Der Sommer ruft – und wir folgen

Wundervolle Ausblicke

Sonne, blauer Himmel, buntes Treiben auf der Straße, mit einem Wort: Sommer! Lange mussten wir warten, doch jetzt, wo der meisten Leute liebste Jahreszeit endlich da ist, beginnen die Studenten allerorts fieberhaft Pläne für den Urlaub in den vorlesungsfreien Monaten zu schmieden. Und wie jedes Jahr stellt sich auch dieses Mal natürlich wieder die Frage nach dem „wohin“; will man ans Meer, mediterrane Atmosphäre genießen? Oder zieht es einen in mildere Gegenden, weil man der Hitze und der teilweise lässigen Lebensauffassung nicht so viel abgewinnen kann?


Allen Unentschiedenen und Mittelmeersympathisanten kann ich das folgende Fleckchen Erde nur wärmstens empfehlen, denn drei Mal war ich bisher dort, und immer war es paradiesisch schön.

>Es ist ein bisher weitestgehend unbekanntes – obwohl nicht weit entferntes – Urlaubsziel im Norden Italiens. Ein Naturschutzgebiet ca. 80 Kilometer südöstlichlich von Genua, das den malerischen Namen Cinque Terre trägt. Das bedeutet übersetzt soviel wie Fünf Dörfer und der Name ist gewissermaßen Programm, erstreckt sich das Gebiet doch tatsächlich über fünf Dörfer (Monterosso, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore), die sich wie an einer Perlenkette aufgereiht auf einer malerischen Wanderroute befinden, die sich an der Küste der ligurischen Riviera entlang schlängelt.

Pfad entlang der Küste

Quelle: http://www.cinqueterre.net/ostello/naturschutzpark.html

Die Ortschaften sind noch in einem sehr ursprünglichen Zustand, zum Teil wie aus einem Bilderbuch. Vielerorts findet man ein Stückchen Pizza an einem Straßenstand zum Spottpreis, auch der Stil der Häuser ist nach wie vor unverändert. Da sich die Anreise mit dem Auto noch immer als unkomfortabel, mitunter sogar als kompliziert erweist (in den Dörfern herrscht deswegen meistens eine himmlische Stille, die nur vom geschäftigen Treiben der Anwohner unterbrochen wird), sollte man für diesen Urlaub viel Freude am Bahnfahren und Wandern mitbringen. Man könnte zwar auch tagein, tagaus an einem der kleinen, aber wirklich immer malerischen Strände verbringen, aber dann würde man dem, was die Gegend sonst noch alles zu bieten hat, nicht annähernd gerecht werden.

Aktivitäten rund um Cinque Terre

Denn nicht nur zum Wandern und Entspannen am Strand, sondern auch als Ausgangspunkt für Ausflüge in der Umgebung, beispielsweise nach La Spezia, oder sogar Pisa, ist Cinque Terre wie geschaffen. Was man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen sollte ist Genua. Mit dem weitläufigen Hafenviertel, den Arkaden, den Hügeln und den vielen kleinen Gässchen, die sich durch die verwinkelte Altstadt nahezu so wahllos ihren Weg suchen wie herabfließendes Wasser, ist Genua mit Sicherheit für jeden einen Ausflug wert.

Blick auf das Hafenviertel von Genua

Quelle: http://www.yachtbooker.de/yachtcharter/Charter/Charter_library/images/italy_genoa_harbor2.jpg

Auch kulturell ist Genua die Stadt in der Region; wer also auch mal Lust bekommen sollte auf ein wenig Party kommt gar nicht umhin, die Provinzhauptstadt zu besuchen. Das ist allerdings auch der einzige Nachteil an Cinque Terre – wer des Nachts das Stadtleben sucht, der muss entweder ausgeschlafen sein (und morgens um 5 den ersten Zug von Genua zurück nach Levanto nehmen), oder aber auf das Nachtleben großteils verzichten und bereits abends gegen halb 11 zurück nach Levanto fahren.

Entgegen der landläufigen Meinung über die Pünktlichkeit der italienischen Züge habe ich – zumindest in der Region – bisher keinerlei negative Erfahrungen mit Verspätungen etc. gemacht.

Anreise und Übernachtung

Als Basis für den Urlaub bietet sich vor allem das Städtchen Levanto an, da es mit dem Auto gut erreichbar und strategisch ideal gelegen ist – man ist in kürzester Zeit in einem der fünf Dörfer und aber auch schnell in Genua oder La Spezia. Außerdem sind dort tagsüber nur wenig Touristen zu sehen, was bei möglichem Verlangen nach einem ruhigen Tag wirklich Gold wert ist. Levanto hat mehrere schöne Campingplätze, mein absoluter Favorit ist jedoch der Campingplatz Acqua Dolce, denn dank der Terrassierung und unkonventionellen Raumaufteilung findet man stets ein schönes und ungestörtes Plätzchen.

Der Campingplatz "Aqua Dolce"

Quelle: http://www.nah-und-fern.de/images/20050703cinqueterre1010217.jpg

Die Zugfahrt nach Genua dauert etwas über einer Stunde (ähnlich wie mit dem Auto) und kostet gerademal 7,50 € – ein Preis, den man mit dem Auto nicht unterbieten kann, da dort neben Benzinkosten auch noch Maut- & Parkplatzgebühren hinzukommen (und die Nerven, die man braucht, um in Genua einen Parkplatz zu finden).

Der Nationalpark selbst (also die fünf Dörfer inklusive der Wanderwege) verlangt seit ein paar Jahren ein Eintrittsentgelt von 3,- € pro Person, mit dem dafür gesorgt wird, dass die Wege und Ortschaften gepflegt bleiben.

Da die Gegend ein traditionelles Anbaugebiet für Zitronen ist, ist dies auch die Essenz der regionalen Spezialitäten: Zitronenmarmelade und Limoncello (eine Art Zitronenlikör, der eiskalt getrunken wird). Den besten Limoncello, den ich je getrunken habe, hatte ich von einem alten Bauern, der seit vielen Jahren gemütlich in einer Kurve auf dem Wanderweg zwischen Monterosso und Vernazza auf Wanderer wartet. Die kleinen Fläschchen sind zwar recht teuer, aber geschmacklich um Welten besser als alles, was man im Supermarkt findet. Und wer des Italienischen mächtig ist, der kann mit dem meist sehr gut aufgelegten Alten sogar noch ein wenig plaudern.

Florian Kohl

Bookmark Tools
  • email
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Google Bookmarks
  • MisterWong
  • Digg
  • Netvibes
  • StumbleUpon
  • Add to favorites

Einen Kommentar schreiben