Naherholung in Karlsruhe: Der Alte Flugplatz

Weit und flach ist die Landschaft, der Boden trocken und sandig. Es sprießen dünne Gräser in kleinen Gruppen, unterschiedlich hoch. Scheinbar unendlich viele verschiedene Pflanzenarten überziehen die Ebene mit einem bunten Farbteppich, den selbst ein Maler nicht schöner hinbekäme. Es sieht hier nicht aus wie auf einer typisch deutschen Wiese. Die Fläche erinnert eher an eine afrikanische Steppenlandschaft. Wenn da nicht die Straßenbahn am Nordwest-Eingang des Alten Flugplatzes vorbeifahren und ganz eindeutig auf Karlsruhe hinweisen würde …

Quelle des ersten Bildes: panoramio.com, Copyright: Attlia Bertalan

Der Alte Flugplatz ist ein Geheimtipp unter den Naherholungsgebieten Karlsruhes. Während jeder den Schlosspark und die Günther-Klotz-Anlage kennt, ist das Naturschutzgebiet im Nordwesten der Stadt weit weniger Leuten ein Begriff.

Von militärischer Disziplin zur wilden Natur

1820 als „Großer Exercierplatz“ angelegt, wurde die Fläche in den 1920er-Jahren zum Flugplatz für Linienverkehr zwischen bis zu 39 europäischen Städten umfunktioniert. Von 1945 bis 1993 nutzten ihn die in Karlsruhe stationierten US-Soldaten ebenfalls als Flugplatz. Nach deren Abzug konnte sich die Natur frei entfalten und eine eigenartige, faszinierende Landschaft entstand.

Faszinierende Flora und Fauna

Der Boden des Alten Flugplatzes ist trocken und nährstoffarm. Nur bestimmte Pflanzen und Tiere kommen damit zurecht und verleihen dem Ort seinen besonderen Charme. Große Flächen des Flugplatzes nehmen Magerrasen, Sandrasen und das seltene, naturgeschützte Borstgras ein. Daraus ragen an einigen Stellen Brombeer- und Ginstersträucher sowie vereinzelt Bäume hervor. Johanniskraut und Arznei-Thymian sind nur zwei Beispiele für die obskure Vielfalt der Flora in diesem Naturschutzgebiet.


Quelle: www.wegeundpunkte.de

Tiere wie Kaninchen, Gottesanbeterinnen, Zauneidechsen oder Neuntöter sind hier zu Hause. Außerdem bewohnt eine knapp zehnköpfige Eselherde den Flugplatz und pflegt die Landschaft. Esel sind Steppentiere – der Alte Flugplatz ist wie geschaffen für ihre Bedürfnisse.

Schon gewusst?
Der Alte Flugplatz hat großen Einfluss auf das Stadtklima: Karlsruhe, in der Oberrheinebene gelegen, leidet oft an geringem Luftaustausch, niedriger Windgeschwindigkeit und im Sommer an schwülem Klima. Der Flugplatz bildet eine Frischluftschneise und dient als Klimaregulator. Abends kühlt er schnell ab. Dadurch entstehen zur späten Stunde Windströmungen zwischen Freiland und Siedlung. Diese sorgen für Austausch der Luftmassen und einen Temperaturausgleich.

Um die besondere Natur zu schützen, muss sich der Besucher des Alten Flugplatzes auf den für ihn angelegten Wegen halten. Das schränkt aber nicht ein, im Gegenteil: Das Areal ist ideal nutzbar für Spaziergänger und Entdecker, genauso auch für Jogger und Radfahrer. Überfüllt ist es hier dennoch nie. Die wirkliche Schönheit und der Facettenreichtum des Alten Flugplatzes erschließt sich aber erst dann so richtig, wenn man ihn auch aufsucht. Dabei ist fast egal wann – der Ort verändert sich in Farbe, Licht und Atmosphäre nach Jahres- und sogar Tageszeit. Für den Erstbesuch ist ein sonniger Tag von Mai bis August uneingeschränkt empfehlenswert.


Lizenz: Creative Commons

Wie kommt man hin?
Mit der S1/S11: Es befinden sich Zugänge fast direkt an den Haltestellen August-Bebel-Platz (Zugang Südwest) und Kurt-Schumacher-Straße (Zugang Nordwest).
Mit der Tram 3: Wenige Meter westlich der Haltestellen Lilienthalstraße und Heidehof gibt es zwei weitere Zugänge.
Natürlich kann man alle Zugänge auch mit dem Fahrrad oder zu Fuß aufsuchen.
Dieser Artikel markiert den Anfang einer Serie von Tipps zur Naherholung in und um Karlsruhe. Ab jetzt erscheinen diese in loser Folge bei KA.mpus.
Friedemann Dupelius

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