ton:art 2010 – Sound in der Galerie

Ein Handschuh macht Musik. Jede eigene Körperbewegung verändert den Sound in der direkten Umgebung. Ein gemaltes Bild gibt Klänge von sich.
Wer das nicht nur für verrückt sondern auch für interessant hält, sollte die Ausstellung ton:art 2010 einmal genauer unter die Lupe nehmen.


Vom 29. Juli bis 8. August findet in der Karlsruher Galerie Margit Haupt die Ausstellung ton:art 2010 statt. Sie zeigt interaktive Klangkunst, Installationen und elektronische Musikinstrumente. Alle künstlerischen Arbeiten stammen von Studenten des Fachs Musikwissenschaft/Musikinformatik an der Hochschule für Musik Karlsruhe. Die ton:art wird von den HfM-Studenten nun bereits das zweite Jahr in Folge organisiert (KA.mpus berichtete über die erste ton:art 2009).
Das Orga-Team hat sich 2010 verändert, die Grundidee ist aber die selbe: Mit einer öffentlichen Ausstellung wollen die Studierenden ihrem noch jungen und unbekannten, aber reizvollen Studienfach eine Plattform in der Karlsruher Kulturlandschaft geben.

Elektronische Musikinstrumente? Musikinformatik?

Doch was gibt es eigentlich genau zu sehen und zu hören? Was kann sich der interessierte, aber ratlose Leser unter Begriffen wie „elektronische Musikinstrumente“ und „Musikinformatik“ vorstellen?

Wie Häuser oder Möbel müssen auch Musikinstrumente erst gebaut werden, bevor man sie benutzen kann – eigentlich klar. Bis heute gibt es Instrumentenbauer, die in ihrer Werkstatt Geigen oder Gitarren herstellen, Instrumente mit jahrhundertelanger Tradition. Aber mit dem Fortschritt der Technik begannen vor über 100 Jahren findige Leute, neuartige elektronische bzw. elektrische Klangerzeuger zu entwickeln, zum Beispiel das Theremin oder die Ondes Martenot. In den 1960er- und 70er-Jahren verbreiteten sich die Synthesizer. Heute, im digitalen Zeitalter, ist der Computer zum potentiellen Musikinstrument geworden.

Hier setzen die Ausstellung ton:art und der mit ihr verbundene Studiengang Musikinformatik an. Studenten entwickeln an der HfM mit Hilfe moderner Software, aber auch Hardware und „echten“ Gegenständen eigene Musikinstrumente. Zu ihren Zielen gehört, neue Arten zu entwickeln, ein Instrument zu spielen. So streift man das ausgestellte Chirotron, einen mit Sensoren und Kabeln verbandelten Handschuh, über die Hand und kann mit bestimmten Hand- und Fingerbewegungen Sounds erzeugen und steuern. Aber auch an neuen Klangwelten sind die studentischen Instrumentenbauer interessiert. Die Sounds ihrer Instrumente werden am Computer nach selbst programmierten Regeln erzeugt; die klanglichen Möglichkeiten hierbei sind praktisch unendlich.

Das Exponat 'Sound Walk' von Diana Cardoso

Neben selbst entwickelten Instrumenten gibt es auf der ton:art auch verschiedene interaktive Klanginstallationen zu erleben, wie man sie in ähnlicher Form zum Beispiel vom Medienmuseum des ZKM kennt. Der Besucher interagiert mit ihnen – so läuft er auf der ton:art beispielsweise über einen bunten Teppich, den Sound Walk, und erzeugt und verändert dabei Klänge.

Das künstlerische und technische Rüstzeug für kreative Arbeiten dieser Art liefert der Studiengang Musikinformatik an der HfM. Dieser behandelt das weit gefasste Themenspektrum „Musik und Computer“ aus verschiedenen Blickwinkeln. Mehr Infos zum Studiengang gibt es hier.

Abends gibt’s Events

Die ton:art 2010 wird von mehreren Events begleitet. Sie ergänzen den Überblick über das kreative Schaffen im Studiengang Musikwissenschaft/Musikinformatik. In verschiedenen Performances zeigen die Studenten, was sich aus ihren eigenen Instrumenten klanglich so alles herausholen lässt. Die zwei Ensembles Benoît and the Mandelbrots und Ach ja? programmieren elektronische Musik live. An einem Abend werden studentische Eigenkompositionen aufgeführt, die aus der Beschäftigung mit dem Künstler Alvin Lucier entstanden. Auch ein Event mit tanzbarer Musik von DJ Friday Dunard und Live-Visuals von cappel:nord steht auf dem Programm.

Ein Besuch bei der ton:art 2010, tagsüber und abends, lohnt sich auf jeden Fall, wenn man sich für Musik, Kunst, Technik oder einfach neue, spannende Erfahrungen interessiert.

ton:art 2010
29. Juli – 8. August
Galerie Margit Haupt, Passagehof 13, Karlsruhe
Geöffnet: täglich 15-20 Uhr
5 Abend-Events
www.ton-art-expo.de
Friedemann Dupelius

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