Künstlerportrait: Jonathan Ziegler


Jonathan Ziegler ist ein interessanter junger Wahl-Karlsruher mit einigen Begabungen. Er studiert zugleich Physik am KIT und Musikinformatik an der HfM Karlsruhe, baut sich zur Zeit in aufwändiger handwerklicher Arbeit sein eigenes professionelles Tonstudio in Nonnenweier bei Lahr und ist als Trompeter und Produzent für einige außergewöhnliche Musikprojekte tätig. Durch seine Arbeit im Experimentalstudio des Südwestrundfunks hat Jonathan bereits einige Erfahrung im Bereich Audio-Engineering gesammelt, das Geld aus diesem Job investiert er jetzt in den Studio-Neubau.

Jonathan wuchs in einer sehr musikalischen Familie auf. Sein Vater ist Hornist im SWR-Symphonieorchester, seine Mutter ist Klarinettistin und hat zusammen mit dem Startrompeter Wynton Marsalis an der berühmten Juilliard School in New York studiert. Beste Voraussetzungen für Jonathan also, selbst zu einem guten Musiker zu werden, denn er ist selbst ein begabter und versierter Trompeter. Man sollte dabei aber nicht vergessen, dass eine Menge individueller Fleiß und lange Arbeit dazu gehören, um ein guter Musiker zu werden, auch wenn beide Eltern Berufsmusiker sind. Wer sich ein wenig mit Blechblasinstrumenten auskennt, weiß, dass das einige Übung erfordert, um so zu spielen wie Jonathan. Sicher könnte Jonathan sein Trompeten-Spiel noch verbessern, aber dann käme er nicht mehr zum Muay Thai-Training.

Jonathan Ziegler ist bei aller Dynamik ein sehr ausgeglichener, sympathischer und aufgeschlossener Mensch. Obwohl wir bei unserem letzten Treffen beide ein bisschen unter Zeitdruck waren, blieb er sehr gelassen, obwohl die zunächst vereinbarten Treffpunkte, ein Studentencafé und ein Falafel-Imbiss, beide durch Urlaub geschlossen waren. Er hatte zuvor zusätzlich einen Umweg in Kauf genommen, um die Baupläne seines Studios auszudrucken, damit ich es mir besser vorstellen kann, woran er gerade arbeitet. Wir fanden dann doch noch ein schönes Café und unterhielten uns in einem schattigen Biergarten zunächst über einige private Dinge, ehe ich ihm einige Fragen zu seinem Studium und seinen musikalischen Projekten stellte.

Jonathan beim Ausbau seines Studios

Ich bewundere die Disziplin, mit der er seine verschiedenen Projekte angeht. Das sich Physik als Haupt- und Musikinformatik als Nebenfach oft gut ergänzen, kommt Jonathan in seinem Interesse an Studios sehr entgegen. Der Physik war er seit der Schulzeit zugeneigt, das Studium die Konsequenz, die Musikinformatik kam dann später dazu.

Da ihn vor allem der Klang selbst interessiert, möchte er in seinem Hauptfach Physik deshalb in Zukunft gerne seine Wissen über Akustik vertiefen, als Musikinformatiker beschäftigte er sich in letzter Zeit hauptsächlich mit Klangtransformation und Klangsynthese. Hinzu kommt eine beachtliche Kreativleistung als Musiker und Produzent in Musikprojekten, in der er die Theorie aus Physik und Musikinformatiker in die Praxis umsetzen kann.

Da ist einmal das Hip-Hop-Label Studio Einz Records, in dem Jonathan als Produzent arbeitet, aber zum Beispiel auch das Freiburger Live-Projekt Steinregen, in das sich Jonathan am Effektpult einbringt. Vor allem in ihrer Zusammenarbeit mit dem Freiburger Sänger Iman sind Steinregen mit ihrem besonderen Dubstep bei einem größeren Publikum bekannt und beliebt.

Steinregen

Jonathan musikalisches Hauptprojekt aber ist die Dub-Band Irie Irony aus Lahr, in der er Trompete spielt. Die meisten Mitglieder Irie Ironys formierten zuvor gemeinsam die Gruppe Female Pope. Irie Irony sind gerade dabei, ein ganzes Album aufzunehmen, Kostproben davon findet man bereits auf ihrer MySpace-Seite. Bereits bei Female Pope, dem Vorgänger-Projekt also, war er maßgeblich am Songwriting und an den Texten beteiligt, denn er ist zweisprachig aufgewachsen und spricht fließend Englisch. Die Texte Female Popes sind teilweise auch auf Französisch, denn ihr Drummer wuchs bilingual Französisch-Deutsch auf. So ergab sich für Female Pope ein sehr interessanter multikultureller Zugang zu den Songtexten. Die Band war auf Live-Konzerten und Festivals schon in so manchem renommierten Line-up vertreten, spielten bereits als Support für Chulcha Candela und Torch. Jetzt, mit Irie Irony, geht es ambitioniert und professionell weiter. Waren Female Pope stilistisch mehr an Roots Reggae und Ska orientiert, sind Irie Irony stärker dem Dub verpflichtet. Ein Effektpult sorgt für die charakteristischen Delays, das Tempo ist gediegener, das Songwriting erwachsener und komplexer geworden. Zweimal schon waren Irie Irony trotz ihrer noch sehr jungen Band-Geschichte bereits Headliner auf Reggae-Festivals, das Publikum reagierte beide Male begeistert.

Dass gute Songs aber nicht einfach vom Himmel fallen und gerade das Aufnehmen im Studio ein sehr langwieriger und arbeitsintensiver Prozess ist, ist nach meiner Erfahrung vielen Musikhörern nicht so bewusst. Eine Menge Kreativität und Konzentration braucht man im Proberaum und im Studio, Aufgaben für Künstler, die dynamisch und auch geduldig an diese Arbeit herangehen und last, but not least eine gewisse Perfektion im Ohr, wie Jonathan Ziegler.

Thimo N. Etzkorn

Bookmark Tools
  • email
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Google Bookmarks
  • MisterWong
  • Digg
  • Netvibes
  • StumbleUpon
  • Add to favorites

Einen Kommentar schreiben