Das ist ja zum die-Wand-hoch-gehen…!

Sebastian atmet schwer. Mit letzter Kraft schiebt er seinen rechten Arm entlang der Wand nach oben. Er fühlt den rauen Kunststoff unter seinen Handflächen während seine Hände darüber gleiten. Der Schweiß rinnt ihm von der Stirn. Mit seinen Fingerspitzen tastet er nach einer Wölbung und umgreift sie schließlich. Seine Muskeln brennen. Sebastian zieht sich nach oben. Doch plötzlich rutscht er ab und fällt … sicher in das Seil.

Die eigenen Grenzen kennen zu lernen und zu überwinden ist für viele Kletterfreunde das Motiv, das sie regelmäßig an die Wand treibt. Seine Angst zu besiegen, ein Gefühl für den eigenen Körper zu entwickeln, sein Gewicht auszubalancieren und sich dabei noch auf das Greifen und die Route zu konzentrieren, erfordert den vollen Einsatz des Gipfelstürmers. Obwohl der Aufstieg dem Sportler, der sich dem Klettern verschrieben hat, einiges abverlangt, ist das Risiko insbesondere beim Bezwingen der Kunstwand in der Halle durchaus kalkulierbar. Der Aufstieg an der Naturwand birgt Gefahren, wie zum Beispiel durch herabstürzendes Geröll oder durch Sicherungspunkte, die sich in größerer Entfernung zueinander befinden als an einer Kunstwand. Daher erfordert der Aufstieg dort oftmals mehr Erfahrung während sich das Klettern in der Halle besonders für Einsteiger eignet. Ein weiterer Vorteil in der Halle ist, dass man seine Route und den damit verbunden Schwierigkeitsgrad vorab gezielt bestimmen kann. Die verschraubten Griffe bieten sicheren Halt und anhand ihrer farblichen Unterschiede fällt auch die Orientierung nicht schwer.

Sebastian „Für mich ist Klettern der sicherste Extremsport“, meint der 25-jährige Student Sebastian, der mittlerweile seit fast drei Jahren regelmäßig ,die Wände hoch geht’. „Man muss sich nur an die Regeln halten.“ Welche Regeln das sind, hat er vorab in einem Kletterkurs gelernt. „Unvorbereitet sollte niemand an die Wand gehen,“ sagt Sebastian und schnallt sich den Klettergurt um, „vor allem, weil man sich beim gegenseitigen Sichern auch immer auf den Partner verlassen können muss.“ Denn dass Sebastian in der eingangs beschriebenen Szene gefahrlos in das Seil fallen konnte, war nur dadurch möglich, dass sein Kletterpartner bei der Sicherung alles richtig gemacht hat. Der Partnercheck vor jedem Klettergang, bei dem Gurtverschluss, Anseilpunkt und Anseilknoten, Karabiner und Sicherungsgerät sowie die Absicherung des Seilendes des Partners überprüft werden, ist daher obligatorisch. Generell sollte der Partner ungefähr das gleiche Gewicht haben, die Sicherungstechniken beherrschen und sich auf den Aufsteigenden konzentrieren. Gerade die sich daraus ergebende Mischung aus Teamwork und Individualsport schätzen viele Kletterfreunde.

Ausrüstung

Beim so genannten Bouldern, einer eigenen Disziplin des Sportkletterns, findet eine Begehung ohne Gurt oder Seil statt. Der Kletterer befindet sich hierbei stets in Absprunghöhe. Zu seiner Sicherheit liegt unter ihm eine Matte, das Crashpad, das ihn beim Stürzen vor Verletzungen bewahren soll. Eine Sicherung durch einen Partner ist hier also nicht erforderlich. Entscheidend ist bei dieser Disziplin nicht der Höhengewinn, sondern sich an Griffen zu halten, die man gerade noch so erreichen kann. Die sich so ergebenden, möglichst schwierigen Kletterzüge müssen dann oft durch akrobatisch anmutende Einlagen gemeistert werden. Den Sicherungsanforderungen entsprechend gering ist beim Bouldern auch die benötigte Minimalausrüstung. Crashpad, Kletterschuhe und ein Chalkbag, gefüllt mit Magnesia – gegen Schweißbildung auf den Händen – sind die wichtigsten Utensilien.

Bouldern

Sebastian und seine Kollegen vom Uniklettern sichern sich bei der vertikalen Begehung im Toprope. Bei dieser Sicherungsmethode wird das Seil am oberen Ende der Wand in Umlenkhaken eingehängt, während der Partner den Kletternden vom Boden aus sichert. Diese Sicherungsform ist für Einsteiger ideal, da sie am einfachsten zu erlernen ist und trotzdem die größte Sicherheit bietet. Die Minimalausrüstung umfasst hier neben Kletterschuhen und Chalkbag zusätzlich noch Gurt, Seil, Sicherungsgerät und HMS-Karabiner.

Toprope1

Beim Vorstieg wird auf eine Weise gesichert, die ebenfalls einen Partner erfordert. Hierbei erfolgt die Seilsicherung nicht von oben, wie beim Toprope, sondern von unten. Der Kletterer hängt das mitgeführte Seil dabei immer wieder selbst in Zwischensicherungen ein, um seine Fallhöhe zu verringern. Diese anspruchsvolle Methode erfordert zusätzliche Ausrüstung, mehr Erfahrung beim Kletternden und erhöhte Aufmerksamkeit beim Sichernden und ist daher eher eine Disziplin für Fortgeschrittene.

Toprope2

Klettern in Karlsruhe

In Karlsruhe gibt es verschiedene Möglichkeiten zum Klettern in der Halle. Kletterbegeisterte Studenten haben die Option, kostengünstig und regelmäßig am Klettern als Hochschulsport teilzunehmen. Die Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene, zu denen man sich allerdings anmelden muss, finden zu festen Terminen in Halle 2 (hinter dem Audimax) statt. Vor Semesterbeginn wird in der Regel ein Schnupperkurs angeboten, bei dem sich Interessierte zunächst ein Bild vom Sport und der Halle machen können, bevor sie sich einschreiben. Beim Klettern an der Uni sollte man sich zudem seine eigene Ausrüstung anschaffen, was sich aber allein schon wegen der regelmäßigen Nutzung in jedem Fall lohnen dürfte.

Im Kletterzentrum The Rock in Mühlburg können Kletterkurse zum Erlernen der Sicherungstechniken besucht und die benötigten Materialien ausgeliehen werden. Gleiches gilt für die Kletterhalle des Deutschen Alpenvereins e.V. (DAV) in der Waldstadt. In der DAV-Halle profitieren Vereinsmitglieder von Vergünstigungen bei den Eintrittspreisen, die Halle öffnet ihre Pforten aber ebenso für Nicht-Mitglieder. „Auch beim Klettern in den kommerziellen Hallen empfiehlt es sich, nicht zu lange mit der Anschaffung einer eigenen Ausrüstung zu warten, wenn man dabei bleiben will. Das lohnt sich schon nach rund zwanzig Besuchen“, so Sebastian, der, wie er findet, zu lange gezögert hat, die rund 150 Euro zu investieren.

Infos zu Preisen und Kursen:
Hochschulsport
The Rock
DAV-Kletterhalle

Nicht erst seit dem 2007 erschienen Film “Am Limit”, in dem dokumentarisch das Erklimmen des Granitfelsens El Capitan durch die Gebrüder Huber festgehalten wurde, erfreut sich der Klettersport wachsender Beliebtheit. Besonders für Einsteiger und diejenigen, die es weniger riskant mögen als die ,Huberbuam’, bietet die Kletterhalle den idealen Raum zur Ausübung des Klettersports. Außerdem kann man hier unabhängig von Wetter und Tageszeiten dem klettersportlichen Vergnügen frönen. Die Kletterhalle eignet sich speziell für diejenigen, bei denen die sportliche Komponente einen höheren Stellenwert einnimmt als das Naturerlebnis am Felsen. Ob regelmäßig oder nur gelegentlich zum Spaß – Klettern ist Trendsport.
Tendenz: steigend.

Ina R. Walter

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