Alles auf Zucker!


Wie schafft man es, zur Trauerfeier der eigenen Mutter zu gehen und gleichzeitig ein Billardturnier zu gewinnen, ohne, dass es jemand merkt? Mit intelligenten Humor gibt Dani Levy Einblick in eine turbulente Woche aus dem Leben Jaecki Zuckers. Diese ist gespickt mit Konflikten zwischen Judentum und Atheismus, deutscher Geschichte sowie vielschichtigen Familienzwistigkeiten.

Neues Spiel, neues Glück!

Jakob Zuckermann, ehemaliger Sportreporter aus Ostberlin, auch Jaeckie Zucker genannt, ist arbeitslos, hoffnungsloser Spieler, überzeugter Atheist, steht wegen Schulden von knapp 50.000 Euro mit einem Bein im Gefängnis, seine Kinder sprechen seit Jahren nicht mehr mit ihm und seine Frau Marlene will sich scheiden lassen. Und weil das noch nicht reicht, stirbt seine jüdische Mutter genau zu dem Zeitpunkt, an dem Jaeckie in einem Billardturnier mit einem Preisgeld von 100.000 Euro seinen Kopf aus der Schlinge ziehen könnte.

Zwar käme ihm das Erbe seiner Mutter ganz gelegen, jedoch bekommt er das laut Testament nur, wenn seine Mutter traditionell jüdisch beerdigt wird, wozu auch eine siebentägige Totenwache mit seinem orthodoxen Bruder Samuel aus dem Westen gehört. Mit diesem soll er sich auch noch versöhnen, nachdem die beiden jahrzehntelang im Streit lagen. Das alles passt jetzt so ganz und gar nicht in Jaeckies Turnierzeitplan.

Was macht man also in einer solchen Situation? Lässt man das Spiel zu Ehren der Mutter sausen, rauft sich zusammen und versucht um des lieben Friedens Willen, alles testamentstreu durchzuziehen? Nicht Jaeckie Zucker! Um trotzdem unbemerkt am Turnier teilnehmen zu können, lässt sich das Schlitzohr einiges einfallen, wie beispielsweise einen vorgetäuschten Herzinfarkt während der Beerdigung am Grab seiner Mutter.

Gekonnt vereinigt Regisseur Dany Levi in der 2004 ursprünglich nur für das Fernsehen gedrehten Komödie verschiedene, teilweise sehr gewagte Problematiken, wie die Geschehnisse im Nationalsozialismus und die Situation von Juden in Deutschland heute, Konflikte zwischen Religion und Atheismus, zwischen Westen und Osten, sowie „ganz normale“ Familienstreitigkeiten mit viel Humor und Augenzwinkern miteinander.
Klischees aus allen Bereichen, wie beispielsweise das vom Ossi, vom Wessi und vom orthodoxen Juden werden hier sehr charmant mit viel Fingerspitzengefühl behandelt. Von allen Seiten werden ganz menschliche Stärken und Schwächen gezeigt, sodass es wohl jedem leicht fällt, sich sofort mit den Protagonisten zu identifizieren. Dies macht es dem Zuschauer möglich, ganz unbefangen von Religion und Geschichte über die allzu menschlichen Entwicklungen in diesem Film und somit in gewisser Weise auch über sich selbst zu lachen.
Auch die Besetzung der einzelnen Rollen ist mit Henry Hübchen als „Jaecki“, Hannelore Elsner als „Marlene“, Anja Franke als „Jana“, und anderen bekannten Gesichtern und Berliner Schnauzen sehr überzeugend. Sogar der amtierende Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit ist für einen kurzen Augenblick zu sehen.
So verwundert alles in allem die reiche Auszeichnung mit Preisen, wie dem Deutschen Filmpreis und dem Ernst-Lubitsch-Preis, nicht.

Sophie Penseler

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