Le Grand Uff Zaque spielen und Karlsruhe tanzt!

Le Grand Uff Zaque (LGUZ), das ist eine junge Karlsruher Band, deren Anliegen es ist, neue Hörer für den Jazz zu gewinnen, indem sie ihn mit aktueller tanzbarer Musik wie Drum & Bass und Hip-Hop vermischen. Eine Art moderner Fusion also, nichts für Jazzpuristen, aber ganz bestimmt auch nicht für jedes Schubladendenken, denn die Musik von LGUZ lässt sich in keine Genre-Schubladen zwängen und bleibt stets offen für neue Einflüsse.

Le Grand Uff Zaque bringen Karlsruhe zum Tanzen

Man spürt als Zuhörer, dass der Genremix LGUZ sehr viel Spaß macht, gerade bei Liveauftritten. Erst vor kurzem haben LGUZ auf dem Karlsruher Label Repositrecords die EP „Le Grand Plaisir“ veröffentlicht, noch in diesem Jahr werden sie weiter im Studio aufnehmen, um der EP einen Longplayer folgen zu lassen.
Welche Wertschätzung LGUZ mittlerweile in Karlsruhe bei einem größeren Publikum erfahren, lässt sich auch daran ablesen, bei welchen hochkarätigen Anlässen sie inzwischen engagiert werden. Sie dürfen dieses Jahr Sonntags auf der Hauptbühne des Karlsruher Fests in der Günther-Klotz-Anlagespielen. Am gleichen Tag wie das John Butler Trio oder Gentleman and the Far East Band also, beide Projekte sind international sehr erfolgreich.
Doch das ist längst nicht alles: beim Abschlusskonzert der KAMUNA sind sie Headliner, eine Gelegenheit, die in früheren Jahren oft sehr etablierten und erfolgreichen Musikern vorbehalten blieb. Kurzum: LGUZ sind aus dem Karlsruher Kulturprogramm nicht mehr wegzudenken, und welchen Erfolg sie noch haben werden, lässt sich nur erahnen.

Zum aktuellen Interview

Trotz der Erfolge der jüngsten Vergangenheit sind LGUZ eine sypathische Band ohne affektierte Star-Allüren. Sie wirken im Interview sehr natürlich und nicht eine Spur abgehoben. Ich bin verabredet zum Interview an einem Sonntag Abend, gestern noch traten sie live auf im Rahmen des Z10-Sommerfests, vor einem Publikum, das in der Hauptsache aus Studenten bestand. Zum Interview im Proberaum in der Nähe der Rock´n´Roll-Bar und der Skatehalle des Karlsruher Rollbrett-E.V. sind beinahe alle Bandmitglieder anwesend, leider fehlt Laura, die charismatische Sängerin der Band, alle anderen geben mir offen und freundlich Antwort auf meine Fragen.

Le Grand Uff Zaque sind:
Max Master Five (keys)
Merten Lindorf (bass)
Jonathan Zacharias (drums)
Baron Marcel Baguette (sax)
Laura Oyewale (voc)
MOC (rap)

KA.mpus: Seit wann gibt es LGUZ in der heutigen Besetzung? Wie habt Ihr Euch kennengelernt, wie kam es vom Quartett zum Sextett? Wo hattet Ihr Eure ersten Auftritte?

Max: Max (Keys) : Mein Mitbewohner konnte einen Gig nicht spielen, den er hätte spielen sollen, der fragte mich ob ich nicht eine Band habe; Merten (Bassist von LGUZ) kannte ich schon mit ihm musizierte ich bereits, genauso Manuel Paschmann unseren früheren Saxophonist. Doch dann einen passenden Schlagzeuger zu finden war eine richtige Odyssee (lacht). Ich bin ins Radio Oriente gegangen, weil ich gehofft hatte, dass er (Jonathan, der Schlagzeuger von LGUZ) dort sitzt, ich kannte ihn nur recht flüchtig, tatsächlich war er zufällig da und ich fragte ihn (Jonathan) ob er nicht Lust hätte, bei uns in der Band zu spielen; dass wir in zwei Wochen schon das erste Konzert geplant hatten verkraftete er erstaunlich gut (:D). Ab da war das dann die Geschichte eines Quartetts, unser erster Auftritt war im Kiwi (Ka). MOC und Laura kamen dann erst später dazu. Der nächste größere Auftritt war dann ein in der HFM Karlsruhe und immer wieder ein paar Gigs auf WG-Parties.
Als Sextett gibt es uns jetzt seit 2008.

KA.mpus: Die meisten von euch studieren. Seht Ihr das Musizieren in der Band und das Studium als eine Art Spagat? Eine gute Ergänzung oder Abwechslung? Was bedeutet euch die Musik, wie wichtig ist eure Band für euch?

Max: Das bedeutet uns allen zwar ziemlich Unterschiedliches, aber doch auch das Gleiche: und zwar machen wir Musik zum Spaß, als Ausgleich und zur Therapie. Oder? (Max fragt in die Runde, die anderen Bandmitglieder nicken.)

MOC: Bei mir gibt z.B. einen direkteren Bezug zum Studium. Ich studiere Musikinformatik, mein ganzes Studium hat viel mit Musik zu tun, Merten studiert Audiovisuelle Medien, Marcel (Anmerkung: Studierender am KIT im Fach Physik) spielt zusätzlich zum Saxophon auch noch andere Instrumente. Das heißt, jeder von uns hat einen hohen Fokus auf die Musik, denke ich. Man kann sagen, dass der Grad an Bedeutung der Musik für uns alle ähnlich hoch liegt.

KA.mpus: Die Musik bedeutet euch allen also sehr viel. Wie ambitioniert seht ihr ganz speziell euer Musizieren bei Le Grand Uff Zaque? Habt ihr vor, das zum Beruf zu machen? Könnt Ihr euch vorstellen, mit Le Grand Uff Zaque noch größeren Erfolg zu haben? Immerhin spielt ihr beim „Fest“ in der Günther-Klotz-Anlage in diesem Jahr auf der Hauptbühne; ihr seid auch in Karlsruhe schon sehr bekannt und beliebt bei einem größeren Publikum.

MOC: Klar, man denkt schon manchmal an so etwas, denn ganz ohne Ambitionen macht man so etwas ja nun nie, vor allem nicht, wenn man so eine coole Gäng ist wie wir (lacht) – aber ich meine, nein, natürlich ist das so eine Sache, ob man dann sagt, man will es tatsächlich auch zum Beruf machen. So etwas kann man aber immer erst an einem Punkt entscheiden, an dem es dann tatsächlich so weit ist, finde ich; also erst, wenn es tatsächlich auch möglich ist. Alles andere wäre dummes Rumgelabere.

KA.mpus:Das heißt, wenn dann ein Major Labels auf euch zukommen würden, dann…

MOC:Da kommt´s dann natürlich auf die Angebote an! (lacht). Ich meine, natürlich muss man immer denken, dass man durch so ein Major einfach auch viel mehr Leute erreicht und viel mehr spielen kann und dem entsprechend auch mehr Musik macht. Das ist ja nicht mehr wie in den 90ern, dass man einmal bei einem Major ein Album raus bringt und dann nicht mehr zu arbeiten braucht außerdem sind wir ja bei einem netten Indielabel.

KA.mpus: Wie ist euer persönlicher Zugang zur Musik? Wie seid Ihr zu euren Instrumenten gekommen? Habt ihr eine klassische Ausbildung? Erfahrung in anderen Bands?

Merten : Bei uns hat jeder außer vielleicht Laura eine klassische Ausbildung, ob´s jetzt Gitarre, Klarinette, Schlagzeug…Geige! Geige! (lacht) Geige!…Flöte, Saxophon oder Klavier ist…Wir haben also alle eine klassische Ausbildung und hatten daher auch schon früh mit Musik zu tun. Zudem haben wir auch schon in verschiedensten Formationen musiziert von Rock bis Big Band oder Rap. Max und ich haben z.B. eine Zeit lang in einer Bigband gespielt aber auch zusammen mit Manuel Paschmann in einer Jazz Combo gewirkt, Marcel hat in einem Musikverein angefangen. Jonathan und Marcel haben sogar mal gemeinsam in der Jazzband „Nathan“ gespielt.

KA.mpus: Ich habe gehört, bei eurem Auftritt im Radio Oriente sei es so voll gewesen, dass Leute wieder hinausgeschickt wurden, weil der Andrang schlicht zu groß war.

MOC: Im Radio Oriente haben wir anscheinend den Besucherrekord gebrochen, hat jemand gesagt. (…) Es ist natürlich ein Unterschied vom Lampenfieber her, ob man z.B. auf der Jugendbühne Waldbronn spielt oder auf der Hauptbühne bei „DasFest“. Ein gesundes Lampenfieber ist eigentlich immer gut, um die Energie zu bündeln, das fördert ja auch die Konzentration. Beim „Fest“ bringen wir die Leute hoffentlich zum Tanzen. Man macht das ja auch für den Kick, vor so vielen Leuten zu spielen. Ich denke gerade das Live-Spielen ist unsere Stärke, da wir zusammen wahnsinnig viel Spaß auf der Bühne haben und versuchen gemeinsam das Publikum zum tanzen zu animieren.

KA.mpus: Wo habt ihr zum Beispiel die Aufnahmen gemacht, die auf eurer Myspace-Seite zu hören sind?

MOC: Aufgenommen haben wir unsere EP „Le Grand Plaisir“, die auf reposit.records erschienen ist, im Indicative-Studio in Bruchsal, zusammen mit Paddy Bohr. Es ist geplant Ende des Jahres ein Album aufzunehmen das auch dort entstehen soll.

Das Label von Le Grand Uff Zaque:

www.repositrecords.com

Auf reposit.records erschienen ist die 5-Track-EP Le Grand Plaisir. Darauf zu hören sind:
500g Bass (rmx) / Strobo /Step Up / Saxual Freedom / Mastervolume

KA.mpus: Das heißt, ihr schickt eurer EP gleich noch einen Longplayer hinterher.

MOC: Genau, das wir wahrscheinlich zusammen mit Paddy Bohr und Tino Oac realisiert werden

KA.mpus: In euren Texten wird sehr viel über Liebe gesungen, aus ganz verschiedenen Blickwinkeln. Ich denke da speziell an die Zeile aus eurem Song Mastervolume: „Is it something chemical, a scientist might say.“ Kommt da Marcels Sicht als Physiker ins Spiel? Wer schreibt eure Texte? Schreibt z.B. Laura die Texte, die sie singt, alle selbst? Schreibst du, MOC, alle Deine Texte? Bringen sich da auch die anderen mit ein?

MOC: Love is all around, auf jeden Fall, und Liebe an alle; viel hat ja auch mit Liebe zu tun; das sind einfach verschiedene Metaphern oder Sichtweisen, wie Du schon gesagt hast geht es auch im Song Mastervolume um Liebe. Mastervolume besteht ja eigentlich aus zwei Songs, da ist dieser Electro-Part und der Jazzy-Part, ersterer hat mehr mit Party und sich besaufen zu tun der Jazz teil mit liebe. Die zwei unterschiedlichen Sichtweisen spielen schon eine Rolle, denn Party und sich zu besaufen können dann ja auch zu Liebe führen… später, so kann man das vielleicht am ehesten sagen. Meine Texte, schreibe logischerweise ich. Laura schreibt ihre Sachen zu größten Teil ebenfalls selbst, manchmal schreiben wir auch Sachen zusammen. Und wenn wir (Max und MOC) Raps schreiben, dann entwickeln wir das miteinander, das ist bei uns nicht so festgelegt, dass wir sagen, hey MOC schreibt jetzt einfach zwei bis vier Texte. Die Lyrics können z.B. auch nachts entstehen wenn wir Party machen, „Strobo“ z.B. ist auf einer Afterparty entstanden. Die meisten entstehen einfach in einer Probe spontan und werden dann ausgearbeitet und verfeinert.

KA.mpus: Wie wichtig sind euch Inhalte in den Lyrics, oder ist das einfach so, dass der Inhalt der Tanzbarkeit untergeordnet wird? Oder ergibt sich das einfach so, dass Inhalt und Tanzbarkeit von Anfang an miteinander einhergehen?

MOC: Angefangen hat es ganz klar mit ziemlich sinnfreien simplen lyrics, die wir der Tanzbarkeit unterordneten, für mich war es am Anfang etwas ganz Neues, denn konstant auf so schnelle Musik zu rappen, ist schwierig. Man darf auch nicht vergessen, dass von Anfang an ein hoher Prozentsatz der Show einfach gefreestyled war, weil es vielleicht nur zwei lyrics gab, die Hooks z.B., der Rest war einfach nur Freestyle-Text. Im Moment entwickelt sich das immer weiter dahin, dass es jetzt fast zu allen Songs Texte gibt und je später der Text geschrieben wurde, desto eher ist er auch themenbezogen. Man transportiert dann einfach auch etwas, wie z.B „Southern Lagoon“, da geht es um Sommer und Party und solche Sachen oder „Mach die Augen zu“…, ähm, ja, der ist eher sinnfrei (lacht).

KA.mpus: „Warum habt ihr den Song Mastervolume in „Sätzen“ angelegt? Ist das ein Verweis auf klassische Werke, wie z.B eine Symphonie oder Suite mit mehreren Sätzen?“

MOC: Ja klar, das ist eine Anspielung auf klassische Musik.

Merten: ein Grund warum wir den Song auf Myspace in drei Teile gliederten haben war das er etwa 10 Minuten lang ist so kann man sich, wenn man will, nur den einen Part anhören da dieser Song ja aus recht verschiedene Elementen besteht, je nach Stimmung eben.

KA.mpus: Im Remix von 500 Gramm Bass zum Beispiel, eigentlich eher Hip-Hop geprägt, erkenne ich Klezmer-Anleihen. Wählt ihr solche Stilmittel ganz bewusst aus?

Merten: So etwas entsteht nicht dadurch, dass wir uns hinstellen und sagen, wir wählen das jetzt bewusst. Das entsteht ganz spontan.

Max:Ich finde, dass man wissen sollte, dass wir dieses Projekt auf die Beine gestellt haben mit der Intention, Jazz tanzbar zu machen, dass die Leute abgehen und dancen können, aber dass es kein stupider Techno ist, sondern dass es trotzdem einen Anspruch hat, dass z.B. die Akkorde komplexer sind als bei anderer tanzbarer Musik

Merten: Wir spielen auch nie zweimal das gleiche, ich schätze, dass 70 % von dem, was wir live spielen, improvisiert sind.

MOC: Die Freestyle-Komponente im Rap hat ja auch etwas mit Jazz zu tun, d.h., es wird improvisiert. Ich möchte zum Schluss auch noch gerne meine Eltern grüßen und auch Grüße an das ganze Repositrecords-Team ins Büro schicken!

Die nächsten Auftritte von Le Grand Uff Zaque in Karlsruhe:

25.07.2010 16 Uhr Das Fest in der Günther-Klotz-Anlage

07.08.2010 0.30 Uhr KAMUNA-Abschluss-Konzert

Weitere Informationen unter: www.myspace.com/legranduffzaque

Thimo N. Etzkorn

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