wäre die Beschäftigung vollkommen egal gewesen. Auch hier gilt derselbe Grundsatz wie bei Mythos 1: Auf die Person kommt es an!

Mythos 3: An WGs wird weniger gern vermittelt als an Pärchen oder Familien.

WGs bestehen allgemein aus vielen jungen Leuten und vor allem in Karlsruhe meist aus Studenten. Die Klischees zu deren Lebenswandel wurden oben bereits erklärt. Das Spezielle von WGs ist weiterhin – laut Klischee – dass mit den Wohnungen nicht sehr gut umgegangen wird, es ziehen laufend Leute ein und aus und somit ist die Bleibe bald abgewohnt und entweder zu niedrigeren Preisen zu vermieten oder teuer zu renovieren. Auch in Wohnungsanzeigen wird oft angegeben, dass Pärchen bevorzugt sind. Aber wie sieht es nun aus, wird eher an Familien und Pärchen vermietet oder mehr an Studenten?

Kinderzeichnung (Foto: Quelle)

Dem überwiegenden Teil unserer Befragten war es egal, welchen Status die neuen Mieter haben. Lediglich eine kleine Tendenz zu Pärchen und Familien war festzustellen. Ein wenig Familienfreundlichkeit hat sich Deutschland offensichtlich bewahrt.
Die Entscheidung ob WG oder Familie kann aber auch stadtteilbedingt sein. Beispielsweise kann man in der Karlsruher Oststadt an vielen Stellen beobachten, dass die einzelnen Parteien der Mietshäuser mittlerweile fast ausschließlich aus WGs bestehen, während es noch vor ein paar Jahren vorwiegend Familien waren. Das mag mit den wachsenden Studierendenzahlen Karlsruhes zusammenhängen oder mit der Tatsache, dass die Vermieter mit größeren Wohngemeinschaften die Monatsmieten höher ansetzen können. Hier bestimmt das Angebot-Nachfrage-Prinzip den Preis. Auch aus der Sichtweise der Vermieter sind Studenten gerade wegen ihrer Ruhe beliebt. “Mit Studenten hab ich eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht. Unter der Woche lernen die ja meistens und am Wochenende fahren viele ja nach Hause. Also gerade mit der Lautstärke gabs bei uns eigentlich nie Probleme. Mit dem Geld hat das bisher auch immer gepasst. Viele arbeiten ja entweder selber oder die Eltern bürgen für sie”, so eine Vermieterin. Innerhalb Karlsruhes ist dieser Mythos demnach widerlegt.
In den Vororten hingegen trifft man mehr Familien und ältere Menschen. Dies hängt zum einen mit der Wohnlage zusammen: Die Personengruppen, welche den Wohnungsmarkt fluten (hauptsächlich also junge Menschen wie eben Studenten und Azubis) haben oft nicht die Möglichkeit, jeden Tag weit zu pendeln. Zum anderen ist es aufgrund des Ausbleibens des Stadtlärms für Familien und ältere Menschen deutlich angenehmer.

Mythos 4: Ausländer haben es schwerer bei der Wohnungs- und Zimmersuche.

Pass (Foto: Quelle)

Gut 14 % der etwas mehr als 280.000 Einwohner der Stadt Karlsruhe sind nicht-deutscher Herkunft, das sind circa 40.000 Einwohner. Gerade jetzt, wo die Diskussion um Rassismus in der Gesellschaft wieder aktuell ist, stellt sich natürlich die Frage, wie deren Situation am Wohnungsmarkt ist. Wie die gerade in diesem Jahr erschienene Studie Die Mitte in der Krise. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2010 der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt, sind rechtsextreme und rassistische Tendenzen in allen Alters- und Gesellschaftsgruppen Deutschlands vertreten. Eine weitere Studie der Uni Köln von 2006 zeigt, dass bei der Wohnungssuche deutsche Bewerber ausländischen Bewerbern gegenüber klar bevorzugt werden.
Bei unserer Umfrage ergab sich ein Ergebnis von 1:1. Der einen Hälfte war die Nationalität des zukünftigen Mieters/Mitbewohners egal, die andere Hälfte gab zu, bestimmten Nationalitäten gegenüber abgeneigt zu sein. Gründe dafür waren oft Angst vor kulturellen oder mentalitätsbedingten Konflikten, schlechte Erfahrungen mit solchen Konflikten (das aber eher selten) oder einfach ein ungutes Bauchgefühl. Man sieht: Ängste, Unsicherheit und mediale Beeinflussung zeigen ihre Wirkung. Den Stadtpunkt „Nationalität ist egal. Charakter, das ist wirklich wichtig!“, wie ihn beispielsweise Anastasia, EUKLID-Studentin an der Uni Karlsruhe vertritt, haben leider nicht alle.

Zu beachten ist hierbei, dass das Alter bei rassistischen Tendenzen eine große Rolle spielt (mit steigendem Alter wachsen auch die rassistischen Ansichten). Da die meisten der Befragten unter 25 waren, hielt sich die Ablehnung von nicht-deutschen Mitbewohnern in Grenzen. Allerdings bedeutet es einen großen Unterschied, bei einer Befragung eine Antwort zu geben und das Gesagte dann wirklich auszuführen (dies betrifft natürlich auch die anderen Punkte dieses Artikels). Dies zeigen auch die Erfahrungen vieler Ausländer bei der Wohnungssuche. Demnach ist es nämlich doch ziemlich schwer in eine bestehende WG neu einzuziehen und auch bei der Wohnungssuche gehört eine Menge Glück dazu. So finden die meisten erst über Bekannte und Freunde eine Bleibe und gründen später eigene WGs. Somit kann aus den Erfahrungsberichten und den vielen verschiedenen Statistiken geschlossen werden, dass dieser Mythos leider wahr ist.
Eine weitere Rolle bei der Wohnungssuche spielt auch, ob diese über den Hauseigentümer oder –verwalter direkt geschieht oder über einen Makler. Laut der Studie der Uni Köln bewerten Eigentümer und Verwalter wesentlich strenger als Makler – ganz nach dem Motto Money makes the world go on.

Letztendlich …

Alles in allem muss gesagt werden, dass unsere Umfrage noch relativ klein war und zu einem Großteil junge Menschen unter 25 Jahren daran teilgenommen haben. Ob sie also wirklich repräsentativ für alle Haupt- und Vermieter in ganz Karlsruhe und Umgebung ist, bleibt offen. Jedoch gibt sie einen Einblick in die allgemeine Situation der Wohnungs- und Zimmersuchenden. Für die meisten gilt zwar Der Charakter zählt! – aber leider eben nicht für alle.

Sophie Penseler

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