Seit eh und je Musik in BaWü

Wo hört Klang auf und wo fängt Musik an? Was ist Musik? Wo kommt Musik her? BaWü hat eine beeindruckende Musikgeschichte hinter sich, denke man nur an die Flippers oder die Söhne Mannheims. Was hat jedoch ein Roboter aus dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) mit Musik zu tun und was ist eine ‘Leprosenklapper’? Das Badische Landesmuseum zeigt in der Großen Landesausstellung die Entwicklung der Baden-Württembergischen Musikkultur.

„Vom Minnesang zur Popakademie“

Aus dem Karlsruher Schloss erklingen die unterschiedlichsten Töne: Die gesamte Geschichte und Entwicklung der Musik im Raum Baden-Württemberg hat sich in der aktuellen Großen Landesausstellung des Badischen Landesmuseums zusammengefunden.
Die Ausstellung begegnet dem Besucher als Zeitreise. Sie beginnt mit einer vor 35.000 Jahren entstandenen altsteinzeitlichen Knochenflöte und endet mit einer der neuesten Erfindungen, dem ‚Rotolab’, einem Musikroboter aus dem ZKM, dessen mechanische Bewegungsgeräusche alle 15 Minuten bekannte Musikstücke erzeugen.

Blick in die Ausstellungsräume

Wo Menschen sind – da ist auch Musik! Die Musik nahm im menschlichen Leben schon immer eine zentrale und bedeutende Rolle ein, allerdings musste man, wollte man früher Musik hören, eine Kirche besuchen oder selbst tätig werden und ein Musikinstrument erlernen. Erst im 17. Jahrhundert entstanden Spieluhren und Musikautomaten und die Entwicklung einer ganzen Musikkultur nahm ihren Lauf.
Insgesamt führt die Ausstellung durch sechs Abteilungen: Klang im Alltag, Musik und Ritual, Konzertwesen, Innovation, Musik und Macht sowie Weltliches Lied.

Kuriositäten – Raritäten

Die nahezu 400 Exponate als musikgeschichtliche Zeitzeugen beeindrucken. Einige der gezeigten Gegenstände dürften dem ‚Musiklaien’ unbekannt sein. Gerade aus diesem Grund sammeln sich die Besucher fasziniert vor den Kuriositäten der Ausstellung.

Pfauengrammophon, um 1914

Die Antwort auf die Frage, worum es sich bei einer ‘Leprosenklapper’ handelt, findet man in der Abteilung ‘Klang im Alltag’. Das mit drei Klöppeln besetzte Holzbrettchen, das vermutlich aus dem 17. Jahrhundert stammt, war für Leprakranke gedacht, die durch geräuschvolles Klappern ihre Anwesenheit ankündigen mussten. Bei dem Exponat handelt es höchstwahrscheinlich um das landesweit einzige seiner Art.
Beeindruckend ist unter anderem auch das Pfauengrammophon, entstanden um das Jahr 1914. Das sich drehende Pfauenrad reflektiert auf zahlreichen Spiegeln, wenn das Grammophon spielt.

Das Ziel – Musik mit allen Sinnen erleben

Dem Besucher werden nicht nur Exponate in einer erstaunlichen Vielfalt präsentiert, vielmehr geht es darum, die Musik zu erleben. Zahlreiche Sofas mit Lounge-Atmosphäre und Kopfhöreranschluss laden zum Verweilen ein und ermöglichen es, Musikbeispiele, passend zu der jeweiligen Abteilung, in Ruhe anzuhören. Darüber hinaus befinden sich TV-Geräte und Leinwände in der gesamten Ausstellung verteilt, sodass der Besucher im einen Moment einem klassischen Konzert folgen und im nächsten quasi „live“ beim SWR3 New Pop Festival dabei sein kann. Selbst aktiv zu werden ist ebenfalls ein bedeutender Schwerpunkt der Ausstellung, denn lernen, ausprobieren und sogar selbst erschaffen fasziniert. So kann man sich zum Beispiel nach auf dem Boden aufgezeichneten Tanzschritten bewegen oder mit Mozarts ‚Musikalischem Würfelspiel’ ein wahrscheinlich noch nie zuvor gehörtes, zufälliges neues Musikstück kreieren, das erstaunlicherweise überaus melodisch und genial klingt! Für Besucher, die schon immer daran interessiert waren eigene Musik aufzunehmen, wird im Rahmen der Ausstellung das Tonstudio der Popakademie Baden-Württemberg bereitgestellt. Hier ist es möglich als Familie oder Gruppe von bis zu zehn Personen, unter der Hilfe von Mitarbeitern der Popakademie nach Voranmeldung, musikalische Aufnahmen anzufertigen.

Die Ausstellung ist einen Besuch wert und führt oft dazu, dass der Besucher sich mehrere Stunden in der Klangwelt aufhält, um alles anzusehen, auszuprobieren und anzuhören.
Definitiv nicht nur etwas für HfM’ler!

WO
Karlsruher Schoss, Badisches Landesmuseum

WANN

Bis zum 12. September 2010
Di & Mi, Fr – So und Feiertage: 10:00 – 18:00 Uhr
Do: 10 – 21 Uhr

WAS

Angebot Kinder: Klangwerkstatt – Zum Hören, Sehen, Experimentieren
Angebot Erwachsene: Donnerstag spezial, mit Künstlerbegegnungen uvm.
Führungen von Jugendlichen für Jugendliche: Schon gehört?
Sabine Wegmann

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Eine Reaktion zu “Seit eh und je Musik in BaWü”

  1. Brendelberger

    ein interessanet Artikel, der Lust auf einen Besuch macht

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