Naherholung: Der Battert in Baden-Baden


Hoch über Baden-Baden, zwischen der Burgruine Hohenbaden und der Gemeinde Ebersteinburg, thront der majestätische Battert-Felsen. Ein einzigartiges Naturdenkmal, umgeben von einem Bannwald, ist diese Felslandschaft zugleich ein artenreiches Habitat für viele seltene Tier- und Pflanzenarten und ein beliebtes Ziel für Wanderer und Kletterer.

Die Battert-Felswand entstand vor etwa 35 Millionen Jahren, als ältere Gesteinsschichten wie Gneise, Granite und Sandsteine durch das Austreten von Gasen aus dem Erdinneren verkieselten. Die Kieselsäure durchdrang den Felsen und härtete das Gestein wie eine Art Klebstoff. Der Säuregehalt des Battert-Felsens hat große Auswirkungen auf die Pflanzenwelt, viele Spezialisten gedeihen nur in einer solchen Ungebung, darunter viele seltene Flechtenarten, Felsenbirnen und Heidekraut. Seltene Insekten wie der Steppengrashüpfer sind auf diese einzigartige Felsenlandschaft angewiesen, weil sie eine geringe Luftfeuchtigkeit besitzt und nachts nicht zu weit abkühlt. Wolfspinnen und Zebraspringspinnen, streng geschützte Reptilien wie Zaun- und Mauereidechsen oder Schlingnattern leben hier, auch seltene Amphibien wie der Feuersalamander. Schwarzspechte und Hohltauben finden hier Nahrung und Höhlen zum Brüten, denn der Wald rund um den Battert ist ein Bannwald ohne menschlichen Eingriff, der Urwald von morgen. Abends kann man hier Fledermäuse beobachten, die vor der Felswand ihre Kreise ziehen, um Insekten zu jagen. Der Kolkrabe, der weltweit größte Rabenvogel, ist äußerst scheu und findet hier ein ideales Brutgebiet, ebenso ein Wanderfalkenpaar.
Um diese bedrohten Tier- und Pflanzenarten zu schützen, ist das Klettern am Battert zeitlich und räumlich eingeschränkt, insbesondere in der Brutzeit der Raben und Wanderfalken. Im Arbeitskreis Battert arbeiten Naturschutzbehörden und Kletterer in vorbildlicher Weise zusammen. Aber auch als Wanderer sollte man sich immer bewusst sein, dass man hier mitten in einem Naturschutzgebiet unterwegs ist. Die Geröllhalden unterhalb des Battertfelsen dürfen nicht betreten werden, um Flora und Fauna nicht zu stören, ebenso ist Musik, Feuer machen oder Zelten aus verständlichen Gründen nicht erlaubt. Die Wanderwege rund um den Battert sind abenteuerlich genug, man sollte sie nicht verlassen.
An der Battert-Wand sind eine Vielzahl von Kletterrouten möglich, von Schwierigkeitsgrad II bis IX. Teilweise bis zu 60 Meter hohe steile Wände mit hartem, griffigem Gestein lassen das Klettererherz höher schlagen. Kletterer müssen neben dem Naturschutz vor allem die eigene Sicherheit beachten, entlang der Wände sind teilweise nur wenige Haken vorhanden, gute Ausrüstung ist unverzichtbar, je nach Route ebenso einige Erfahrung im Klettern.
Tafeln des Naturerlebnispfades erklären auch neugierigen Wanderern die komplexe Umgebung, die Wanderstrecken sind mit Wegweisern gut ausgestattet. Es gibt sehr viel zu entdecken, auch ich brauche immer wieder einige Zeit zum Verweilen und Staunen.
An einigen Stellen fühlt man sich in Szenen wie aus einem Caspar David Friedrich-Gemälde versetzt. In der Epoche der Romantik mit ihrer Hinwendung zur Natur wurde schließlich auch mit der Ausgestaltung von Wegen wie dem unteren Felsenweg begonnen, einige Spuren und Inschriften in der Felswand verweisen noch gut sichtbar auf diese Zeit.
Ein wenig Schwindelfreiheit entlang der Wanderwege kann nicht schaden, auch wenn man nicht klettert. Dafür wird man auch als Wanderer besonders auf Stationen an der Abruchkante oberhalb der steilen Felsen, wie an der Bergwachthütte oder der Ritterplatte mit einer herrlichen Aussicht belohnt.

Ein Anziehungspunkt für viele Besucher ist besonders auch die Burgruine Hohenbaden, Baden-Badenern besser bekannt als das Alte Schloss. Etwa um das Jahr 1100 begannen die Markgrafen von Limburg mit dem Bau der Grundmauern der Oberburg und nannten sich nach deren Lage wenig später Markgrafen von Baden. Das Alte Schloss wurde in den folgenden Jahrhunderten vielfach erweitert und gegen Ende des vierzehnten Jahrhunderts zugunsten des Neuen Schlosses aufgegeben.
Vom Turm des Alten Schlosses hat man einen einzigartigen Panoramablick auf die Stadt Baden-Baden und die Rheinebene bis hinüber ins Elsaß zu den Vogesen. Im Rittersaal des Schlosses befindet sich eine Windharfe, ein besonderes Instrument, das nur durch den Wind zum Klingen angeregt wird. Windharfen waren besonders während der Zeit der Romantik sehr beliebt, schon von 1851-1920 gab es hier ein solches Instrument. Die heute aufgestellte Windharfe stammt aus dem Jahr 1999, entwickelt und gebaut vom Musiker und Harfenbauer R. Oppermann. Sie gilt als die größte Windharfe Europas.

Burg und Burgturm kosten keinen Eintritt, das Café-Restaurant Altes Schloss genügt gehobenen Ansprüchen und ist preislich deshalb eher weniger auf den durchschnittlichen Studierenden ausgerichtet.
Wanderern und Kletterbegeisterten kann ich das Gebiet am Battert ausdrücklich empfehlen. Mitbringen sollte man neben geeigneter Kleidung und entsprechenden Schuhen vor allem Zeit, denn hier kann man je nach Route einige Stunden einplanen.
Es tut gut, entlang der steilen Wege zwischendurch einfach Ruhepausen einzulegen, um die wunderschöne Umgebung zu betrachten.

Weitere Informationen rund um den Battert:

www.battert.de
www.battertfelsen.de
Bergwacht Baden-Baden

Thimo N. Etzkorn

Bookmark Tools
  • email
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Google Bookmarks
  • MisterWong
  • Digg
  • Netvibes
  • StumbleUpon
  • Add to favorites

Einen Kommentar schreiben