Von Peace und Protest zu Facebook und Twitter?

Klickst du noch oder demonstrierst du schon?

Sind die Studenten von heute überhaupt noch politisch aktiv oder ist das Peace-Zeichen nur noch ein modisches Accessoire? Welche Möglichkeiten des politischen Engagements bieten eigentlich die Studienzeit und die Universität?



Wenn die eigenen Eltern aus ihren Studentenzeiten und den damit verbundenen Protesten der 60er und 70er Jahre erzählen, fühlt man sich unweigerlich in eine Geschichtsstunde versetzt. Diese Zeit des politischen Aufruhrs mag zwar schon etwas zurückliegen, aber die Konflikte in unserer Welt bestehen nach wie vor. Noch immer gibt es Kriege, noch immer werden Menschenrechte verletzt, fehlt es an Tierschutz und noch immer ist Bildung auch in Deutschland nicht für jeden ohne weiteres zugänglich. Was sich aber scheinbar verändert ist die Art des Protests – wo früher Menschen unterschiedlichster Herkunft gemeinsam auf die Straße gegangen sind, treffen sich heute verstärkt Mitglieder politischer Gruppen, um gemeinsam zu demonstrieren. Doch liegt das an fehlendem Interesse der breiten Masse oder eher an fehlender Information?

Christian engagiert sich seit seiner Schulzeit bei den Jusos und vermisst bei seinen Kommilitonen das Interesse und das Engagement, wenn es um aktuelle politische Belange geht: „Die Studenten von heute kriegen doch nur noch am Rande mit, was gerade in der Welt so vor sich geht. Sie sind viel zu sehr eingespannt in ihren virtuellen Netzwerken und wirklich protestiert wird erst, wenn es sie direkt betrifft, wie etwa bei den Studiengebühren!“

Allerdings sehen nicht alle politisch aktiven die Online-Community in so schlechtem Licht. Peter Z. von Attac sieht gerade in diesen Communities eine neue soziale Veränderung: „Über Facebook, Twitter und Co. erreicht man eine große Anzahl von Menschen und es lassen sich bestimmte Informationen sehr schnell verbreiten. Das hat auch schon sehr gut funktioniert um Aufsehen zu erregen, wie zum Beispiel 2009, als es um die Proteste im Zusammenhang mit den Wahlen im Iran ging!“ ( http://www.facebook.com/group.php?gid=6214669318)
„Die Veränderungen innerhalb der sozialen Strukturen müssen genutzt werden, das heißt wenn die Menschen heute viel in Online-Communities unterwegs sind, dann muss man genau diese Art der Verständigung verwenden. Konflikte und Probleme sind seit Anfang der Menschheit vorhanden, nur die Art wie man damit umgeht ändert sich eben“, meint Laura Friedrichs, die sich in einer mit Freunden gegründeten Organisation zur politischen Aufklärung engagiert. Allerdings ist so ein Mausklick schnell gemacht und einer Online Gruppe beizutreten spricht nicht wirklich für politisches Interesse, denn Konsequenzen aus diesem Aktivismus folgen im Internet nicht. Doch heißt das wirklich, dass die Zeiten der großen Demos vorbei sind und wir quasi nur noch virtuell und unverbindlich unser politisches Interesse bezeugen?

Studentenprotest

Foto: Manfred Werner

Dass die heutigen Studenten aber durchaus auch zu direktem Protest in der Lage sind, hat sich 2009 gezeigt, als es um ihre Bildung ging. Und auch wenn ihnen Aktivisten wie Christian vorwerfen, dass es reiner Eigennutz ist, so ist es doch ein auf Nachhaltigkeit angelegter Protest. Die Studenten kämpfen schließlich nicht nur für ihre eigene Generation, sondern auch für Nachfolgende. Aus dem Bildungsstreik haben sich auch Gruppierungen entwickelt, in denen man sich weiterhin engagieren kann, wie etwa in Karlsruhe der Arbeitskreis (AK) Freie Bildung. (http://www.facebook.com/pages/KITbrennt-Unsere-Uni-Karlsruhe/192297783152?ref=ts)
Für viele ist die „virtuelle Politik“ keine wirkliche Alternative, aber sie wissen nicht genau wie man an politisch aktive Gruppen herankommt. Eine gute Möglichkeit bieten hier zum Beispiel die Hochschulgruppen an den Universitäten, wie etwa Amnesty International, in denen man sich ehrenamtlich engagieren kann. Diese Hochschulgruppen sind kleine Arbeitskreise im Verbund ihrer größeren Gruppe. Hier können die Studenten im Rahmen ihres Studiums politisch aktiv werden und auch von anderen lernen, die vielleicht schon mehr Erfahrung auf diesem Gebiet haben. Für die meisten Hochschulgruppen ist keine Anmeldung erforderlich und Interessierten wird empfohlen, sich über das Internet zu informieren, wann sich die jeweilige Gruppe trifft und einfach hinzugehen.
Foto: Christoph Lüdecke

Foto: Christoph Lüdecke

Das Problem am fehlenden politischen Engagement liegt oft in der fehlenden Motivation. Die meisten Studenten haben das Gefühl, dass ihr Protest keine Auswirkungen hat. Der Bildungsstreik hat allerdings gezeigt, dass genau dies ein Irrglaube ist und man durchaus etwas erreichen kann. Das betrifft nicht nur Bildungsthemen, man kann vielleicht keinen Krieg verhindern oder sofort die Todesstrafe abschaffen, aber es ist wichtig den Regierungen mitzuteilen, dass man anderer Meinung ist und nicht hinter ihren Aktivitäten steht. Und wie viel Macht das Volk hat, wissen wir in Deutschland spätestens seit 1989. Der Bildungsstreik war vielleicht nur der Anfang einer neuen Generation von Demonstranten und hat bei vielen sicherlich wieder das Interesse an der aktiven Beteiligung geweckt. Und wenn die Menschen sich heute über Online-Communities organisieren, dann müssen sich Leute wie Christian vielleicht doch einen Facebook-Account anlegen und dort für ihre Gruppen werben und zu gemeinsamen Aktionen aufrufen. Schließlich soll es nicht daran scheitern, dass keiner etwas vom Protest mitbekommen hat.

Sonja Maurer

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