Ohne Strand, dafür mit viel Rhein

Wenn die Tage wieder kürzer werden und morgens noch der Nebel über auf dem Boden hängt, dann weiß man: Ab jetzt sind die schönen Tage rar gesät. Und warme Tage wird es erst recht nicht mehr viele geben – der Winter steht bevor.


Einzig die ganz Hartgesottenen denken da noch an einen Ausflug ins Freibad und in den Augen der meisten ist es wohl ein Spleen der Rentner, bei eher ungemütlichen Temperaturen ins Wasser zu steigen. Zugegeben, man braucht schon ein robustes Immunsystem, um sich bei einem solchen Spaß keine Erkältung zuzuziehen, aber: Die allseits beliebten Freibäder eignen sich ja zu weit mehr als zu einem Badeausflug.
Das trifft vor allem dann zu, wenn sie mehr bieten als nur die Aneinanderreihung von Schwimmbecken zuzüglich obligatorischer Liegewiese. Glücklicherweise kann die Stadt Karlsruhe mit einem solchen Bilderbuchfreibad aufwarten: das Rheinstrandbad am Rande des Stadtteils Rappenwört. Direkt am Rhein gelegen ist es mit optimalen Voraussetzungen gesegnet, die hier eine geschickte Nutzung erfahren.

Malerische Lage und Ausgestaltung

Denn das Rheinstrandbad (gerne auch mal Rappenwörtbad genannt, jedoch nicht mit dem ehemaligen Rheinhafenbad, das inzwischen in Sonnenbad umbenannt wurde, zu verwechseln), ist in der Region eines der wenigen seiner Art, die auch außerhalb der Saison dem Besucher ihre Pforten öffnen – zum flanieren, um der sportlichen Betätigung Willen oder zum Entspannen auf der Wiese. All das würde natürlich nicht so gut ankommen, wenn da nicht die Liegewiese einem Park ähnlich mit großen, alten Bäumen gesäumt wäre und sich der Fußweg nicht so verspielt hindurchschlängeln würde. Sogar Sitzbänke gibt es, von denen aus es sich mit Blick auf den Rhein wunderbar entspannen und Tagträumen nachhängen lässt. Besagte Bänke stehen auf einer Art kleinem Damm, der auf der kompletten Länge mit ausgewachsenen Pappeln bepflanzt ist und einen kleinen See vom Rhein abtrennt.
Auf ganz besonders viel Zuspruch trifft das vermutlich inbesondere bei jenen, die den in den Sommermonaten herrschenden Trubel nicht so sehr mögen. Denn die Becken und Rutschen des Freibads, die in den Zeiten schweißtreibender Temperaturen für den regen Menschenverkehr verantwortlich sind, sind außerhalb der Saison natürlich geschlossen.

Ortstermin

Mitte September an einem Donnerstagmorgen im Rappenwörtbad: Hier und da tummeln sich Spaziergänger – vorzugsweise nach altersgehobener Mode gekleidet. Kaum ein Ton ist zu vernehmen, still und gedankenversunken drehen sie ihre Runden über das Grün. Das Wetter ist eigentlich gar nicht so schlecht, die Sonne lässt von Zeit zu Zeit die sich langsam entkleidenden Bäume, die bald noch aufwendiger gekleideten Menschen und die wenigen Tiere (die es ihrerseits wohl mit dem Kleidungsverhalten der Menschen halten) die verminderte und trotzdem wohltuende Kraft ihrer Strahlen spüren – wohl dem, der sie zu genießen weiß. Leider scheint sich auch der Wind von der beschwingenden Stimmung anstecken zu lassen, jedenfalls pustet er fröhlich aus wechselnden Richtungen und umspielt die Spaziergänger mitunter mit sehr kühler Luft.

Der Rhein – Lebensquell und Ruhepol in einem

In den Frühlings-, Herbst- und Wintermonaten gleicht das Rheinstrandbad tatsächlich eher einem Park – mit dem Unterschied, dass hier noch das belebende und zugleich auch beruhigende Element des Wassers das Bild und die Wahrnehmung aufpeppen. Das ist ein gar nicht so unerheblicher Bonus, schließlich ist Karlsruhe zwar am längsten Fluss Deutschlands erbaut, aber im Gegensatz zu etwa Köln, Bonn oder Düsseldorf erfährt der Fluss hier keinerlei Integration ins Stadtbild. Wo andernorts das Flanieren auf den Uferpromenaden zum Selbstverständnis der Stadt gehört, kann es in Karlsruhe passieren, dass man nach vier Jahren Studium kein einziges Mal am Rhein gewesen ist. Dabei haben sowohl Anblick als auch Geräuschpegel eine besänftigende Wirkung. Der Rhein als der deutsche Fluss schlechthin, sagenumwoben und ‘voller’ Mythen: in seinem Dahinfließen führt er ein ganzes Arsenal kulturgeschichtlicher Erzählungen mit sich. Von Heines „schönem Strome“ und dem Rhein der Romantiker bis hin zu den Konnotationen im Kontext des Nationalsozialismus – im kulturellen Gedächtnis tief verankert tauchen derlei Bilder zumeist unbewusst vor unserem inneren Auge auf, wenn wir uns in den Anblick seines Fließens hineinversenken.

Das Ass im Ärmel

Wen alles bisher Gesagte kalt lässt, den kann vielleicht überzeugen, dass das Rheinstrandbad im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Park zudem über zahlreiche Sportanlagen verfügt: Ob man nun Tischtennis, Fußball, Volleyball oder Boule spielen möchte – sogar eine Minigolfanlage steht bereit. Einzig die Lage erschwert das Ganze ein wenig: Mit der Straßenbahn Nummer 6 muss man bis zur Endhaltestelle Rappenwört fahren – für viele Studenten aus der Oststadt ein weiter Weg um ein bisschen zu ‘spazieren’.

Florian Kohl

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