Buchrezension: Siegfried Lenz’ Schweigeminute

schweigeminute_bildDie Trauerfeier in der Schule lässt Christian zu den bedeutsamen Momenten mit Stella Petersen zurückkehren. Sie war seine große Liebe – doch zugleich auch seine Englischlehrerin.

Die Liebe und ihre Tabus sind ein gängiges Thema in Literatur und Film. Doch was ist so besonders an Siegfried Lenz’ Novelle, dass ihr im Mai 2008 innerhalb von zwei Wochen der Sprung auf Platz zwei der Bestsellerliste gelang?

Auf gerade einmal 128 Seiten erzählt Lenz eine Liebesgeschichte inmitten von Wasser, Strand und Booten, die von der Trauer des 18-Jährigen Schülers Christian begleitet wird. Kurze schwarze Haare, helle Augen, attraktiv und immer ein Lächeln auf den Lippen, das war Stella Petersen. Während der Direktor eine Rede hält und Schüler ungeduldig die Schweigeminute zu überwinden versuchen, nimmt Christian den Leser immer wieder zu den Erlebnissen seines Sommers mit.

Es sind Ferien in Hirtshafen, einem fiktiven Ort an der Ostsee. Hier begegnen sich Christian und Stella außerhalb des Klassenzimmers. Ein langer Tanz beim Strandfest, die missglückte Fahrt zu den Steinfeldern und der Notunterschlupf in der Hütte der Vogelinsel lassen die Beziehung der beiden intim werden. In wortlosem Einverständnis küssen sie sich in Stellas Hotelzimmer, teilen ein Kopfkissen miteinander und lieben sich schließlich unter den Kiefern. Doch es kommt der Punkt der Ratlosigkeit: Was jetzt? Wie soll es in Zukunft weitergehen?

Prahm, Jollen und Dingis – Mit der Seemannssprache zeigt sich Lenz vertraut. Immerhin spielte sich sein Leben an ähnlichen Schauplätzen wie in der Novelle ab. Ein Vorort Hamburgs, Schleswig-Holstein und Dänemark waren solche Stationen.

Leise und unspektakulär, das soll die Art von Siegfried Lenz (*1926) sein, der 1951 seinen ersten Roman Es waren Habichte in der Luft veröffentlichte. Sicherlich ist Lenz’ Novelle keine emotionale Achterbahnfahrt, wie etwa der 2004 erschienene Liebesroman P.S. Ich liebe dich von Cecilia Ahern. Denn sein Charme besteht im Verzicht auf überschwängliche Gefühlsbeschreibungen und Liebesdetails, sodass vieles der Vorstellungskraft der Leser überlassen wird. Trotz alldem ist es keine sachliche Liebesgeschichte. Sie ist vielmehr poetisch. Besonders wenn Ich-Erzähler Christian von der dritten Person in die direkte Anrede wechselt: Du warst immer lachbereit, du sahst so märchenhaft gut aus, fühlt man geradezu den bittersüßen Schmerz in seinen Worten. Durch Stellas Tod verewigt sich Christians Liebe. Und diese bewahrt er im Schweigen.

Kristina Kunz
Siegfried Lenz: Schweigeminute.
Deutscher Taschenbuch Verlag, November 2009.
128 Seiten, Taschenbuch, 7,90 €.
ISBN-10: 3423138238

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Eine Reaktion zu “Buchrezension: Siegfried Lenz’ Schweigeminute”

  1. Martin Fenin

    Deutsch ist soooooo langweilig!

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