Alle Mann an Deck!

Ijsselmeer

Foto: enbodenumer

Endlich Semesterferien, wird sich so mancher Student jetzt denken. Doch wie soll man diese Zeit verbringen? Am Strand oder in den Bergen? Wie wäre es denn mal mit Urlaub auf dem Meer? Eine Schiffsreise muss kein Luxusurlaub sein, denn Holland bietet mit seinen Segelschiffen auf dem IJsselmeer eine ebenso schöne wie preiswerte Alternative.


Segeln wird oftmals assoziiert mit Luxussport und Schiffsreisen mit exklusiven Kreuzfahrten. Das muss nicht sein, denn wer Urlaub einmal anders erleben möchte, ist bei den Schiffen der braunen Flotte auf dem niederländischen Ijsselmeer genau richtig.
Hier bedeutet segeln, dass man mit vielen Menschen in Kontakt kommt, jeden Abend in einem anderen Hafen anlegt und viel Spaß an Deck hat. Diese Art Urlaub zu machen erinnert stark an Camping, mit dem Unterschied, dass man sich auf dem Wasser befindet.
Jeder Segeltörn lässt sich individuell gestalten und wird vor Ort gemeinsam mit dem Skipper festgelegt. Es besteht die Möglichkeit, nur einen Tagesausflug zu machen oder aber eine ganze Woche an Deck zu verbringen.

Das IJsselmeer ist ein Binnensee in den Niederlanden. Es ist benannt nach seinem Hauptzufluss, der IJssel, einem Nebenfluss des Rheindeltas.

Das richtige Schiff?

Alleine segeln macht keinen Spaß, in der Gruppe dafür umso mehr. Die “Mannschaft” sollte sich gut kennen und verstehen. Auf engem Raum eine Woche gemeinsam zu verbringen ist eine sehr intensive Erfahrung. Es gibt kaum Möglichkeiten sich aus dem Weg zu gehen. Entspannt lässt es sich mit einem Schiff segeln, dass mehr Platz bietet, als zwingend nötig ist. So sollte eine Gruppe von 15 Personen ein Segelschiff buchen, welches für 20 Platz bietet. Die ungenutzten Kabinen können dann als Stauraum für Gepäck oder als Rückzugsort verwendet werden. Außerdem schläft es sich besser, wenn die Kabine nicht voll belegt ist. Bei schönem Wetter lohnt es sich, auch mal eine Nacht auf Deck zu schlafen.

Viele Schiffe der braunen Flotte sind sogenannte Plattbodenschiffe. Ihre Besonderheit besteht darin, dass sie ein flaches Unterwasserschiff haben und deshalb optimal im Wattenmeer sind.

Je nach Gruppenstärke variiert nicht nur die Größe des Schiffes, sondern auch der Preis. Ein Schiff, welches 20 bis 25 Personen aufnehmen kann und mit ein wenig Komfort (Gefrierschrank, Radio, u.ä.) ausgestattet ist, kann bis zu 3.400 Euro (in der Hauptsaison) kosten. Zusätzlich müssen die Kosten für die Anfahrt und Nahrungsmittel bedacht werden. Im ersten Moment erscheint ein solcher Segelurlaub nun doch teuer zu sein. Da allerdings alle Kosten auf die Gruppe verteilt werden, ist es für jeden Einzelnen gut tragbar. Davon abgesehen ist dieses Abenteuer jeden Cent wert!

Tipp: Die Anfahrt mit dem Auto ermöglicht ein bequemes Beladen des Schiffes, da jeder Hafen eine direkte Zufahrt hat. Anschließend können die Autos auf überwachten Parkplätzen abgestellt werden.

Eine Woche an Deck lohnt sich

Wo sonst trifft man Abend für Abend Menschen unterschiedlichster Nationalität? Oder verbringt einen Abend bei Gitarrenmusik auf Deck und sieht atemberaubende Sonnenuntergänge?
Durch die besondere Art, wie die Schiffe im Hafen anlegen (alle parallel zum Steg und bis zu vier Schiffe nebeneinander) müssen alle Segler die anderen Schiffe überqueren, wollen sie an Land. So ergeben sich völlig ungezwungen neue Kontakte und interessante Gespräche. Überall wird man sehr freundlich aufgenommen.

Foto: tenaanval

Gruppen, die sich entscheiden eine ganze Woche auf dem Ijsselmeer zu verbringen, sollten im Vorfeld alles gut planen und sich über einige Dinge im Klaren sein: Die Passagiere müssen selbst für die Verpflegung sorgen – auch für die von Skipper und Maat. Es ist sinnvoll bereits vor Reiseantritt diverse Grundnahrungsmittel (Nudeln, Brot, aber auch Brotaufstriche, etc.) einzukaufen und diese mitzunehmen. Davon abgesehen sollte nach Möglichkeit mindestens ein Mitglied der “Mannschaft” kochen können. Das gemeinsame Essen bietet Gelegenheit dazu, dass sich Urlauber und Besatzung besser kennen lernen.

Zusätzlich ist Mithilfe bei den Segelmanövern ausdrücklich erwünscht. Segelanfänger müssen sich keine Sorgen machen, jeder bekommt die wichtigsten Dinge zuvor vom Maat erklärt. Fahrradhandschuhe vermindern die Gefahr, dass sich Blasen an den Hände bilden.

Ähnlich wie beim Campingurlaub gibt es öffentliche Waschräume mit Duschen. Jeder noch so kleine Hafen hat ein “Waschhaus”. Obwohl jedes Schiff über eine eigene Dusche verfügt, sollte diese nicht benutzt werden. Den schiffseigenen Wassertank zu füllen ist sehr teuer, weshalb alle dazu angehalten sind mit dem Wasser sparsam umzugehen.

Wohin der Wind weht

Die meisten Segeltouren starten von Stavoren aus, dem Heimathafen der braunen Flotte. Die kleine friesische Stadt lebt vollständig vom Tourismus, dessen Schwerpunkt der Wassersport ist. Mit knapp 1.000 Einwohnern zählt sie zu den kleineren Städten, die am Ijsselmeer gelegen sind. Das Denkmal der Vrouwe van Stavoren, welches sich im alten Hafen findet, gehört auf jeden Fall zu den Sehenswürdigkeiten.

Foto: Remon Rijper

Gemeinsam mit dem Skipper wird noch am ersten Abend des Törns die Route festgelegt, wobei die Wind- und Wetterlage von großer Bedeutung ist. Ob es nun in Richtung Amsterdam geht oder raus auf das Wattenmeer bleibt jeder Gruppe selbst überlassen. Die Strecke in den Süden bietet nicht so viele Möglichkeiten wie die in den Norden. Nach Amsterdam zu segeln ist, was die Manöver betrifft, meist entspannter, aber auch weniger reizvoll. Dagegen wird die gesamte Crew bei einer Fahrt auf das Wattenmeer gefordert! Da der Wind in der Regel frontal auf die Segel trifft, muss hier gekreuzt werden. Das heißt, dass das Schiff die Strecke in einer Zick-Zack-Linie zurücklegt. Viel Arbeit für alle, aber auch viel Spaß.

Doch vor dem Wattenmeer selbst ist der Hafen von Makkum das erste Ziel von Stavoren aus. Die Stadt liegt am imposanten Abschlussdeich, der das Ijsselmeer von der Nordsee abgrenzt. Sie ist ebenfalls bei Wassersportlern sehr beliebt, da das Wasser sehr seicht ist. Besonders Surfanfänger können hier problemlos ihre ersten Versuche auf dem Brett wagen. Von Makkum aus können sowohl die westfriesischen Inseln als auch der Hafen von Harlingen angefahren werden.

Beide Ziele haben ihren Reiz: Harlingen beeindruckt alleine durch seinen Hafen, der weit in die Stadt reicht. Der Wochenmarkt (jeden Samstag) lädt zum Schlendern und Einkaufen ein. Für den kleinen Hunger zwischendurch empfiehlt sich eine Portion Poffertjes. Es handelt sich um kleine, münzgroße Pfannenkuchen, die mit viel Puderzucker bestreut werden.
Die bekanntesten der westfriesischen Inseln, Texel, Vlieland, Terschelling und Ameland, sind von Harlingen aus bequem zu erreichen. Dabei muss das Wattenmeer passiert werden, was teilweise nur in angelegten Fahrrinnen möglich ist.
Vor allem die Insel Terschelling zieht verstärkt junge Leute an. Hier kann tagsüber am Strand entspannt werden und am Abend gibt es viele kleine Kneipen zu entdecken. Traditionelles Getränk dort ist der Jenever, ein Wacholderschnaps der pur oder als Mixgetränk getrunken wird.

Foto: Dolphfin


Der Tag nach Terschelling bietet sich zum ausgiebigen Entspannen an: Trockenfallen lassen auf dem Wattenmeer ist da ideal! Hierbei ankert das Schiff im Watt und sinkt mit der Ebbe auf Grund. Die Form der Plattbodenschiffe erweist sich als enormer Vorteil, da sie aufrecht stehen bleiben. Neben der bizarren Landschaft des Watts ist der nächtliche Sternenhimmel (sofern er zu sehen ist) sicherlich eines der Highlights der Reise.

Der Rest der Woche sollte so geplant sein, dass die letzte Strecke zum Heimathafen nicht zu lange ist. In der Regel steht noch am selben Tag die Heimreise an.
Eine Woche scheint beim Verlassen des Schiffs wie im Flug vergangen zu sein. Obwohl sechs Häfen in sieben Tagen eine Menge an Eindrücken hinterlassen, ist damit die Vielfalt des Ijsselmeers nicht erfasst. Wer einmal das Gefühl der grenzenlosen Freiheit auf See erlebt, den Wind in den Haaren und die wirklich frische Luft genossen hat, für den steht fest: Das war nicht der letzte Urlaub an Deck!

Anna-Meta Langenfeld

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