Naherholung in Karlsruhe: Altrhein und Rheinauen

Im Jahr 1817 begann Gottfried Tulla mit der Begradigung des Rheins, um diesem ein festes Bett zu geben. Gleichzeitig dämmte er damit die üblichen Überschwemmungen der Rheinauen ein. Der Rhein wurde zuverlässig schiffbar und verbreitete Krankheiten wie das “Sumpffieber” (eine Form der Malaria) verschwanden. Übrig blieb die Rheinauen-Landschaft, die von Altrheinarmen und Baggerseen durchzogen wird und heute wichtige Natur- und Landschaftsschutzgebiete beherbergt.

Das Gebiet des Stadt- und Landkreises Karlsruhe umfasst einen ca. 40 km langen Abschnitt des Rheins – von Rheinstetten bis Oberhausen-Rheinhausen. Entlang dieser Strecke liegen einige Altrheinarme, sowie Baggerseen, welche mittlerweile in das Rheinauen-System integriert sind.

Rheinauen als Überschwemmungsgebiete

Und obwohl der Rhein heute begradigt ist, ist seine Dynamik von Hoch- und Tiefwasserständen auch im Überflutungsgebiet der Rheinauen noch sichtbar: Bei Niedrigwasser fallen alle angrenzenden Landflächen trocken. Bei Hochwasser steigt auch das Wasser in den angrenzenden Altrheinarmen. Wiesen und Ackerflächen werden überflutet und sind somit nicht mehr für landwirtschaftliche Zwecke nutzbar. Teilweise sind ganze Abschnitte der Rheinauen in Natur- oder Landschaftsschutzgebiete umgewandelt.

Der Unterschied zwischen Naturschutzgebieten (NSG) und Landschaftsschutzgebieten (LSG) liegt in der Möglichkeit der Nutzung und Veränderung der geschützten Landschaft: in NSGen bestehen strengere Veränderungsverbote und stärkere Gebote als in LSGen.

Seltene Arten

Die geringere landwirtschaftliche Nutzung kommt der Tier- und Pflanzenwelt zugute. So listet das EU-LIFE-Projekt Lebendige Rheinauen bei Karlsruhe zwölf verschiedene FFH-Lebensraumtypen auf, die in den Karlsruher Rheinauen vorkommen (FFH = Flora-Fauna-Habitat). Diese Vielfalt schlägt sich auch in der Diversität von Flora und Fauna nieder. So leben in den Rheinauengebieten um Karlsruhe viele geschützte Tierarten.

Und auch die Pflanzenwelt hat einiges zu bieten. Denn neben einigen seltenen und geschützten Arten findet sich in den Auwäldern natürlich auch typisch einheimisches Gesträuch und Gehölz – Eiche, Erle und Esche, beispielsweise. Daneben entstehen in – zum Teil wieder neu angelegten – Streuobstwiesen weitere Lebensräume für Flora und Fauna.

In der Rheinaue bei Eggenstein-Leopoldshafen stehen die Bäume dicht an dicht

Touristische Erschließung

Natürlich bietet die Landschaft aus Altrheinarmen und Baggerseen auch ein Refugium für menschliche Aktivität. Neben Schwimmen, Angeln und Kanufahren ist auch das Segeln auf einigen Gewässern erlaubt – natürlich alles im Rahmen der Naturschutzbestimmungen, damit uns das Naherholungsgebiet Altrhein und Rheinauen noch sehr lange erhalten bleibt.

Die Wassersportler und Angler der Region sind zumeist in Vereinen organisiert. Ein Liste findet sich im Stadtwiki Karlsruhe.

Und natürlich kann man auch auf eigene Faust – aber immer auf den Wegen – Spaziergänge, Wander- oder Radtouren durch die Auenlandschaft machen. Dabei lässt sich die Ruhe genießen und Ausschau nach seltenen Tieren und Pflanzen halten.

Und falls man an einem regnerischen Tag keine Lust auf einen Spaziergang hat, aber trotzdem Tiere beobachten möchte: Auf den Seiten der Lebendigen Rheinauen bei Karlsruhe finden sich Live-Bilder zu Storch, Meise und Co. Selbst unter Wasser ist eine der Kameras montiert.

Valerie Boda

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