Raub im Urlaub

Erschöpft aber glücklich verlassen drei 19-jährige deutsche Urlauber den Flughafen in Stuttgart. Sie haben die Heimreise aus Lloret de Mar hinter sich, eine Woche Urlaub in einer der Partyhochburgen Spaniens. Einiges an Geld haben sie dort gelassen, aber dieses Mal war es freiwillig. Vor genau einem Jahr lief der geplante Partyurlaub der drei jungen Männer noch ganz anders ab.

Es war im Sommer 2009, als sich Fabian B., Niko M. und Maximilian D. (Namen von der Redaktion geändert) für ihren Urlaub in Palma de Mallorca -El Arenal- vorbereiteten. Die unlängst verübten Terroranschläge der ETA trübten ein wenig die Vorfreude auf den ersten gemeinsamen Männerurlaub. Doch mit dem tatsächlichen Ausgang des Urlaubes rechnete zu diesem Zeitpunkt noch niemand.


Stadtansicht von Palma de Mallorca
(Quelle)

Wie im Film…

“Es passierte gleich am ersten Abend und lief ab wie in einem Film”, erzählt Fabian heute. “Wir waren gerade angekommen, es war Abend und wir waren erschöpft von der Anreise. Wir wollten nur noch schnell ein bisschen an den Strand und erste Eindrücke sammeln. Aber so weit kam es dann gar nicht erst.” Eigentlich redet Fabian nicht mehr so gerne über das, was vor einem Jahr passierte. Aber heute lässt er alles noch einmal Revue passieren.

Die drei liefen gerade einmal ein paar Minuten, hatten ihr Gepäck kurz im Hotel abgegeben und noch nicht einmal in die Zimmer eingecheckt. Sie bogen in eine dunkle Gasse ein und sahen drei Männer dort stehen, die ihnen ziemlich suspekt schienen. Ohne groß darüber zu reden wollten sie umdrehen, aber es war schon zu spät: Auch hinter ihnen waren bereits einige Männer aufgetaucht, es gab keinen Ausweg mehr. Die Männer redeten Englisch und Spanisch und schienen Einheimische zu sein. Sie kreisten die drei Partyurlauber ein und forderten “Money!”. Aber so ganz ohne Gegenwehr wollten diese ihre Wertgegenstände nicht hergeben. Als die ersten Hiebe fielen, wehrten sie sich so gut es ging. “Aber die waren einfach in der Überzahl. Da hatte man keine Chance.” erzählt Fabian. Hätten sie sich nicht gewehrt, wäre es vielleicht nie zu Gewalt gekommen. “Aber wir haben es einfach nicht eingesehen, ihnen einfach so unser Geld zu geben.” erinnert sich Fabian ein wenig stolz. Geld hatten sie zum Glück nicht allzu viel dabei. Aber geschont wurde niemand.

“Dieses Bild trifft es ziemlich gut, auch wenn es nicht genau die besagte Gasse ist”, so Fabian.

Am Ende lagen sie auf dem Boden, die Brille kaputt, das Geld weg, die Handys, der Hotelzimmerschlüssel… Vor allem Niko hatte es bei dem Kampf heftig erwischt. Mit einer tiefen offenen Wunde am Kinn brachten ihn seine Freunde ins Krankenhaus. Die Wunde wurde genäht, Niko vier Tage dabehalten. “Er hat kein Wort verstanden, die Ärzte haben nur mit Nadeln rumgewedelt und was auf Spanisch gesagt”, erinnert sich Fabian. Also blieb Niko eben, ungwissend, bis er schließlich entlassen wurde. Aber der Rest des Urlaubs konnte nicht mehr genossen werden. “Wir waren nur noch Tags über am Strand, feiern waren wir kein einziges Mal. Das war kein gutes Gefühl, wir haben schließlich jeden Tag am Strand Flyer bekommen und gesehen, welcher Star heute wo auftritt.” Aber so ein Ereignis prägt eben, und so haben die drei Abends das Hotel nicht mehr verlassen. Den Eltern zu Hause wurde, um ihre Nerven zu schonen, erst einmal nichts erzählt, bis der Urlaub vorbei war.

Ein Einzelfall?

Wie sich im Laufe des Urlaubs herausstellte, sind diese Vorkommnisse keine Einzelfälle. Nur wenige Tage nach dem Vorfall trafen die drei deutschen Urlauber in ihrem Hotel auf eine weitere Gruppe männlicher Gäste der Insel. Auch sie wurden überfallen und gewalttätig ausgeraubt. Die Polizei nimmt in diesen Fällen zwar Anzeigen auf, nimmt den Betroffenen im gleichen Atemzug jedoch auch schon jede Hoffnung auf eine Klärung des Falls. “Die sagen, dass sie schon seit Jahren gegen solche Verbrechen vorgehen. Aber eine Anzeige würde nichts bringen. Eigentlich hat die ganze Polizei dort total überfordert gewirkt mit dem Problem der Kriminalität”, erinnert sich Fabian. Nützlich kann ein Anzeigenprotokoll jedoch eventuell später sein, um es bei Versicherungen oder Passbehörden vorzulegen. Und ja, wenigstens hat die Versicherung im Nachhinein mitgespielt. Da Gewalt mit im Spiel war, es sich also um Raub und keinen Diebstahl handelte, wurden die Wertsachen ersetzt.

Wichtig:

Der allgemeine Notruf ist mittlerweile in allen europäischen Ländern mit
112
zu erreichen. Es wird deutsch gesprochen und man erreicht damit sowohl Polizei und Notarzt als auch Feuerwehr.

Die offizielle Seite

Wenn man bei offiziellen Stellen nachfragt heißt es meist, es gäbe keinen Grund zur Sorge, in Palma würde man keinen Anstieg der Kriminalitätsrate bemerken. Mallorca gelte als relativ friedlich. Nur durch inoffizielle Angaben erfährt man, dass sich vor allem auf der Vergnügungsmeile der Playa de Palma eine Unterwelt mit immer großerem Ausmaß entwickelt. Organisierte Banden machen die Straßen nachts zu einem unsicheren Pflaster, sodass man als Urlauber auf alle Fälle seine Naivität ausschalten sollte.

Nützliche Tipps für einen möglichst sicheren Urlaub gibt es in einer Infobroschüre der Polizei.

Nachwirkungen?

Der Urlaub 2009 war nach dem Raub ungenießbar geworden. Und heute? Auch wenn die drei Jungs bei ihren Erzählungen oft gewitzelt haben, spurlos ging dieses Erlebnis sicher nicht an ihnen vorbei. Nochmal Urlaub in Mallorca? Niemals. Immerhin lief dieses Mal in Lloret de Mar – ohne ungewollte Zwischenfälle – alles rund.

Stephanie Buck

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