Der Sommer ist vorbei…

ADAC-Experten raten zu Winterreifen und die Sportsaison im Karlsruher Schlossgarten ist wohl endgültig zu Ende. Vor dem Schloss wird wohl nachmittags auch das eine oder andere Grüppchen Pétanque-Spieler zu sehen sein, aber nichts im Schloga erinnert mehr an den Juni oder Juli und damit an ein Schauspiel, das sich Jahr für Jahr wiederholt und dabei immer noch ein bisschen größer und pompöser wird. Ich wage einen Rückblick auf die “Schloga-Sportsaison.”

Jedes Jahr auf’s Neue, wenn die Sonne kitzelt und den Hormonhaushalt in Wallung bringt, pilgert die Generation Freizeit in den Schloßgarten, und jeder Pilger hat mindestens ein Sportgerät dabei, manche auch Musikinstrumente wie Gitarren, Trommeln oder Shisha-Pfeifen. Die Pilgerinnen im Übrigen scheinen weit weniger daran interessiert, auffällige Gegenstände durch die halbe Stadt mitzuschleppen, aber genau das gehört zum Imponierverhalten hunderter junger Männer und kann ja wohl nicht spurlos am weiblichen Geschlecht vorbei gehen. Oder doch?

Man hat den Eindruck, ein Volleyball oder ein Fußball sind viel zu konventionell geraten, um damit in der Schloga-Sportsaison aufzufallen, auch ein American Football-Ei ist inzwischen längst nichts besonderes mehr hier. Badminton war gestern, heute spielt man Speedminton, auch wenn man es nicht beherrscht; aber der Schläger sieht ja auch so viel schicker aus! Am Rand des Schlossgartens balancieren etliche Artisten auf Seilen, die sie zwischen die Bäume gespannt haben. Ob sie sich dabei im Moskauer Staatszirkus wähnen?

Der Klassiker unter den Schloga-Sportarten ist sicher die Frisbee. Bei einigen wenigen guten Werfern kann man ausgefallene Tricks in Perfektion beobachten. Die Scheibe wird z.B. angeschnitten, setzt auf dem Rasen auf und hebt erneut ab, wie bei Steinen, die von der Wasseroberfläche zurückschnellen. Ob die Kids mit ihren modernen neonfarbigen Ringfrisbees wissen, dass die Frisbee-Scheibe ja nun nicht die neueste Erfindung ist? Oder dass sie es aller Wahrscheinlichkeit nicht schaffen werden, die Scheibe so anzuschneiden wie die wenigen, die hier jeden Abend werfen?

Fragen über Fragen… Ich frage mich, ob ich hier im Schlossgarten mit meiner Posaune wirklich auffalle oder ob ich nicht doch lieber das Tuba-Spielen lernen soll. Außerdem würde ich gerne wissen, wann die Rückseite des Schlosses zur Freeclimbing-Wand erklärt wird. Am brennendsten aber interessiert mich, ob in der nächsten Saison endlich jemand einen Jetpack mitbringt.

Thimo N. Etzkorn

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