Wir lachen mit/für/an/zu
Leider gibt es ja nicht viel zu lachen dieser Tage
Ein verregneter Tag, der Tank ist leer, der Motor verhungert. Tausend Meter bis zur Tankstelle. Wer lacht da schon unterwegs mit dem Passanten, der gerade erfahren hat, dass er glücklicher Vater geworden ist? Wer lacht da schon für den Glückspilz, der stolz erzählt, dass er ein Jahr lang kostenfrei tanken darf? Wer lacht da schon den freundlichen Tankwart an, wenn der dann dreissigeuroundvierzigcent für zwanzig Liter Benzin verlangt? Wer lacht da schon dem Tankstellenbetreiber fröhlich zu, wenn er dessen Weg kreuzt?
Keiner muss, kann, will da lachen
Denn die eigene Misere ist dafür viel zu miserabel. Dabei wäre das gesund und gerade jetzt wichtig! Lachen ist bekanntlich die beste Medizin, Lachen ist eine Brücke und lächeln die kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen. Lachen kanalisiert Energien, Lachen befreit, Lachen verbindet.
Um jeden Preis lachen
So lautet also die Devise für die heutige Zeit, weil wer den Tag mit einem Lachen beginnt, gewinnt. Und weil jeder gewinnen will, gilt es, sogenannte Lachgründe aufzutun. Im Krieg und beim Lachen sind ab jetzt alle Mittel erlaubt. Lachen – koste es, was es wolle!
Kino ist teuer, aber Kino macht lachen. Filme, von Menschen gedreht, nach Mustern und Regeln, um die traurige Masse zum lachen zu bringen – und um das Lachen zur traurigen Masse zu bringen. Schön, zu sitzen und lachen zu können, gemeinsam, miteinander im Lachgrund Kino. Sich im Rudel zu amüsieren bei der Jagd nach dem Witz auf der Leinwand. Wie die Gestalten dort komisch fallen, reden, leben, kleben, krallen, furzen, rülpsen, saufen. Raufen, leiden, sich bekleiden, Eltern sich von Eltern scheiden, Köpfe platzen, Fetzen fliegen, beste Freunde sich bekriegen.
Da kennt das Lachen keine Grenzen
Weil es nämlich richtig komisch ist. Komisch, mit anzusehen, was da auf der Leinwand geschieht, was mit den Figuren auf der Leinwand geschieht. Was ihnen widerfährt. Und alles nur beobachten, unbeteiligt, unbetroffen, im bequemen Sitz. Die Dosis Lachen für das eigene Wohlbefinden verabreicht bekomen, aufstehen, gehen.
Ein verregneter Tag
Der Tank ist voll, der Motor schnurrt. Tausend Meter bis zur Tankstelle. Der arme Trottel am Straßenrand, mit dem Kanister in der Hand, bei einszweiundfünfzig pro Liter schlurft er im Regen und schaut betröppelt aus dem nassen Hemd. Wer könnte über ihn nicht lachen?
Wir lachen mit/für/an/zu, aber vorallem über.
