Zu spät…!?!

Was haben die Badener und die Württemberger gemeinsam? In den Hauptstädten Karlsruhe und Stuttgart wird gebuddelt, um die U-Strab-Kombilösung und Stuttgart 21 fertigzustellen. Und was machen die Badener und die Württemberger jetzt? Dagegen demonstrieren. Mal laut, mal leise, aber eigentlich zu spät … die Verträge sind geschlossen und die Bauarbeiten beginnen.

Eigentlich hätte alles so schön sein können: Bereits im letzten Jahrhundert wurde mit den Planungen begonnen, um die beiden Städte zu entlasten und neue, schnellere Verkehrsanbindungen zu leisten. Die Entscheidungsprozesse dauerten zum Teil über Jahrzehnte – in denen man besonders in Karlsruhe intensiv mit den Bürgern gemeinsam an einer Strategie gefeilt hat.

Die Akzeptanz fehlt

Und trotzdem scheinen die Konzepte in der Öffentlichkeit nicht anzukommen – die Stuttgarter demonstrieren allabendlich geschlossene Ablehnung rund um das alte Bahnhofsgebäude. Die Karlsruher stöhnen über die Baustelle, die sich für die nächsten fünf Jahre in der Innenstadt abzeichnet. Dabei genießen die Süddeutschen doch den Ruf der immer “Schaffenden”, so ein bisschen Baustelle sollte ihnen doch nichts ausmachen.

Und das Hauptargument für die Ablehnung? Geld. Geld, das der Bund nicht hat. Geld, das das Land nicht hat. Geld, das sie Kommunen erst recht nicht haben. Geiz ist man aus Württembergischen Kreisen ja gewohnt, aber aus Badischen? Werden wir uns aufgrund kultureller Durchmischung doch alle ähnlicher, übernehmen wir die Eigenarten der jeweils anderen?

Es scheint zumindest so: Die Württemberger demonstrieren gegen den Abriss des alten Stuttgarter Bahnhofs und für seinen Erhalt als Denkmal – ganz im Zeichen des badischer Besonnenheit. Dagegen befürchten die (neuerdings sehr aufs Geld bedachten) Badner, dass die in Karlsruhe ansässigen Händler pleite gehen – falls nicht während der Bauphase, dann spätestens mit Eröffnung des Tunnels. Da sind die Leute vielleicht zu faul, um ans Tageslicht zu kommen und einzukaufen, sondern fahren einfach durch.

Und was bleibt?

Abwarten. Eventuell in guter alter badischer Gemütlichkeit Tee trinken. Und gucken, ob die Verantwortlichen die beiden Großprojekte tatsächlich in den Sand setzen. Und wenn sie das tun, sind die Berliner vielleicht nicht mehr ganz so neidisch auf die geschäftstüchtigen Schwaben (so heißen dort alle Süddeutschen). Und wir haben eine Geschichte mehr zu erzählen: darüber, wie unverantwortlich die Politiker und raffgierigen Bauunternehmer mit unseren Steuergeldern umgehen.

Und in fünfzig Jahren? Denkt kein Schwein mehr daran, was da beim Tunnelbau alles schief ging. Außer uns. Und wir hören unseren Großeltern auch nicht zu, wenn sie erzählen, dass früher alles besser war.

Valerie Boda

Bookmark Tools
  • email
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Google Bookmarks
  • MisterWong
  • Digg
  • Netvibes
  • StumbleUpon
  • Add to favorites

Einen Kommentar schreiben