Es rührt sich was im “Pott”

Ruhr2010_copyright Brüssel, den 11. April 2006: Es ist soweit – der Entscheid über die Vergabe des Titels Europäische Kulturhauptstadt 2010 ist gefallen. Neben Istanbul für die Türkei sowie Pécs für Ungarn, hat sich in Brüssel die deutsche Stadt Essen stellvertretend für die Metropole Ruhr durchsetzen können. Doch vermag diese Region, die vielen Menschen bis heute als verschmutzter “Kohlenpott” im Gedächtnis geblieben ist, den Anforderungen einer europäischen Kulturhauptstadt überhaupt gerecht zu werden?

Übrigens: Zusammen mit Regensburg, Potsdam, Bremen, Kassel, Braunschweig, Görlitz, Halle a.d. Saale und Lübeck hat sich auch die Stadt Karlsruhe um den Titel Kulturhauptstadt 2010 beworben. Trotz der enormen Anstrengungen, die die Fächerstadt in dieses Projekt steckte, konnte sie sich unter dem Motto: Mit Recht. Karlsruhe. gegen die anderen Bewerber nicht durchsetzen.

Die Besonderheit des Ruhrgebiets liegt vor allem in seiner industriehistorischen Vergangenheit. Der Kohleabbau und die große Gussstahlfabrik des Unternehmers Alfred Krupp haben in der gesamten Region ihre Spuren hinterlassen. Treppe ZecheÜber 150 Jahre andauernde Industriegeschichte verwandelte die ehemals kleinen Provinzstädtchen Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, und Oberhausen zu einem Schmelztiegel verschiedenster Nationen. Nicht umsonst gilt das Ruhrgebiet neben Großstädten wie Paris und London bis heute als größter Ballungsraum Europas. Die Folge: eine beinahe unüberschaubare Fülle an kultureller Vielfalt, die für das Kulturhauptstadtjahr 2010 eine nahezu unerschöpfliche Quelle für Veranstaltungen bietet.

Der Begriff “Pott” leitet sich von dem lateinischen Wort für “Brunnen” oder “Grube” (= puteus) ab. Später bezeichnete man im Allgemeinen die Bergwerke im Ruhrgebiet als “Pütt”.

Über 2.500 Einzelveranstaltungen

Das über 2500 Einzelveranstaltungen umfassende Repertoire reicht von Angeboten zur Geschichte, Kunst, Kultur und Industrie bis hin zu Sportveranstaltungen und Reisezielen in die nähere Umgebung. Einen Mittelpunkt zahlreicher hochkarätiger Veranstaltungen bildet in diesem Jahr das UNESCO-Weltkulturerbe Zeche Zollverein in Essen. Zollverein_Schacht_12Die 1986 als letztes Steinkohlebergwerk im Ruhrgebiet geschlossene Schachtanlage fungierte nicht nur bei der Eröffnung als stimmungsvolle Kulisse. Für das ganze Jahr sind Projekte geplant. Das ungenutzte Gebäude bietet dabei Raum für moderne Kunstausstellungen, klassische Konzerte, Theateraufführungen sowie Vorträge und industriebezogene Events.

Mehr über das UNESCO-Weltkulturerbe Zeche Zollverein unter http://www.zollverein.de/.
Alle geplanten Veranstaltungen findet man auch hier: http://www.zollverein.de/agenda.php.

Schachtzeichen

Unter dem Motto Schachtzeichen werden vom 22. – 30. Mai rund 400 mit Helium gefüllte Ballons über den ehemaligen, stillgelegten Industrieanlagen des Ruhrgebiets aufsteigen. Bis in eine Höhe von etwa 80 Meter sollen die gelben Gasbälle in die Luft ragen und als einmalige Kunstattraktion helfen, den Menschen die entstehende Metropole Ruhr in ihrer Ganzheit erfahrbar zu machen. Seitdem der Kohleabbau ab den 1960er Jahren rapide zurückging, waren im „Pott“ Alternativen gefragt. In den letzten 20 Jahren hat sich einiges verändert. Die ehemalige von der Schwerindustrie geprägte Region hat sich im Laufe der Zeit in eine moderne Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft verwandelt. Mit Hilfe des Projekts will RUHR2010 auf die industriehistorische Vergangenheit des gesamten Gebietes aufmerksam machen, gleichzeitig aber auch auf die Gegenwart und die Zukunft verweisen. Das Ruhgebiet soll zu einer europäischen Metropole heranwachsen.

Mehr über das Projekt unter http://www.schachtzeichen.de/

Still-Leben Ruhrschnellweg

Still-Leben+Ruhrschnellweg KleinEines der Highlights des Jahres findet am 18. Juli statt. An diesem Tag wird der Verkehr auf der A 40/ B1, der meist befahrenen Auto- bahn Europas, zwi- schen Dortmund und Duisburg auf insgesamt 60 km für 6 Stunden still gelegt.
Foto: TAS Emotional Marketing GmbH

Anstelle von Lärm und Gestank wird die Straße Schauplatz für interkulturelle Begegnungen sein. RUHR2010 hat die Menschen in der Umgebung dazu aufgerufen, die Vielfalt der Region auf die Straße zu bringen. Ruhrschnellweg klein Tänzer, Sportvereine, Imker, Rapper und viele andere mehr werden mit allerlei Darbietungen die „längste Tafel der Welt“ aktiv mitgestalten.

Foto: TAS Emotional Marketing GmbH / RUHR.2010 GmbH

Die bunte Vielfalt an Veranstaltungsangeboten in diesem Jahr kennt kaum Grenzen. Ohne die industriekulturelle Vergangenheit, die diese Region über ein Jahrhundert lang prägte, wäre die Besonderheit des Ruhrgebiets in seiner heutigen Form jedoch nicht denkbar. Nach langen Jahren des Niedergangs steht die Metropole, die als erste regionale Landschaft überhaupt den Titel Europäische Kulturhauptstadt erhielt, für den Aufbruch in eine neue Zeit.

Lust auf mehr? Unter folgendem Link findet ihr alle Informationen über das aktuelle Programm von RUHR2010, die Geschichte der Bewerbung etc.: http://www.essen-fuer-das-ruhrgebiet.ruhr2010.de/
Edda Behringer

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