Unmade Beds aka London Nights

Der britische Independent-Film „Unmade Beds“ (Release in Deutschland: 12. August) sorgte hierzulande kaum für Gesprächsstoff – zumindest nicht in der breiten Öffentlichkeit, denn wie es für Filme dieser Sorte üblich ist, landete er lediglich in den Vorführsälen einiger ausgewählter, weil geschmackvoll geleiteter, Kinos.

Wer den Regisseur Alexis dos Santos (Glue) oder auch die Darsteller, u. a. Déborah Francois (C’est la vie), Fernando Tielve (Pans Labyrinth) oder Michiel Huisman (The young Victoria) nicht kennt, der sei beruhigt: er / sie ist nicht alleine. Dos Santos war bisher meist in Spanien und Argentinien aktiv, genau wie auch das Gros seiner Schauspieler bis dato fast nur in Spanien, Frankreich oder Holland arbeitete. Die Akteure sind obendrein zum Teil noch sehr jung, was dem Film gut tut, da er frische cineastische Elemente mit frischen Gesichtern verbindet – und sich so keiner Erwartungshaltung seitens des Zuschauers preisgibt, der den Film vollkommen unvoreingenommen genießen kann.

Der Plot

Genießen ist wirklich das richtige Wort, da der Film vor allem zeigt, wie sich junge Menschen aus verschiedenen Ländern im Großstadtmoloch London ihren Weg bahnen, das Leben genießen, ihre Ziele verfolgen und Stück für Stück ihre Lektionen lernen und erwachsen werden. Zentrale Person des Films ist Axl, Sohn einer Spanierin und eines Engländers, der in London auf der Suche nach seinem Vater ist, aber gleichzeitig immer stärker in eine unabhängig und freigeistig lebende Wohn- und Lebensgemeinschaft einsteigt, die vorerst nicht mehr vom Leben wollen, als Musik machen, Musik hören, Abende genießen, Abenteuer erleben. Innerhalb dieses Settings ergeben sich herrliche Szenen der Ausgelassenheit – sei es erotisch oder unterhaltend. So lernt Axl auf einem Dreh für einen Videoclip, der zu einer Kostümparty ausartet, auch eine junge Französin kennen: Vera. Er wird sie später nur als Elch in Erinnerung behalten, doch das zählt nicht, weil es hier wie in vielen Szenen des Films einfach nur darum geht, den Moment zu erleben und ihn in vollen Zügen zu genießen.

Vielschichtig und tiefgängig

Axls Suche nach seinem Vater begleitet den Zuschauer über den ganzen Film hinweg, doch dos Santos legt bewusst nicht den Fokus auf diese Storyline, sondern öffnet gekonnt parallel noch andere und führt den Zuschauer mit faszinierender Sicherheit auf allen Wegen gleichzeitig, ohne dass dieser sich dessen bewusst wird. Unterlegt mit zu jeder Szene sehr passend ausgewählter Musik und Bildern, die mehr sagen als tausend Worte – was nicht zuletzt an der schauspielerischen Leistung der Protagonisten liegt – führt der Film durch verschiedene Bereiche der sogenannten ‚coming of age‘-Phase. Wer stimmungs- und gefühlvolle Filme mag, den Gedanken und Ideen der Indie-Szene nicht vollkommen ablehnend gegenüber steht und sich möglicherweise selbst in einem ähnlichen Lebensabschnitt befindet, der MUSS diesen Film fast schon sehen. Wer allerdings Probleme mit (auch bi-)sexuellen, jedoch zugleich hoch erotischen Szenen hat, dem sei von Unmade Beds abgeraten.

Für weitere Infos: http://www.imdb.com/title/tt0997263/ und http://www.indiemoviesonline.com/unmade-beds/
Florian Kohl

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2 Reaktionen zu “Unmade Beds aka London Nights”

  1. Patrick

    Lief in der Schauburg bereits diesen Januar (oder Februar) in der Sneak Preview. Herrlich warmer Film der einen mit einem guten Gefühl wieder in die Kälte des Alltags entlässt. Außerdem für mich eine der gelungensten Sex-Szenen in einem Film überhaupt. Etwas komisch find ich hier im Artikel den starken Fokus auf Axl, für mich war die Vera-Storyline wesentlich wichtiger und besser.

    Wieso der viel bessere Titel “unmade beds” fallen gelassen wurde weiß wohl auch kein Mensch :-)

  2. S

    Geiler Film, danke für die Rezension! Hab ihn irgendwie verpasst…

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